„Chirurgische Eingriffe“ in Mexiko

Nach einer Anschlagsserie im Juli auf Pipelines der mexikanischen Erdölgesellschaft PEMEX hat sich die sogennante Volksbefreiungsarmee (EPR) mit weiteren Anschlägen im September erneut zurückgemeldet. Bei beiden Anschlagsserien, bei denen im Gegensatz zu den Militäraktion der EPR ab 1996 keine Menschen zu Schaden kamen, sind über 100 Millionen US-Dollar Schaden entstanden. Ein Großteil dieser Schadenssumme ergibt sich aus den Betriebschließungen aufgrund von Rohstoff- und Energiemangel. Auch der VW-Konzern war indirekt von den Anschlägen betroffen, dennoch wurde die Situation in Mexico in den deutschen Medien kaum thematisiert.

Als Grund für die Anschläge gibt die EPR die Entführung zweier ihrer Spitzenkandidaten durch die neoliberal-autoritäre Regierung an. Andere linke Gruppierungen, wie die Zappatisten oder die EPR-Abspaltung TDR-EP, verurteilen diese Anschläge nicht – im Gegensatz zu anderen Militäraktionen der EPR, bei denen Todesopfer zu beklagen waren.

Die linken Gruppierungen in Mexiko vertreten teilweise sehr unterschiedliche Ansichten. Die EPR gelten als traditionell marxistisch-leniistisch und streben die „Diktatur des Proletariats“ an. Der TDR-EP geht es mehr um einen demokratischen Umbau bzw. Neugründung des Staates. Die Zapatisten wiederrum sehen ihr Ideal nicht in der Erlangung der Staatsmacht. Ihr Konzept ist eine basisdemokatische Graswurzelrevolution, in der der Staat keine Rolle spielt.
Zu den entführten EPR-Anhänger sind aber alle linken Gruppierungen solidarisch. Das mag auch daran liegen, dass die diesjährige Anschlagsserie leicht als Akt der Selbstverteidigung zu erklären ist. Treffend ist auch der Terminus „chirurgischer Eingriff“, da der kranke Staats offensichtlich des ärztlichen Beistands bedarf.

Große Probleme ergeben sich für die offenbar staatsterroristisch agierende mexikanische Regierung. Einerseits wäre es eine schwere Niederlage, wenn sie die verschwundenen EPR-Mitglieder nun präsentieren würde und damit ihre kriminelle Handlungsweise zugeben würde. Andererseits ist es unmöglich alle Pipelines zu überwachen, so dass die EPR ein enormes Druckmittel in ihren Händen hält.

Quellen

Analyse & Kritik: Die Guerilla meldet sich zurück (19.10.2007)
Telepolis: „Revolutionäres Volksheer“ meldet sich in Mexiko mit Anschlägen zurück (13.07.2007)
Indymedia: Spannung in Mexiko steigt (16.07.2007)


1 Antwort auf „„Chirurgische Eingriffe“ in Mexiko“


  1. 1 Machnow 18. Oktober 2007 um 18:23 Uhr

    Die EZLN erklärte sich solidarisch zum erneuten Kampf der Revolutionären Volksarmee (EPR). In einer Erklärung zu wiederholten Attacken paramilitärischer Einheiten gegen zapatistische Gemeinden seit September äußert sie sich verständnisvoll zum Versuch der EPR Information zu zwei Verschwundenen zu bekommen. Sie sind wohl seit dem letzten Sommer verschollen.

    Weitere Informationen zur Revolutionären Volksarmee gibt es hier. Die Seite ist auf Englisch, aber trotzdem recht interessant, denke ich.

    Ein interessanter Text über das Verhältnis zapatistischer Gemeinden und anderer indigener Kommunen in Mexiko zur Ejército Popular Revolucionario (Revolutionäre Volksarmee) findet sich hier, beim internationalen, mehrsprachigen zapatistischen Info-Portal Narconews.

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