Ausbau der Militärbasis in Vicenza stoppen!

No Dal Molin

Am vergangenen Wochenende trafen sich in Vicenza Menschen aus verschiedenen Spektren um gegen den Ausbau der US-Militärbasis Camp Ederle und den Ausbau des zivilen Flughafen Dal Mundo für militärische Zwecke zu protestieren. Der gemeinsame Nenner dieses Protestes ist der Kampf zur Verteidigung der Umwelt, des kulturellen und sozialen Umfeldes, die unbedingte Kriegsgegnerschaft, die die Ursache für soviele Qualen und Leiden ist, sowie die Forderung nach einer konsequenten Friedenspolitik. Am 17. Februar kamen zur ersten landesweiten Demonstration 100.000 Protestierende, am 15. Dezember waren es wieder 80.000. Die Politik weigert sich trotzdem weiter die Interessen der Bevölkerung zu hören und betreibt unter starkem Protest und dezentralen Aktionen den Ausbau der Militäranlagen. Der Kampf hat also erst begonnen!

Veränderung Vicenza ist eine kleine norditalienische Stadt in der Region Veneto. Sie liegt circa 80 km östlich von Venedig und hat circa 120.000 Einwohner. Seit 1954 beherbergt der Ort im Camp Ederle das 173. Lufwaffenbrigade mit seinen circa 2.750 US-Soldaten samt der Familien, ingesamt ungefähr 10.000 Personen. Die Kaserne der Amerikaner ist eine Stadt in der Stadt, im Osten gelegen. Das 450.000 m² große Areal besitzt eine eigene Schule, eine eigene Bank, eine Post, ein Militärkrankenhaus, ein eigenes Theater und eigene Clubs. Das Campeigene Einkaufszentrum mit 80.000 m² Fläche ist das größte südlich der Alpen. Proteste gegen das exterritoriale Gebiet gab es nie, den Amerikanern war mensch ja zu Dank verpflichtet.

Der Protest formierte sich erst, als im Januar diesen Jahres der Ministerpräsident Romani Prodi der amerikanischen Führung zusicherte, dass der die italienische Regierung sich einem Ausbau der Militäranlagen in Vicenza nicht entgegenstellen würde. Der Ausbau betrifft die Neuerrichtung militärischer Kasernen und ziviler Infrastruktur zur Aufnahme weiterer 2.000 Angehöriger der 173. Lufwaffenbrigade aus Schweinfurt und Bamberg am zivilen Flughafen Dal Molin. Das Camp Ederle ist die heute schon die US-Kommandozentrale der Southern European Task Force (SETaF). Von hier aus starten die Luftwaffenverbände in den Irak und nach Afghanistan. Vicenza soll bis ins Jahr 2010 zum strategisch wichtigsten US-Stützpunkt im Mittelmeerraum und zur großflächigsten US-Basis ausgebaut werden. Seit einiger Zeit häufen sich die Ausfälle der amerikanischen, traumatisierten Soldaten. Sie sollen betrunken und prügelnd durch die Strassen ziehen. Manche Bars verbieten Amerikanern den Zutritt. In Vicenza scheint der Unmut über die Besatzung schon lange zu gären. Insbesondere seitdem von dort aus Soldaten in zu den ungeliebten Kriegsschschauplätzen geflogen werden.

Nach der Ankündigung Prodis wurde von Vincentiner Bürgern auf einem Feld nahe des Eingangs zum Flughafen Dal Molin ein Zelt – das presidio permanente – errichtet, dass seither ständig bewacht wird. Dort finden Versammlungen und Vorträge statt. Außerdem werden von dort die landesweiten Protestaktionen koordiniert. So konnte der Bau der Kommunikationsinfrastruktur mittels Glasfaseranbindung und andere vorbereitenden Bauarbeiten erfolgreich sabotiert werden. Am 17. Dezember konzentrierte sich der Widerstand auf der ersten großen Demonstration. Es kamen nach Veranstalterangaben circa 100.000 Demonstranten. Sie protestierten lautstark gegen die Außenpolitik der Mitte-Links-Regierung, die örtlichen Organe in Vicenza unter der Leitung des neofaschistischen Forza Italia Politikers Enrico Hüllweck, die beide den Ausbau zugestimmt hatten, und gegen die neuerlichen Festnahmen von linken Gewerkschaftern unter dem Vorwurf der Bildung der Neuen Roten Brigaden. Die Polizeikräfte wurden durch die politischen Würdenträger in der italienischen Regierung und den örtlichen Organen mit dem Gerücht, dass Ausschreitungen geplant seien, aufgescheucht. Unter den Demonstranten waren Priester, Funktionäre der kommunistischen Parteien, katholische Basisgruppen und junge Leute aus der Antiglobalisierungsbewegung, Gymnasiallehrer, Gewerkschafter. Außerdem beteiligten sich vereinzelt Parlamentsmitlieder der regierenden Grünen und Linksdemokraten. Aber auch der durchaus prominente Dramatiker Dario Fo mischte sich unter die Protestierenden. Die jungle world und die taz, in trauter Zweisamkeit, wollen unter den Demontranten Mitglieder der nationalistischen Lega Nord und Jugendliche der postfaschistischen Alleanza Nazionale gesehen haben. Diese Querfront prangern sie an, merken jedoch nicht, dass diese gegen die eigenen Leute im Stadtparlament demonstrieren würden. Vielleicht wollten sie provozieren? Das die jungle world darauf nicht kommt, ist nicht verwunderlich. Diese phantasiert sich schon seit längerem eine Querfront zwischen Nazis und Antiimperialisten zusammen. Was aber die taz mit dieser Feststellung will, bleibt mir unklar. Womöglich den Protest diskreditieren?

Demo am 15. Dezember In den nächsten Monaten ließ der Protest sich weder von gutgemeinten Ratschlägen noch von politischen Querstreibern spalten. Vielmehr konnte der Widerstand erstaunlich gut koordiniert werden. Es folgten direkte Aktionen und ein Hungerstreik. Am 15. Dezember gabs wieder eine Demonstration. Wieder kamen 80.000 Protestierende. Schon am Vorabend fand im Protestzelt vor 300-400 Zuhörern eine Podiumsdiskussion statt. Unter anderen war ein tschechischer Bürgermeister als Vertreter von Protestdörfern, die sich gegen die Stationierung des Raketenschildes in Tschechien wehren, anwesend. Er traf sich sogar mit dem einheimischen Ortsvertreter und war ganz geschockt über dessen Zustimmung zum Ausbau der Militäranlagen. Wir haben uns gegen das US-Radarschild wenigsten zur Wehr gesetzt, soll er gesagt haben. Ein weiterer Redner berichtete über die §129-Repressionen in Deutschland.

Die Solidarität für die Protestbewegung steigt stetig an. Europaweit sind Aktionen verschiedener Initiativen geplant. Aber auch überm Teich regt sich etwas. Der Antimilitaristische Widerstand formiert sich! Es heißt die Kriegsgefahr und Militarisierung der Gesellschaft nach Außen und Innen zu verhindern!

Infos
No Dal Molin
Federazione dei Comunisti Anarchici
U.S. Citizens for Peace & Justice, Rom / Italy
Howard Zinn, WWII Veteran and Historian against US Base in Vicenza, Italy


3 Antworten auf „Ausbau der Militärbasis in Vicenza stoppen!“


  1. 1 Thomas 23. Dezember 2007 um 23:46 Uhr

    Die Demonstrationen haben ja eine ziemlich beachtliche Größe. Davon kann man in Deutschland bisweilen nur träumen. Hier geht es aber um ein sehr kontretes Anliegen, daher wahrscheinlich die zahlreiche Partizipation.

  2. 2 Machnow 24. Dezember 2007 um 8:32 Uhr

    Das die Demonstrationen so gross sind, liegt auch an dem breiten Bündnis. Es sind neben den linken antiimperialistischen Gruppen auch Pazifisten, Anarchisten, soziale Kirchenorganisationen, örtliche Kirchenvertreter u.a. bürgerliche Vertreter involviert. Die Bewegung gehts also bis tief in die bürgerliche Gesellschaft. Wer, was wählt, ist dabei ziemlich egal. Wichtig sind Antimilitarismus, Pazifismus uund Ökologie! Ausserdem entwickelt sich bei solch einer enormen Bewegung schnell ein Sogeffekt, dh. wer cool iss, muss dabei sein… so ähnlich, wie bei christos reichstagsverhüllung…. ausserdem iss in italien linkes denken viel breiter in gesellschaftlichen schichten verbreitet. solche proteste sind dann die möglichkeit dem lippenbekenntnis taten folgen zu lassen!

  1. 1 12.000 auf den Straßen Vicenzas! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 03. Oktober 2008 um 12:57 Uhr
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