Breitseite ins Leere II

Das ging ja flott: Am 07.12. schoss Bernd Graff in der Süddeutschen Zeitung eine Breitseite ins Leere, am 22.12. gibts nun dazu eine Reaktion in der taz von Stefan Niggemeier, der es als Blogger zu überdurchschnittlicher Bekanntheit gebracht hat. Schön das es noch Menschen gibt, die sich eine solch lange Bedenkzeit gönnen. Zum Artikel von Herrn Niggemeier gibt es heute (24.12.) nun wiederrum ein Kommentar in unserem Blog. Also mal wieder ein Blogeintrag, der nur aufgrund eines Artikels in den Printmedien existiert. Zum Glück hat AKA-Blogsport auch Autoren, die etwas über Demos und schon lange tote Anarchisten, von denen man ehrlich gesagt noch nie etwas zuvor gehört hatte, schreiben.

In unserem ersten Artikel zu dem Thema, insbesondere in den Kommentaren dazu, haben wir den Grund für die Abwehrreaktion gegen das Internet durch manche Journalisten der Printmedien im Kontrollwahn der Medieninstitutionen wie SZ, FAZ und „Bild“-Zeitung gesehen. Die öffentliche Meinung würde, auch für politische Zwecke, kontrolliert, nicht wiedergegeben. Die Reaktion gegen die Blogosphäre und gegen das Internet beruhen auf der Annahme, dass dadurch das Meinungsmonopol etablierter Printmedien gebrochen würde. Diese Ansicht erscheint aber doch etwas abstrus und von einem Hang zu Verschwörungstheorien gekennzeichnet.

Der Ansatz von Stefan Niggemeier ist da schon wesentlich nachvollziehbarer, da er bei den Journalisten auf der individuellen Ebene ansetzt. Ihm zufolge leiden Journalisten, die das Internet als Bedrohung der Publizistik ansehen, an Minderwertigkeitskomplexen. Diese befürchten, dass in Zeiten des Web 2.0 eine qualitative Berichterstattung nicht mehr zählt und die Meinungsführerschaft von der Blogosphäre übernommen wird. Aber das ist Unfug: Den Bloggern geht es um Teilhabe an der Meinungsvielfalt, nicht um Monopolismus bzw. Oligarchismus. Und es ist grundsätzlich falsch, immer auf die „Einschaltquote“ zu schielen.

Für eine aktive und kritische Zivilgesellschaft werden Qualitätszeitungen immer das Leitmedium sein. Die Blogs können diese durch ihre eigenen Stärken ergänzen – und so das „Wissen der Masse“ nutzbar machen. Über diesen Streit kann also der Schleier des weihnachtlichen Friedens fallen.

Zum Schluss noch eine Leseempfehlung aus der taz. Eine Meditation über Neid. Darin heißt es, dass wir Mitleid mit den Reichen haben müssen, wenngleich sie hin und wieder die Welt destrukturieren. Aber bitte selbst lesen.


5 Antworten auf „Breitseite ins Leere II“


  1. 1 LucaPinoRelli 24. Dezember 2007 um 19:19 Uhr

    na ein glück, dass ich was über den unbekannten anarchisten geschrieben hab, jetzt kennen ihn ein paar leute mehr.

  2. 2 Thomas 24. Dezember 2007 um 21:14 Uhr

    Das find ich auch. Dein Artikel hat nicht nur Pirelli ein klein wenig bekannter gemacht bzw. an ihn erinnert, sondern auch unseren Blog.

  3. 3 Mathilde 27. Dezember 2007 um 0:05 Uhr

    Ja, diese „Blogger“. Ich finde den Pinelli-Artikel auch sehr gelungen und hoffe doch, dass Du, Thomas, genau den gemeint hast und nicht etwa à la Eva-Prinzip Schleichwerbung für eine italienische Autoteile-Firma machen wolltest?!

  4. 4 Thomas 27. Dezember 2007 um 0:26 Uhr

    Nein, nein, das käme mir ganz sicher nicht in den Sinn.

    Habt ihr eigentlich den Artikel in der taz gelesen, den ich im letzten Absatz verlinkt habe? Wieso meckert niemand über die taz?

  5. 5 Butch Jonny 27. Dezember 2007 um 12:22 Uhr

    … über die TAZ gabs schon soviel zu meckern. und dieser beitrag lohnt auch nich zu bewerten. er kann sich scheinbar nich entscheiden, auf welcher seite er steht. neid? hass? reichtum? der andere artikel war da schon besser, wirklich verständlich und hatte sogar eine klare position mit guten argumenten…

    sybille berg scheint, wie die taz selbst, eben den von ihr so gehassten – oh nicht gehassten – nicht gemögten neid zu fröhnen. sogar die armen haben mehr als sie. die reichen sowieso… ach überhaupt, hassen is nich, neiden iss nicht, träumen iss nich… ach dann besser weiterschlafen!!!

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