Was macht Eva bei Kerner? Rausfliegen!

Eva Herman kommt am 9. Oktober zu Johannes B. Kerner in seine Show. Zu den Gästen zählten weiterhin Margarethe Schreinemarkers, ambitionierte TV-Heulsuse und, wie sich später rausstellte, gelernte Diplomsoziologin. Des Weiteren war Senta Berger, Urgestein des deutschen Film und Fernsehens, anwesend. Ganz fehl am Platz und zumeist sprachlos gab sich Mario Barth, bekannt geworden durch solch knackige Comedyprogramme, wie „Männer sind Schweine, Frauen aber auch“ und neuerdings auf Tour mit „Männer sind primitiv, ABER glücklich“. So ganz nebenbei, Thema war übrigens „Familienpolitik in der heutigen Zeit“. Und was passiert?

Nachdem ich den Fernseher schon längst ausgemacht hatte, weil ich dieses ganze Wertegelabber, Hin- und Herrutschen von Schreinemarkers, die Sprachlosigkeit des bekloppten Komikers und Senta Bergers lange Zeit verständnissuchende „ich kenn die Bücher von der Herman doch gar nicht“ nicht mehr ertragen konnte, passiert doch wirklich unglaubliches. Die Herman fliegt hochkant raus. Und ich kann nur sagen, gut so. Dieses Geseiere von Werten, Müttern und Diskriminierung. Mal gegen Emazipation unud dann doch wieder dafür. Dann immer wieder dieser Dreck, dass die 68iger alles kaputt gemacht haben und nun die Gesellschaft am Ende wäre. Und überhaupt, diese Ausländer mit ihren vielen Kindern. Da hat die Schreinemarkers erstaunlicherweise noch am klügsten reagiert. Sie baute Herman ein schönes, kleines, niedliches Brückchen. Sie gab zu bedenken, dass die Schriftstellerin Frau Eva Herman sich vermutlich ein wenig zu viel an Themen aufgeladen hätte und schlicht und einfach denen nicht gewachsen war und so einiges wohl durcheinander geflogen sei. Schreinemarkers attestiert der blondierten Herman damit also schlicht Überforderung aufgrund mangelnder intellektueller Fähigkeiten und diskursiver Überfrachtung. Aber das kann ja mal passieren. Die Geisteswissenschaftler verstehen mich da ganz bestimmt.

Die konservative Welt, bekannt durch ihre besonders extreme Kombinationsgabe, vermutet natürlich was ganz anderes. Kerner, so die Welt, hätte die öffentliche Hinrichtung der Eva Herman von langer Hand höchstwahrscheinlich in Zusammenarbeit mit der Antifa, seiner als besonders antifaschistisch eingestellten Redaktion und linksradikalen Kräften geplant und durchgezogen.

Telepolis erblickt da schon eine ganz andere Strategie, die Kerner ent-, die anderen Studiogäste jedoch belastet. Die distanzierte und bürgerliche Neue Antifa ertrug die Anwesenheit der bösen, faschistisch befleckten, ultrakonservativen Blondine nicht und so musste der Beelzebub weg. Erstaunlicherweise nicht zu dem Zeitpunkt als Herman es nicht schaffte sich von ihren mißverständlichen Äusserungen(pdf oder mp3) zu distanzieren, sondern als sie lächerliche aber durchaus bekannte ultrakonservative Argumente zur Kinderbetreuung memorierte. Danach flog sie nicht, weil sie national, konservativ oder sonstwie widerlich denken würde, sondern, weil die emanzipierte Senta Berger ihre Anwesenheit nicht mehr aushielt. Es setzte sich also quasi gesellschaftsrelevant das Eva Prinzip und andere Peinlickeiten in der Sendung fort. Den nachdem das Böse nun verbannt worden war, eine ernsthafte Auseinandersetzung und Demaskierung nicht stattfand könnte fröhlich weitergelacht werden. Senta Berger redete wieder etwas mehr. Barth erzählte Frauenwitze. Und Schreinemarkers? Die lachte ganz erlöst entspannt.

Der Blätterwald begann aber diesmal ganz besonders heftig zu rauschen. Die Bild fragte sich ganz richtig, ob Eva Herman braun oder nur doof sei und hält auch gleich mal ein paar psychologische Tipps zur Behandlung ihrer Dummheit bereit. Aber auch die anderen großen, bürgerlichen Medien echaufieren und distanzieren sich von der scheinbar verrückt gewordenen, blonden ex-Tagesschau-Moderatoren. Ganz rechts außen tut sich aber auch was. DVU und Schill-Partei feiern die Gedankenmarodeurin. Der Eklat deutete sich aber schon, laut Spiegel, an. Denn schon am Wochenende wurde die Großmutter Herman auf dem Kongress des Forums deutscher Katholiken in Fulda von 700 Deligierten frenetisch gefeiert. Der Kongressleiter Herman sprach sie kurzerhand, entgegen des kanonischen Rechts als „Märtyrerin im Kampf für Ehe, Familie und Kinder“ selig. Amen!

Najut! Es ist schon gruselig, wer plötzlich alles antifaschistisch sein soll und als solches betitelt wird. Noch erschreckender ist aber, dass die intellektuellen Möglichkeiten öffentlich-rechtlicher Moderatoren und Redaktionen sich allein auf Ausgrenzung und Unterhaltung zu beschränken scheinen, ohne eine direkte Konfrontation und Widerlegung ultrakonservativer Scheiß-Werte leisten zu können.

Quellen
Johannes B. Kerner
Telepolis
junge Welt
indymedia
Die Welt
Spiegel


2 Antworten auf „Was macht Eva bei Kerner? Rausfliegen!“


  1. 1 link 11. Oktober 2007 um 14:05 Uhr
  2. 2 ximian 05. Januar 2008 um 19:50 Uhr

    Ein schöner Eintrag! Was den Rauswurf Hermans betrifft, kann ich dir aber nicht ganz zustimmen. Inzwischen ist er schon vom Augsburger Konservativitätsunfrieden, vom zweiten Angriff Hagens, ZZZs Lügengeschwader sowie dem Rutsch in das Jahr der Vorratsdatenspeicherung überschattet, aber dennoch heute nicht weniger brisant. Zwar handelt es handelt sich hier wohl kaum groß mehr als um einen billigen Fernsehtrick, der einem zweitklassigen Talkshowmaster und einer alternden Tagesschausprecherin ein wenig Aufmerksamkeit beschert hat. Dass unsere Medienwelt aber nicht fähig zu sein scheint, sich den hinter der Thematik stehenden Fragen sachlich und nüchtern zu stellen, halte ich für den eigentlichen Skandal.

    Mehr dazu in meinem „Essay“: http://bitgewitter.blogger.de/stories/1009862/

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