Geld & Zins

Heute möchte ich gerne ein paar Filme und Links zum Thema Geld und Zins präsentieren. Diese Vereinfachungen können sicher das heutige Weltfinanzsystem nicht erklären, als Einstieg in die Materie sind Sie meiner Meinung nach aber recht gut geeignet.

Zunächst ein gut gemachtes und beinahe zynisches Film(chen) zu dem Thema, die man unbedingt gesehen haben muss:
Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=aK2yZlHk4cA
Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=0VOtdQrCoyk

Ein einfaches Geldmodell, das das Problem des Zinses und Zinseszinses auf ein anschauliches Beispiel reduziert, ist auf dieser Seite nachzulesen:
--> http://www.artfond.de/geldmodell.htm

Das sich Kapitalismus und Sparen gegenseitig ausschließen haben die beiden folgenden Artikel aus der ZEIT zum Inhalt. Die Dynamik des Zinses ist es, die den Kapitalismus zu einem Schneeballsystem werden lässt. Die Basis des kapitalistischen Wirtschaftens besteht darin, dass es in jeder Periode jemanden gibt, der sich in dem Maße verschulden muss, wie andere Zinsen zahlen und Gewinne machen.
--> http://www.zeit.de/2003/45/GS-Heusinger
--> http://www.zeit.de/2004/48/gedankenexperiment
Die Schlußfolgerung des zweiten Artikels, die Funktionsweise des Hamsterrades müsse verstanden werden, damit wir gut weiterlaufen können, ist sicherlich unbefriedigend.

Einen historischen Überblick über die Geschichte des Zinses gibt der folgende Artikel. Besonders interessant ist das Beispiel zu Beginn des Artikels:
--> http://www.zeit.de/2003/06/Zinsgeschichte?page=1

Bernard A. Lietaer war einer der Väter des Euro und unterrichtet derzeit an der Sonoma State University und an der Universität Berkeley. Er ist Vertreter der Freigeld-Schule. Das aktuelle Geldsystem bezeichnet er als „Pest“:
--> http://www.zeit.de/2003/45/GS-Kasten-Lietaer
Ein längeres Interview des Wirtschaftsmagazins brand eins mit B. Lietaer ist unter dem folgenden Link zu finden:
--> http://www.artfond.de/interviewlietaer.htm

Eine kleine Einführung in die Theorie des umlaufgesicherten Geld, welches im Interview zuvor angesprochen wurde, liefert die Wikipedia:
--> http://de.wikipedia.org/wiki/Freigeld
Sogenannte Regiogeld-Intiativen gibt es in Berlin (http://www.berliner-
regional.de/Hauptseite
) und Potsdam (http://www.havelblueten.de/).

Ich hoffe euch gefällt meine kleine Zusammenstellung. Kritik nehme ich gerne entgegen.


6 Antworten auf „Geld & Zins“


  1. 1 ueberfluss 13. September 2007 um 16:33 Uhr

    Hallo Thomas,

    ich finde euer Engagement wirklich sehr gut, aber mit der Rundmail zu Geld & „Kapital“ habt ihr echt sehr weit daneben gegriffen. Die Freiwirtschaftslehre von Gesell wurde in letzter Zeit immer wieder ausführlich kritisiert und ihre Schnittmengen zum Antisemitismus aufgezeigt. Das Filmchen, was mensch „unbedingt gesehen haben muss“, verdeutlicht dieses nur allzu genau. Aus dem Unverständnis davon, was Zins ist, wird eine (wunderschön veranschaulichte) Verschwörungstheorie aufgebaut.

    Wie gesagt wurde in letzter Zeit viel zur Freiwirtschaftslehre von Gesell, zur Kritik des Zins und zur Trennung zwischen „produktivem“ und „unproduktivem“ Kapital geschrieben. Ich habe leider gerade keinen Text im Kopf. Kurzes googlen hat mich auf einen Text zu „Strukturelle[m] Antisemitismus und verkürzte[r] Kapitalismuskritik“ geführt. Diesen würde ich euch als Einstieg in die Problematik empfehlen. Er behandelt Gesell und co explizit im zweiten Abschnitt. Wenn du / ihr Interesse an einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit verkürzter Kapitalismuskritik und den dadurch eröffneten Schnittstellen zum Antisemitismus habt, könnte ich mir nochmal ein wenig mehr Zeit nehmen und dazu ein paar mehr Texte zusammenstellen. Wenn es euch stattdessen darum geht, die Ökonomie zu verstehen, so kann ich euch nur empfehlen von einer Kritik des Zinses und ähnlichen Öberflächtlichkeiten abstand zu nehmen. Das beste ist immer noch zum Einstieg eine Lektüre des Klassikers: Das Kapital von Karl Marx. Natürlich eine Einführung und nicht die drei Bände. Zu Empfehlen ist von Michael Heinrich „Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung“. Erschienen in der Reihe theorie.org

    Ich hoffe ihr nehmt diese Anregungen auf und setzt euch kritisch damit auseinander.

    Solidarische Grüße

  2. 2 Thomas 13. September 2007 um 16:39 Uhr

    Hallo!

    Vielen Dank für deine Kritik an meiner Zusammenstellung.

    Teilweise hast du sicherlich recht. Der Film gehört eher nicht zu den Filmen, die man dringend gesehen haben muss, schon weil hier nicht zwischen Noten- und Geschäftsbanken unterschieden wird, was inhaltlich ein sehr großer Unterschied ist. Im Kern wollte ich das Problem zum Ausdruck bringen, dass die Notenbanken Geld ausgebenen, für welches sie Zinsen verlangen, die eine neue Geldaufnahme unabdingbar machen und damit die Wirtschaft zu einem stätigen Wachstum einerseits beflügeln, andererseits aber auch verdammen. Gemeint ist hier nicht der Zins, den Geschäftsbanken von ihren Kunden verlangen, dessen Kritik für antisemitisch gehalten wird. Da die Notenbanken aber ein unpersonalisiertes Objekt im kapitalistischem System darstellen, kann hier wohl kaum eine Gleichsetzung mit den Juden stattfinden.
    Mir ist allerdings auch klar, dass sich Kapitalismuskritik nicht nur an diesem einen Punkt abspielen kann. Daher ist dein Verweis auf auf Marx richtig. Im Moment lese ich das Buch „Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen“ des Marxisten Altvater.

    Ich finde allerdings durchaus, dass die Trennung von Finanzkapital und Produktionskapital durchaus gerechtfertigt ist, auch wenn beides in einem engen Verhältnis zueinander steht. Die heutigen Renditeforderungen von über 20 % können aus dem Mehrwert der Produktion kaum befriedigt werden. Derartige Renditen sind höchstens nach dem Prinzip der Hedge Fonds bzw. Privat Eqity Fonds oder eben durch Kredite zu erzielen. Welche große Rolle Kredite spielen, lässt sich ja derzeit in Amerika und an den „Finanzmärkten“ beobachten.
    Das es hierbei aber kein personalisiertes „Böses“ gibt, ist absolut richtig. (In dem besagten Film wird das meiner Meinung nach recht gut durch die Aliens aus dem Simsons dargestellt. Aliens sind ja etwas unbekanntes, diffuses.) Mittels der „Fondssparpläne“, Rentenfonds und dergleichen werden wir alle zu Akteuren auf den Finanzmärkten. Wenn ein Kapitaleigner einer Firma die Entlassung von Mitarbeitern aus Kostengründen fordert, ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Mitarbeiter Anteile an diesem Kapitaleigner besitzen. Hier wird die unscharfte Trennung von Finanz- und Produktionskapital besonders deutlich.

    Warum hier Menschen der jüdischen Religion ins Spiel gebracht werden, ist mir schleierhaft. Sicherlich haben Juden im Deutschland vor dem 20. Jahrhundert Geld durch Kreditvergabe verdient, weil sie nur Berufe ohne Zunftzwang ausüben durften und für den Schutz durch den Kaiser oder Landesherren teuer bezahlen mussten. Aber zum einen waren die Juden keine Fondsmanager und auch keine Notenbank, zum anderen sind sie hier ziemlich deutlich als Opfer des gesellschaftlichen Systems erkennbar, wenn man sich mit der Geschichte auseinandersetzt. Im Gegensatz zu früher, als die Landesherren Nutznießer des Systems waren, sind heute kaum Täter eindeutig auszumachen, wie das obige Beispiel gezeigt hat. Vielmehr gibt es heute nr von Gewinner und Verlierer. Daher leitet sich die sicherlich richtige Forderung nach der Kritik am System ab.

    Den von dir empfohlenen Text von Thomas Schmidinger habe ich gelesen. Er liefert gute Informationen, z.B. über Silvio Gesell. Allerdings übertreibt er an einer anderen Stelle auch maßlos. Wenn Chomsky den Nationalstaat verteidigt, tut er dies nicht aus nationalistischen Gründen, sondern weil dieser Sozialstaat ist, auch wenn die Nationalstaaten eine Stütze des kapitalistischen Systems sind.

    Für mich stellt sich die Frage ob ein zinslos ausgegebenes Geld, bzw. ein Geld das mit einem Negativzins belegt ist, in einem nachkapitalistischen System eine Rolle spielen kann.

    Liebe Grüße
    Thomas

  3. 3 ueberfluss 13. September 2007 um 16:46 Uhr

    Hallo,

    erstmal freue ich mich, dass du auf die Kritik eingegangen bist. Aus deinen Ausführungen lese ich ein großes Missverständnis darüber heraus, was Finanzkapital eigentlich darstellt, was dieses mit industriellem Kapital zu tun hat und welche Funktion dieses innerhalb des Kapitalismus ausführt.

    Die Wirtschaft wird im Kaptialismus keineswegs durch den „Zinsdruck“ beflügelt – bzw. wie ich es ausdrücken würde: Das Kapital akkumuliert. Dies geschieht vielmehr durch die Konkurrenz der Einzelkaptalien zwischen einander. Ein ständiges Streben nach einem Extraprofit oder zumindestens zum Halten der Profitrate ist bei Strafe des Bankrotts zwingend notwendig. Damit hat die Geldausgabe der Notenbank genauso wenig zu tun, wie die Zinsen. Das Problem an den Zinsen ist die Vorstellungskraft, woher dieser Profit, der scheinbar keine reale Basis hat, eigentlich kommt. Genau durch dieses Unvermögen entstehen dann Vorstellungen wie die des Parasitären Geldverleihers (in dem Film ist dieser als Alien personifiziert), der wahlweise die einzelnen Menschen oder die nationale Wirtschaft aussaugen würde und davon gut leben ohne etwas zu tun. Genau an diesem Punkt hilft eine Lektüre von Marx (oder der Einführung von Heinrich – mal ehrlich „das Kapital“ selber liest ja fast niemand). Dort wird gezeigt, dass die Zinsen keineswegs außerhalb der Produktion entstehen. Vielmehr ist das Finanzkapital die notwendige Grundlage für eine schnelle Umverteilung des Kapitals auf Branchen, die eine höhere Rendite versprechen. Ein Teils des durch die Verausgabung abstrakt menschlicher Arbeit in der Produktion geschaffene Mehrwert fließt dann an den Kreditgeber (Bank) als Zins zurück.

    Es wird dabei bei Heinrich auch schön gezeigt, warum ein Kapitalismus ohne Finanzkapital (und Zinsen) nicht möglich ist, sonder der Kapitalismus dies zwangsläufig benötigt.

    Liebe Grüße

  4. 4 abc 13. September 2007 um 17:37 Uhr

    Zwei Literaturtipps

    1. Wieder ein Menschheitsretter (rtf)
    Rezension von: Elmar Altvater, Das Ende des Kapitalismus – so wie wir ihn kennen
    http://www.fhuisken.de/Elmar%20Altvater.rtf

    2. Anmerkungen zu einer Finanzkrise der ganz modernen Art
    Der Welterfolg einer neuen Technik finanzkapitalistischer Selbstbefriedigung macht weltweit Ärger
    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/07/3/inh073.htm

  5. 5 guadalupe 01. Oktober 2007 um 14:06 Uhr

    Hallo Thomas,

    über die Zusammenstellung der Links habe ich mich gefreut.

    Ärgerlich und überflüssig ist der Beitrag von Überfluß.

    Mit der längst widerlegten Antisemitismuskeule werden lediglich Denkverbote über das Wesen des Zinses artikuliert.

    Hier die Widerlegung: http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/schmitt/entditfurth/

    Deswegen auch dessen strenge Empfehlung, „Abstand zu nehmen“ von einer Kritik am Zins. Lass Dir bitte das Denken nicht verbieten.

    Lies Dir den Link http://www.artfond.de/geldmodell.htm ruhig noch einmal durch und frage Dich, welche Berechtigung ein Zins im Wirtschaften haben soll?

    Hier wird der Nachweis gründlicher geführt:
    http://www.artfond.de/kinderzimmereins.htm

    Dann fällst Du auf Überflusses marxistischen Schwachfug nicht mehr herein.

    Zitat:
    „Dort wird gezeigt, dass die Zinsen keineswegs außerhalb der Produktion entstehen.“

    Hat doch keiner behauptet. Zinsen werden erzwungen und aus der Produktion bezahlt. Man nimmt dem Arbeitenden seinen Ertrag weg. So einfach ist das.

    „Vielmehr ist das Finanzkapital die notwendige Grundlage für eine schnelle Umverteilung des Kapitals auf Branchen, die eine höhere Rendite versprechen.“

    Was für ein geistiger Schwachfug. Kapital ist die Grundlage des Kapitals und auch noch notwendig. Wie geistreich. Die Rendite gehört denjenigen, die es erarbeiten und nicht irgendwelchen Leuten, die Zettel (=Geld) herstellen und verleihen.

    „Ein Teils des durch die Verausgabung abstrakt menschlicher Arbeit in der Produktion geschaffene Mehrwert fließt dann an den Kreditgeber (Bank) als Zins zurück.“

    Geht es umständlicher? Verausgabung abstrakt menschlicher Arbeit? Häh. Gehirn verklebt?
    Es geht aber einfacher: Der Kreditgeber nimmt dem Arbeiter die Früchte seines Ertrage weg. Da es erzwungen wird, nennt man das strafrechtlich Raub, zur Zeit legal. Da fließt keine abstrakte Verausgabung zurück.

  6. 6 Toks 01. Oktober 2007 um 20:24 Uhr

    Sorry „überfluss“, aber hast du neben deinem polemischen Quark von deinen „Schnittmengen zum Antisemitismus“ auch noch was handfestes an der Frewirtschaftlehre auszustzen.

    Bitte ohne viel künstliches aufgeblasenens Palabern und möglichst nachvollziebar erklärt.

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