Kommunismus is‘ angeboren!

So könnte man auf jeden Fall neue Erkenntnisse der Entwicklungwissenschaft interpretieren, die gerade in der Zeitschrift Nature veröffentlich wurden. Thomas Pany sieht das etwas anderes. Bei telepolis verknüft er die Präferenz von Babys zu den Hilfsbereiten mit „sozialer Wertschätzung“. Soziales Verhalten lohnt sich also.

test Ich bin da ein wenig anderer Meinung. Denn die beschriebenen Experimente bestätigen meine Überzeugung, dass der Mensch nich nur ein soziales Wesen ist, sondern vielmehr ein solidarisches und hilfbereites soziales Wesen. Kurz gesagt, der Mensch ist von Geburt an Kommunist. Er liebt die Hilfsbereiten. Freut sich über ihre Anteilnahme. Er unterstützt sie mit Symphatie und Wärme, Babys vor allem mit freundlichem Lachen und einem süßen Strahlen übers ganze Gesicht. Was es aber gar nicht mag, der Mensch in seiner unkonditionierten Form, sind Störer und Querulanten. Diejenigen, die den sozialen Friedem stören, kann er überhaupt nicht leiden. Die, die sich allem in den Weg stellen, die sich fallenlassen um von den anderen aufgefangen zu werden, die bösen unsozialen Unholde eben. Später, mit der fortschreitenden Zivilisierung / Kulturisierung / Konditionierung, sprich Erziehung, lässt diese kommunistische Symphatie allmählich nach. Sie weicht kapitalistischem Machtstreben. Naja, ihr wisst schon, was ich meine.

Helfen Die Experimente liefen in etwa so: Die Wissenschaftler J.Kiley Hamilton, Karen Wynn und Paul Bloom wählten verschiedene Neugeborene zwischen 6 und 10 Monaten aus. Diese konnten noch nicht sprechen, aber offensichtlich gucken. Und Emotionen ausdrücken ging auch schon. Sogar differenzierbare, dass heißt, entweder positive Symphatie und negative Ablehnung, waren erkennbar. Die Grundlage jedes Experiments waren Holzscheiben mit Kulleraugen. Eine vermenschlichte Scheibe war ein Dreieck, ein anderes ein Kreis und das dritte ein Rechteck. Farblich waren sie ebenfalls voneinander unterschieden. Das Dreieck war gelb, der Kreis rot, das Rechteck blau. Charakterliche Zuordnungen wurden ebenfalls getroffen.

Im ersten Versuch ist der rote Kreis im Tal eines Hügels und versucht diesen zu erklimmen. In einem weiteren Bild hilft ein gelbes Dreieck dem roten Kreis den Berg hoch zu klettern. Es drückt ihn regelrecht nach oben. Das dritte Bild zeigt ein blaues Rechteck, das den roten Kreis daran hindert den Hügel zu überwinden. Es stellt sich dem Kreis in den Weg und blockiert ihn. Die Knirpse waren sehr wohl erzogen und näherten sich auschließlich dem hilfreichen gelben Dreieck, nur nach ihm wollten sie greifen. Das fiese blaue Rechteck ließen sie links liegen, ohne Beachtung, völlig selbstverständlich.

Stören Das Experiment aber, was mich am meisten erstaunte ist ein ganz anderes. Nämlich als auf einem Bild sich der rote Hügelsteiger dem Störer nähert, waren die Babylein plötzlich ganz in Gedanken versunken. Sie zögerten. Die Wissenschaftler maßen eine enorme Aufmerksamkeit über ein längere Zeit. Ganz anders jedoch, als sich der Kletterer dem gelben Helfer nähert. Sofort packen die Knirpshänchen zu. Das sich der rote Hügelbesteiger dem hilfsbereiten, gelben Dreieck nähert, schien für die Knirpse etwas begrüßenswertes und selbstverständliches zu sein. Eine kritische Aufmerksamkeitsphase entfiel vollkommen. Für die testenden Wissenschaftler war mit diesem Verhalten nachgewiesen, dass die Babys ihre Bewertungen auf soziales Verhalten gründeten und nicht auf nur oberflächliche Aspekte.

Der Test wurde, um mögliche Fehler in der Wahnnehmung und des Experiments auszuschließne, in anderen Konstellationen, anderen Farben und mit neutralen Figuren wiederholt. Jedoch änderete sich die Präferenz der Babys gegenüber den Helfern nicht. Die Knirpse, die noch nicht mal richtig laufen und erst recht nicht sprechen können, bevorzugen das soziale, solidarische Gegenüber überdurchschnittlich stark und total. Der behinderne Querulant dagegen wird abgelehnt. Diese Bevorzugung der Koorperation lässt sich also sehr früh in der individuellen Entwickung feststellen. Vor Sprache und Umwelt lernt der Mensch also Moral und Ethik. Die Forscher schlussfolgern deshalb folgerichtig, dass die Einschätzung von Individuen aufgrund ihres sozialen Verhaltens „nicht gelernt wird“, sondern „universal“ ist. Die positive Konnotierung von Helferbeziehungen und kooperativen, solidarischen Handeln deute ich als universale Präferenz des Menschen zum Kmmunismus im eigentlichen Wortsinne, dass heißt im Sinne einer Gesellschaft, die sich als Kommune föderal und hierarchiefrei konstituiert.

Deshalb, lasst uns alle von den Babys lernen!
Viva DaDa, Viva LaLa!
Venceremos!


3 Antworten auf „Kommunismus is‘ angeboren!“


  1. 1 Thomas 29. November 2007 um 16:35 Uhr

    Prinzipell gebe ich dir recht, aber es ist durchaus auch möglich außerhalb von Kommunenstrukturen sozial und hilfsbereit zu sein.
    Ohne dieses Verhalten wäre der Kapitalismus auch schon an sein Ende gelangt.

  2. 2 Machnow 29. November 2007 um 17:43 Uhr

    Und genau da iss die schwäche meiner argumentation. denn auch linke, quasi der grundtypus des erwachsenen querulanten, dürfte nicht gemocht werden… die verknüpfung von sozialem handeln und helfer is vielleicht „kommunistisch“ oder „sozialistisch“. leider aber noch lange nich herrschaftsfrei… denn störer (manche sagen ja auch gefährder) mögen die babys gar nich. linke dann vielleicht auch nich? naja, ich bin optimist und denke dann eher an die sozialen sachen. auf jeden fall iss der mensch nich von grund auf böse, sondern gut und sozial. das hilft ja auch schon mal….

  3. 3 andreas 07. Dezember 2007 um 13:06 Uhr

    Das muss ich noch mal genauer durchlesen, wenn ich Zeit habe: nur eine Anmerkung jetzt schon: ich glaube, dass jedem Menschen Solidariät grundsätzlich zu eigen ist … wenn oft auch nur bestimmten Menschen gegenüber oder innerhalb einer bestimmten Gruppe, aber ganz ohne dieser Fähigkeit kann ein Mensch – meine ich – gar nicht existieren.

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