Die RAF als antisemitische Terrorvereinigung

Das die RAF radikal antijüdisch war, zu diesem Ergebnis kommt Veit Medick in der TAZ vom 6. Oktober. Gleichzeitig sieht er darin eine Ursache für den latent vorhandenen Antisemitismus der heutigen Linken.

Medick begründet seine These einerseits mit den Schreiben und Kommentaren der RAF und andererseits durch die Analyse gewaltätiger Aktionen der Gruppierung. Drei seiner Argumente sollten hier beispielhaft skizziert werden.
Eine antijüdische Haltung begründet sich aus der Analyse des Anschlags auf die israelische Olympiamannschaft 1972 der RAF. Den palestinensischen Tätern wird dabei eine „Sensibilität für historische und politische Zusammenhänge“ attestiert. Ihre Tat war gleichmaßen „antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch“.
Ein weiteren Ansatz für die Judenfeindlichkeit gewinnt Medick aus der Antisemitismus-Defintion von Ulrike Meinhof: Die Juden seien ermordet wurden „als das, was man sie ausgab – als Geldjuden. Der Antisemitismus war seinem Wesen nach antikapitalistisch“. Damit rechtfertigt Meinhof einerseits die gängigen antisemitischen Stereotype und Klischees, andererseits sogar einen Teil der natinalsozialischen Vernichtungspoltik – nämlich in sofern, als das dieser antikapitalistisch gewesen wäre.
Die Flugzeugentführung von Entebbe 1976, bei der zwei deutsche RAF-Mitglieder federführend beteiligt waren, hatte ebenso antisemitische Züge. Die Passagiere wurden in Juden und Nicht-Juden eingeteilt. Die Ursache dieser nationalsozialischen Praxis in den palästinensischen Mitentführern zu suchen, greift sicherlich zu kurz.
Für die Begründung der Antisemitismus-These werden zwar nur einzelne Schreiben oder Details von Gewaltaktionen herangezogen, es muss aber festgehalten werden, dass diesbezüglich kritische Äußerungen von RAF-Mitgliedern oder Sympathisanten selten sind.

Ob der Antisemitismus der RAF aber eine Ursache für den Antisemitismus in Teilen der heutigen Linken ist , daran darf doch gezweifelt werden. Linker Antisemitismus, oft unter dem Deckmantel des Antiimperialismus, speist sich vielmehr aus der falschen Beurteilung der aktuellen Situation in Nahost. Weder kann man die palästinensische Situation mit der Situation der Juden in den Ghettos der Nazis gleichsetzen, noch sind die Palästinenser-Gebiete ein Hort des Terrorismus – wie die vermeintlich proisraelische Gegenseite arumentiert.

TAZ: Radikal antijüdisch


1 Antwort auf „Die RAF als antisemitische Terrorvereinigung“


  1. 1 machnow 07. Oktober 2007 um 10:20 Uhr

    medick lebt in diesem artikel meiner meinung nach einen extremen minderwertigkeitskomplex aus. der antisemitismus diskurs in der neuen linken, beginnend in der RAF, wird nämlich entgegen seinen aussagen durchaus geführt. er wurde schon sehr früh und begonnen und hält sich bis heute. hierbei fallen die auseinandersetzung um antizionismus, antisemitismus mit diskursen um kollektiv, faschistoidem antiindividualismus, militanz und marxistischer diktatur zusammen. die autonome bewegung in den achtzigern hat hierbei eine durchaus emanzipatorische und befreite logik jenseits ideologisierter auffassung anarchisch aufgezeigt. erst mit der wiedervereinigung und dem enormen druck auf die radikale linke bewegung entspann die debatte um die „deutsche schuldfrage“ widerum. jedoch diesmal sehr viel fataler als in den 70igern. die antideutsche-antiimp-debatte lähmt hierbei die entwicklung einer wirklichen neuen linken sozialen bewegung.

    minderwertigkeitskomplex meine ich auch deshalb, weil permanent in der diskussion um antisemitismus schuldfragen vermengt werden, die dort durchaus nix zu suchen haben. natürlich hat mit adorno die GESAMTE menschheit und INSBESONDERE deutschland die aufgabe die shoah nicht zu vergessen und darauf zu achten, dass solch ein genozid nicht noch einmal passiert. jedoch bezieht sich diese aussage auf ein erinnerungsdiktum und NICHT auf eine schuld- oder entlastungsmöglichkeit. verzeihen iss einfach nich und wird auch nie sein! und genau hier liegt ein grundproblem im umgang mit der schuld. der jüdische arzt zwi rix meinte einmal „die deutschen werden uns auschwitz nie verzeihen“ und damit hat er sehr recht. vielleicht lässt sich am umgang mit der „deutschen schuldfrage“ feststellen wie deutsch jemand ist.

    ein weiterer aspekt, warum die schon längst beendete und auf anderer ebene geführte antisemitismus debatte rausgeholt wird, könnte die erinnerungsmaschinerie um den sogenannten deutschen herbst sein. hierbei wurde ebenfalls eine schuld- und sühnefrage angestossen. natürlich ohne auf die „opfer“ einzugehen, den die waren in den 70igern durchaus breit diskrediert. und zwar nicht als „finanzjuden“, sondern als nazis… naja. vielleicht geht es aber auch darum, dass bürgerliche kreise angst vor sinkender abscheu gegenüber den taten der stadtguerilla haben (siehe Peter O. Chotjewitz: Sie rechnen damit , dass es wieder los geht, freitag 14.9). es wird nämlich, wie stefan reinecke, ebenfalls in der TAZ ausführt, nur einem scheinriesen gehuldigt, so dass ideologisch-politische denunziation grundgedanke der debatte sein könnte.

    die zweite debatte iss schwierig. ich würde dir, thomas, wiedersprechen, dass die palästinensische situation nicht mit der jüdischen in ghettos vergleichbar wäre. mit der shoah an sich ist sie absolut nicht zu vergleichen. ein geplanter, industrialisierter, in gesetze gegossener genozid findet nicht statt. ABER eine rassistische einschränkung in der bewegungsfreiheit, behinderung bei medizinischer versorgung und militärische bewachung lässt sich in jedem fall feststellen. der israelische staat und mit ihm teile der israelischen wirtschaft hat mit dem sogenannten sicherheitszaun eine ausgrenzung ganzer bevölkerungsschichten und wirtschaftliche sonderzonen geschaffen, in denen palästinenser billig, quasi noch stärker unter druck leben und arbeiten. die anarachist against the wall beschäftigen sich sowohl theoretisch als auch praktisch als anarchistische, antizionistische, atheistische, israelische und jüdische gruppe insbesondere mit dieser thematik imperialistischer, rassistischer politik des staates israel. es gibt nämlich keinen palästinensischen staat und kein palästinensisches territorium. die ablehnung israels von palästinensischer seite ist zunächst mal eine, die sich gegen den besatzer richtet. sie verkehrt sich oft in säkularen und religiösen antijudaismus, wobei ich mir nicht sicher bin, ob antisemitische klischees wirklich treibend sind, und nicht vielleicht sogar von aussen implemetiert und zum teil als real erlebt werden (wie zum beispiel eine weltverschwörung unter israelisch/jüdischer führung gegen palästina, die eine staatsgründung permanent unterbindet).

    also jut, jetzt reichts…

    machnow!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.