Vorsicht! Taser können töten!

Sicherheit ist was ganz schönes. Insbesondere eine Gesellschaft, die sich verschrieben hat ohne Ende Eigentum anzuhäufen, braucht sie. Waffen sind auch toll. Sie sind laut. Knallen. Sie geben ein super Gefühl. Sie machen mächtig und vor allem sicher. Naja, sie töten zwar auch. Aber nicht alle! Manche setzen nur außer Gefecht. Wird zumindest behauptet. Nur warum sterben trotzdem Menschen durch sogenannte nichttödliche Waffen? Zuletzt passiert am 14. Oktober in Vancouver und am 18. Oktober in Montreal.

Seit 2003, der Einführung von Taserwaffen in Kanada, starben dort mindestens 17 Personen. In den Vereinigten Staaten waren es seit 2001 mehr als 150 Menschen. In ganz Nordamerika gab es seit 2003 circa 300 Opfer.

Der Vorfall in Vancouver ist besonders erschreckend, weil der zufällig anwesende Journalist Paul Pritchard ein Video aufnahm. Man sieht, wie ein verwirrter Mann, nervös und abwesend umherläuft und anfängt zu randalieren. Nach einiger Zeit kommen vier Polizisten. Der Mann beruhigt sich sofort. Er glaubte wohl, die Sicherheitskräfte würden ihm helfen. Dem war jedoch nicht so. Obwohl er die Hände hob, sich den Polizisten also „ergab“, wird ein Taser auf ihn abgeschossen. Er fällt und windet sich vor Schmerzen. Er zapelt und schlägt um sich. Ein zweites mal wird ein Taserschuß auf ihn abgegeben. Er verkrampft sich. Drei der vier Polizisten fixieren ihn… Am Ende liegt der Mann reglos am Boden!

Das Opfer ist Robert Dziekanski, ein polnischer Einwanderer. Der Flug nach Vancouver war seine erste Reise in einem Flugzeug. Seine Mutter war vor Jahren nach Kanada ausgewandert und hatte nun endlich durchsetzen können, dass ihr Sohn nachkommen durfte. Mutter und Sohn hatten sich bei der Gepäckausgabe verabredet, ohne jedoch zu wissen, dass dies ein spezieller Sicherheitsbereich und von Besuchern nicht einzusehen ist.

Der Neuankömmling, der fremden Sprache nicht mächtig, war nun gefangen. Er soll in der Gepäckausgabe zehn Stunden hilflos und verängstigt umher geirrt sein. Verständlicherweise wurde er panisch. Die Mutter wartete ebenfalls vergebens vor der Tür. Die Flughafenbediensteten und das Sicherheitspersonal halfen nicht. Sie sperrten ihn vielmehr endgültig ein indem sie die Sicherheitstüren verriegelten. Und die Polizei? Die tötete ihn, ohne Not und versuchten sogar den Vorgang zu vertuschen. Das Video wurde nämlich beschlagnahmt und erst nach einem Monat, nach anwaltlichen Druck freigegeben. Die Polizei wollte voreingenommene Berichte verhindern.

Dieser erneute Fall einer Tötung durch nichttödliche Waffen heizt die Diskussion um den Einsatz dieser neuerdings an. Obwohl seit Jahren Menschen sterben und neben amnesty international auch Hirnforscher, Psychologen und Soziologen auf die Gefahr der Nutzung dieser Art von Waffen hinweisen, tat sich nichts. Sie senken die Hemmschwelle zum Einsatz von Gewalt, werden zur Demütigung genutzt und als Folterwerkzeug in fragwürdigen Verhörmethoden. Höchstwahrscheinlich wird diesmal ebenfalls der Sturm abgewartet und dann fröhlich weitergemacht. Denn es sind ja schließlich trotzdem nichttödliche Waffen. Sie wollen ja nicht töten, so wie Pistolen, Kanonen oder Raketen…

Das einzig erfreuliche in Berlin ist, dass wir hier so schnell nicht in Berührung mit Tasern kommen werden. Die Berliner Polizei hat nämlich den Probelauf für Tasereinsätze im Februar diesen Jahres erstmal auf Eis gelegt. Trotz einer Empfehlung der Bundesinneministerkonferenz aus dem Jahr 2006 wird es vorerst bei uns keine Bewaffnung der Sicherheitskräfte mit Tasern geben. In Bayern und Hamburg sieht es aber schon ganz anders aus.


2 Antworten auf „Vorsicht! Taser können töten!“


  1. 1 Thomas 18. November 2007 um 14:22 Uhr

    Das ist eine ziemlich üble Sache. Offenbar ist die Hemmschwelle, die Waffe abzufeuern, ziemlich niedrig, was einigermaßen verständlich ist, wenn man dem Glauben aufsitzt, dass es sich dabei um eine Waffe ohne Langzeitwirkung handelt. Hätten die Polizisten in Vancouver „normale“ Handfeuerwaffen bei sich gehabt, dann hätten sie höchstwahrscheinlich nicht geschossen und es wäre nichts vergleichbares passiert. Am Besten wäre es natürlich, wenn Streifenpolizisten gar keine Waffen mit sich führen würden – wie es meines Wissens nach noch in England der Fall ist (oder wurde das mittlerweile geändert?).
    Hier ist der dringende Hinweis angebracht, dass Unschuldigen zugefügte Schmerzen nicht mit der Bewahrung der Menschenwürde vereinbar sind.

  2. 2 Machnow 18. November 2007 um 18:47 Uhr

    es iss wohl wirklich so, dass taser sehr schnell eingesetzt werden. die hemmschwelle insbesondere zur bestrafung des unruhestifter iss ganz besonders niedrig. die konsequenz ist klein. die bestrafung extrem unverhältmässig. die krämpfe und die ohnmacht bei normalen einsatz ist nicht zu verachten. 50.000 volt iss natürlich auch ordentlich…

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