Antifa und Bürger, Seit an Seit

In Königs Wusterhausen, im Süden von Berlin gelegen, führte der neugegründete NPD Ortsverein am 6. Oktober eine Demonstration mit circa 200-300 Teilnehmern unter dem Motto „Jugend braucht Perspektive – Für ein Nationales Jugendzentrum“ durch. Doch die Stadt wehrte sich vehement, am Vorabend mit einer Antifa-Demo und am Samstag mit einem Bürgerfest und dezentralen Blockadeaktionen.

Dass der Aufmarsch von Beginn bis Ende kam war 800 Polizisten, der Berliner Reiterstaffel und Sonderermittlern aus dem gesamten Bundesgebiet zu verdanken. Das Bürgerfest unter Mitarbeit verschiedener Spektren der bürgerlichen Gesellschaft und der Antifa entschied sich leider nur dazu sich selbst zu feiern. Eine ernsthafte Blockade des Aufmarsches wurde von bürgerlicher Seite nicht konsequent versucht. Stefan Ludwig, der Bürgermeister von Königs Wusterhausen, bestätigte gegenüber dpa, dass sich 2.000 Teilnehmer zum Bürgerfest gegen den Naziaufmarsch zusammen fanden. Das Fest begann circa 11 Uhr mit Konzerten regionaler Bands. Unter ihnen die hervorragenden Art-Rocker Knockout Allstars, den Punkern von Circle Kit, den HipHoppern SanFranZernsdorf, wo der Herkunftsort schon im Namen steckt, und den Schlagzeiln, die durch ihren Hit „Köpi bleibt“ demobekannt wurden. Von bürgerlicher Seite sprachen Überlebende des Nazi-Systems, Gewerkschafter, Vereinvorsitzende, Vertreter des Landratsamtes und andere regionale Politiker. Des Weiteren trat die Sängerin Barbara Thalheim auf. Als die Nazis vorbei zogen, animierte der Bürgermeister Stefan Ludwig von der Linkspartei seine Mitbürger laut zu schreien, um sich für die NPD unüberhörbar zu machen. Ausserdem sollten sich seine antifaschistischen Zuhörer & Rufer nicht provozieren lassen. Dafür sollte von polizeilicher Seite neben den 800 Beamten auch ein zehnköpfiges Anti-Konflikt-Team sorgen. Einige ließen sich dann aber dennoch nicht nehmen die Nazis mit Flaschen, Eiern und Obst zu bewerfen.

Während des Marsches der Nazis sind mindestens 79 linke Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen worden. Laut einem Polizeisprecher, sollen zwei der Festgenommen die Beamten mit Steinen beworfen und eine Mutter mit ihrem Kind ein Fahrzeug der Bundespolizei bemalt haben. Die anderen Inhaftierten beteiligten sich an Sitzblockaden gegen den NPD-Aufmarsch. Außerdem gab es 45 Platzverweise gegen rechts und links. Ein Polizist wurde durch zwei Nazis leicht verletzt, die nach der Faustattacke ebenfalls in Gewahrsam kamen.


Quelle: inforiot.de

Am Vorabend der NPD-Demonstration trafen sich circa 150 Antifas um den Nazis zu zeigen, dass sie sich nicht so einfach und unkritisch breitmachen können. Dieser kämpferische Abendspaziergang stand im direkten Zusammenhang mit dem Bürgerfest am darauffolgenden Samstag. An beiden Veranstaltungen beteiligte sich maßgeblich die Autonome Antifa Königs Wusterhausen. Die Demo begann circa 19 Uhr und führte quer durch die Stadt mit 33.000 Einwohnern. Sie machte auf das am darauffolgenden Tag stattfindende Bürgerfest und die Blockade-Aktionen aufmerksam. Die Polizei begleitete den Demonstrationszug mit 300 Beamten. Während der Demo versuchten Nazis zu stören. 38 von ihnen erhielten Platzverweise und 15 wurden in Gewahrsam genommen.

Aber nicht nur in Königs Wusterhausen wehrten sich tausende gegen rechte Veranstaltungen und Strukturen. Bundesweit und europaweit gingen mehrere 10.000 gegen Nazis auf die Strasse. In Salzgitter trafen sich 3.500 zu einem Bürgerfrühstück. Nachdem die lächerlichen ein dutzend Nazis um Christian Worch sich auf den nach Hauseweg gemacht hatten, kam es dennoch zu Polizeiübergriffen auf Gegendemonstranten. Team Green phantasierte sich zur Rechtfertigung der Attacken Flaschenwürfe und Angriffe.

In Mainz hatte ein breites Bündnis von Antifaschisten, Migrantenorganisationen, Gewerkschaftern, Linken, Sozialdemokraten, Grünen, Christen, Fußballfans und anderen zum Protest gegen einen europaweiten Kongress der Republikaner aufgerufen. Mehr als 2.000 Demonstranten fanden sich zu einem netten Pfeifkonzert gegen rechts zusammen. Die alten, fetten und geschniegelten Nazis aus ganz Europa hatten es in der Mainzer Rheingoldhalle nicht sehr gemütlich. Die Klimaanlage war aus, das Restaurant geschlossen und der Rest der Halle ebenfalls als Polizeiauflage verdunkelt. War nix mit dem schönen Blick auf die Stadt. Zu Essen gabs wohl auch nix, da sich städtische Caterer und Hotels weigerten die Nazis zu bewirten. So schmorte die nationale Elite passend kalt und dunkel in ihrem eigenen braunen Brei.

In Dresden veranstaltete die Bürgerinitiative „Pieschen gegen Rechts“ ein festliches Bürgerfrühstück gegen ein neugegründetes NPD-Bürgerbüro im Dresdener Stadtteil Pieschen. Wieder kam es, wie schon bei einer Spontandemo zur Eröffnung, durch stadtbekannte Nazi-Schläger in Zusammenarbeit mit der Polizei zu Zwischenfällen. So setzten nach nettem Plausch mit den Kameraden die grünen Männlein absprachenwidrig die unerwünschte Anwesenheit der NPD-Kader auf dem Bürgerfest durch, trotz Spontandemo und Nazis-Raus-Rufen.

Trotz der bekannten Schikanen und polizeilichen Übergriffen lässt sich abschließend resümieren, dass dieses Wochenende recht erfolgreich nationale Emanzipationsversuche und Vernetzung behindert hat. Leider entschieden sich die exekutiven Staatsorgane wieder dagegen sich eindeutig zu Diskriminierung und Verharmlosung zu positionieren und setzten die geplanten Nazi-Aufmärsche unverhältnis durch.

Quellen
Autonome Antifa Königs Wusterhausen
Inforiot
Indymedia
junge Welt


2 Antworten auf „Antifa und Bürger, Seit an Seit“


  1. 1 Wladimir M. 09. Oktober 2007 um 12:01 Uhr

    Previet,

    ich war selber vor Ort und konnte mir somit ein detailliertes Bild von den Ereignissen machen. Es hat sich einmal mehr heraus gestellt, dass Team Green (respektive Team Black, Team Blue oder Team Zivi) sehr viel daran setzt um antirassistische Aktionen zu unterbinden. Zum Zeitpunkt des Vorbeimarsches der Nazis, wurde die Gegenkundgebung eingekesselt, sodass sich der Protest an dieser Stelle leider auf „Nazis Raus!“-Sprechchöre und Eierwürfe beschränkte. Bereits eine halbe Stunde zuvor gelang es ca. 60 AktivistInnen den Polizeiriegel zu knacken und eine Sitzblockade auf der Demoroute der selbsternannten „Volksgenossen“ zu veranstalten, die jedoch bedauerlicherweise von einem massiven Aufgebot der Staatsschützer aufgelöst wurde, die Teilnehmer wurden eingekesselt und an Ort und Stelle stundenlang festgehalten (herzlichen Glückwunsch zur Blasenentzündung). Bedauerlicherweise führten auch andere Störversuche nicht zum Erfolg, sodass der braune Mob den ganzen Tag lang durch KW marschieren konnte. Leider verzögerte sich das kulturelle Rahmenprogrammauf der Gegenveranstaltung, dass unter anderem einen Auftritt der aus DDR-Zeiten bekannten Chansonsängerin Barbara Thalheim umfasste, was wiederrum für Irritationen sorgte, da die Mutter des NPD-Kreisvorsitzenden Michael Thalheim, den gleichen Namen trägt, aber das nur am Rande, so sehr, dass wir leider nicht mehr auftreten konnten aber der eigene Egoismus muss angesichts wichtigerer Ziele auch mal ausgeschaltet werden. Auch erwähnenswert ist eine ca. 80-jährige Frau, die sich mit ihrem „AOK-Cruiser“ und den Worten „Lass mich vorbei, ich will die Arschlöcher sehen!“ an mir vorbei und auf die Nazis zu bewegte, klasse. Am Ende bleibt festzuhalten, dass der Aufmarsch des braunen Gesocks nicht verhindert werden konnte und ein breites bürgerliches Engagement vorhanden war. Ob die Teilnahme der CDU an der Gegenveranstaltung, sowie des SPD-Mitgliedes Claus Bubolz, der offensichtlich allein mit dem Interesse erschienen ist sich selbst und seinen Verein zu profilieren (inklusive selbstgefälliger, selbstzufriedener, heroisierender Darstellung der eigenen Arbeit), hilfreich war, um glaubhaften Antirassismus zu demonstrieren, sei an dieser Stelle mal dahin gestellt (wirklich ekelhaft wenn eine antirassistische Veranstaltung für den eigenen Egotrip missbraucht wird)

    ansonsten noch revolutionäre Grüße,

    Wolodja

  2. 2 machnow 09. Oktober 2007 um 15:20 Uhr

    danke für die augenzeugen ergänzung, vova,

    war mir nich so klar, dass die polizei sich wieder so krass gegen antifaschistischen protest positioniert. mich wundert dies aber nich. natürlich kommen kesselungen in bürgerlichen medien nich vor… naja. den beitrag des rbb zum protest gibts übrigens hier zu sehen.

    machnow

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