StudiVZ: Austreten am 31. Dezember?

Der Holtzbrink-Konzert möchte mit dem StudiVZ und dessen Ableger SchülerVZ Geld verdienen. Das ist weder verwunderlich noch allzu verwerflich, hat aber ein gehöriges Medienecho mit einer Vielzahl an Falschmeldungen ausgelöst. Was verwundert ist das Trail-and-Error Prinzip, mit dem der Konzern den erhofften Reibach vorbereitet. In den letzten Wochen wurden die AGB’s, die jedes Mitglied unter Androhung von Ausschluss bis zum 9. Januar bestätigen soll, dreimal geändert – angepasst an die Heftigkeit der Proteste.

Bei der ersten Änderung wurde der Versand von Werbe-SMS und Instant-Messenger-Nachrichten ausgeschlossen. Bei der zweiten Änderung wurde die Weitergabe der Daten an Dritte zur kommerziellen Nutzung definitiv ausgeschlossen. Demnach werden die Daten nur konzernintern zur Personalisierung der Werbung herangezogen. Mit der dritten Änderung gewährt StudiVZ die Möglichkeit, dass man im Nachhinein die Einwilligung zur Verwendung der Daten zu Werbezwecken widersprechen kann. Außerdem sollen die Profildaten nun bei Löschung des Profils tatsächlich auch gelöscht und nicht nur „unsichtbar“ gemacht werden. Nach den heftigen Protesten stehen die Betreiber des StudiVZ mit dem Datenschutzbeauftragten von Berlin, Alexander Dix, in Kontakt, die Änderungen gehen dem Datenschutzbeauftragen von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, aber nicht weit genug.

Auch nach der dritten Änderung behält sich der Betreiber des StudiVZ vor die Bestands- und Nutzungsdaten zur Abwehr von Straftaten an Ermittlungs-, Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden weiterzugeben. Die digitale Überwachung lässt grüßen! Ob da gleich die Daten der Mitglieder der Gruppe „Köpi Fight Club“ übermittelt werden? Und wenn man in einer Mail von einem nicht gemeldetem Nebenjob schreibt, bekommt man dann gleich einen neuen Bafög-Bescheid zugesandt?
Es ist sehr fraglich welchem Zweck dieser Passus in den AGB’s dient. Bei wirklich schweren Straftaten müsste der Betreiber des StudiVZ die Daten sowieso herausgeben.

Davon abgesehen bleibt das Problem der personalisierten Werbung. Das die Daten nur intern verwendet werden ist relativ. Das zeigen zum Beispiel der Studentenbüchermarkt Bookya und die Nachhilfeplattform Tutoria, die beide zum Holtzbrink-Konzern gehören. StudiVZ und SchülerVZ bieten für diese Plattformen eine ideale Werbefläche, da hier das Zielpublikum ohne Streuverlust erreicht werden kann. Vermutlich wird es in Zukunft noch mehr solcher Projekte geben. Um mit dem StudiVZ viel Geld zu verdienen, ist dann eine konzernexterne Weitergabe der Benutzerdaten gar nicht mehr nötig. Sehr clever!

Es bleibt also jedem selbst verlassen, ob er seine persönlichen Nutzerdaten für Werbezwecke hergeben möchte. Die kommerz-orientierten AGB’s des StudiVZ sind keine Seltenheit im Internet. Auch andere populäre Plattformen gehen nicht gerade zimperlich mit den Daten ihrer Benutzer um.
Bei Youtube beispielswesie werden sämtliche IP’s und die darüber angeschauten Filme gespeichert. Außerdem behält sich der Betreiber vor E-Mails mit nicht erkennbaren Bildern zu verwenden, um so den Standort des Benutzers zu ermitteln.
ICQ sieht alle Informationen, die an das Unternehmen geschickt werden, nicht als vertraulich an und behält sich deren unbegrenzte Nutzung vor. Davon ausgenommen sind Daten „die ICQ nicht zugänglich gemacht wurden“. Gilt eine Nachricht, die über den Messanger verschickt wurde, als nicht zugänglich gemacht?

Personalisierte Werbung, das sogenannte Targeting, ist für soziale Netzwerke mittlerweile Standart. Facebook, das Anfang 2008 auch auf Deutsch verfügbar sein wird, bildet da keine Ausnahme. Für den einen Menschen mag diese Art der Werbung kein Problem sein, für andere kann es aber auch zu einer Zumutung werden. Da das StudiVZ diejenigen Nutzer, die eine solche Werbebeschallung nicht möchten, vorerst ausschließt, wird hier sozialer Druck aufgebaut. Viele Studenten werden durch den Gruppenzwang ins StudiVZ getrieben oder dort gehalten. Viele können dem schwer ausweichen. Daher wäre ein soziales Netzwerk wie Kaioo eine gute Alternative. Zwar wird es hier auch personalisierte Werbung geben, diese ist aber immerhin für einen guten Zweck.

Man kann sich also überlegen, ob man sich den zahlreichen Protesten anschließt und am 31.12. das StudiVZ verlässt. Wirklich brauchen tut das eh kein Mensch. Wenn das StudiVZ seiner sozialen Verantwortung für über 4,5 Millionen Studenten und einer immer größer werdenen Anzahl an Schüler nicht nachkommt, hat es nichts besseres verdient. Wer sich zum Jahreswechsel vornimmt im nächsten Jahr mehr Gutes zu tun, der kann sich gleich bei der richtigen Website anmelden: www.betterplace.org.


10 Antworten auf „StudiVZ: Austreten am 31. Dezember?“


  1. 1 Machnow 26. Dezember 2007 um 19:25 Uhr

    super! weg mit dem StudiVZ!

    ich kenn übrignes viele, die sich bis jetzt schon für einen austritt entschieden haben. ganze gruppen lösen sich auf und kommunizieren jetzt wahrscheinblich wieder verbal miteinander… die intelektuelle elite rückt wieder näher zusammen, entdeckt das persäönliche gespräch wieder! Vielleicht? is ja sowieso besser in zeiten der totalen überwachung und kommerzialisierung der telekommunikationswege… also,

    Weg mit StudiVZ!

  2. 2 Thomas 26. Dezember 2007 um 19:43 Uhr

    Ja, aber was bitteschön soll eine intellektuelle Elite sein?

  3. 3 Chris 26. Dezember 2007 um 20:03 Uhr

    @Thomas,

    Machnow gehört sicher zu keiner der beiden Kategorien.

  4. 4 Butch Jonny 26. Dezember 2007 um 21:53 Uhr

    vielleicht ist die intellektuelle elite die dumpfe studentenmasse, die sich schon seit der übernahme des StudiVZ einen dreck um die kritk kümmerte, die breit auch in bürgerlichen medien publiziert wurde… plötzlich ist sie ganz erschreckt!!! aber eigentlich iss ja personenbezogene werbung gar nicht so schlimm. die anmeldung bei paypal, payback, paylow, paynever, payever… und vor allem bei kaufallesbillig ist auch sehr hilfreich…

  5. 5 Machnow 26. Dezember 2007 um 21:57 Uhr

    … vielleicht hätt ich intellektuelle elite besser in anführungsstriche setzen sollen. denn die menschen nutzer von StudiVZ sind so naiv offen mit der herausgabe ihrer persönlichen daten, dass schon an der intelligenz mancher mitglieder gezweifelt werden muss. insbesondere das diese nich mal drauf kommen, wieviel schotter diese daten wert sind…

  6. 6 Thomas 26. Dezember 2007 um 22:25 Uhr

    Der Deal ist: kostenloses Netzwerk gegen Preisgabe der Daten. Für manche ist das ok. Eine intellektuelle Elite kann ich da nicht mal in Anführungsstrichen erkennen. Bloß weil manche von denen denken, dass Studenten etwas Besseres sind, formiert sich da ganz sicher keine Elite und auch keine Avantgarde.

  7. 7 Machnow 26. Dezember 2007 um 23:19 Uhr

    du hast ja recht. deswegen die anführungstriche. natürlich sind studenten keine elite. auch wenn sie sich dafür halten. sie sind genauso von prekarisierung & arbeitslosigkeit betroffen. da kann intellektualität auch nich helfen. im allgemeinen sollen aber studenten also angehende spezialisten die zukunft sein, neben kindern natürlich…

    ein eliten- oder geniekult ist bürgerlich. er entzweit! die hervorhebung von Studi- oder Schüler- setzt andere vor die tür. iss natürlich toll besser zu sein. sinn machts trotzdem nich…

    für mich ist die sorglosigkeit aber insbesondere dieser spezies der sogenannten „intellektuellen elite“ jedesmal ein rätsel. denn eigentlich sollten sie es besser wissen. denn kritikfähigkeit soll ein kriterium ganz besonders der geisteswissenschaftlichen, universitären ausbildung sein. deswegen elite. arbeiter sind unterschicht. heute vielleicht sogar abgehängte unterschicht, neudeutsch prekariat. intellektualität ist in dieser kreisen unerwünscht. ehrlichkeit dafür hoch angesehen…. naja. ich mag dieses spektakel nich, dass sich offen gibt, im innern aber sexistisch, kommerziell, heuchlerisch und „elitär“ ist. der austausch ist banal. das netzwerk was für kommunikationsmuffel. ironie & sarkasmus fällt raus. missverständnisse sind vorprogramiert und gewollt… und trotzdem!

    Ich gruschel euch alle!

  8. 8 machnow 10. Januar 2008 um 12:58 Uhr

    studiVZ bei der tagesschau. na dann wars das wohl mit dem komischen verkauften portal…

  9. 9 aka 25. Januar 2008 um 15:08 Uhr

    cooles video gegen studiVZ für KAIOO gibts hier

  1. 1 Ausgetreten: Warum Nutzer sich vom Kommerzialisierten Studi-VZ verabschieden « Alternativlos? Pingback am 14. Januar 2008 um 13:59 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.