Banda Bassotti in Berlin

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Am 12. Januar war es wieder soweit. Banda Bassotti rockte die Hauptstadt mit ihrem melodischem Ska-Punk. Sie selbst nennen ihre Musik CombatRock for Working Class Kidz. Am 12. Januar traten die Römer in der Urania im Rahmen der Rosa-Luxemburg-Konferenz auf. Die Lieblinge des italienischen, linken Musikproletariats beehrten Berlin nachdem sie bis Neujahr ihre neue CD Viento, Lucha Y Sol, die im März erscheinen wird, im Baskenland beendet hatten. Die Dinosaurier kehrten zurück & hinterließen ephorisierte Kommunisten!

die Panzerknacker in den 80igern Die musikalischen Panzerknacker wurden sämtlichst in der Peripherie von Rom geboren. Sie organisierten sich schon früh in Initiativen zur Solidarität mit Nikaragua, Palästina und dem Baskenland. Wir haben in Solibewegungen gearbeitet, äußerst Pichio, der Sänger der Banda gegenüber der jungen welt. Danach beteiligten sie sich an verschiedenen Bauprojekten zusammen mit Freunden aus freien Arbeiterbrigaden. Von 1987 bis 1989 vereinigten sich erstmals einige der Panzerknacker zu einer Rockband. Sie spielten zumeist auf Demonstrationen oder auf der Straße. Mit einigen befreundeten Bands riefen sie das Projekt Gridalo Forte! No als Fascismo! No al Razzismo! ins Leben. Es bedeutet soviel wie Schrei laut! Nein zum Faschismus! Nein zum Rassismus!. Diese Initiative organisierte in den Jahren 1988 bis 1991 jeweils am 3./4. Mai ein antifaschistisches und antirassistisches Festival in Rom. Es beteiligten sich daran verschiedenste Antifa-Gruppen aus ganz Europa mit Workshops, Diskussionen, Videosvorführungen und natürlich Konzerten.

Gridalo Forte Records Im Zuge des Festivals entstand ein Dokumentationszentrum, das »Gridalo Forte Records« getauft wurde und sich zu einer Plattenfirma weiterentwickelte. Es startete 1991 das Projekt Balla e Difendi (Tanze und Verteidige). Es beteiligten sich die römischen Bands Red House, Filo da Torcere (mp3), die HipHopBand AK 47, die antifaschistische Londoner Punkband Blaggers ITA und natürlich die Banda Bassotti. Das Projekt verewigte sich auf zwei Samplern, die heute Raritäten sind.

sigaro 1991 erschien das erste Album der Panzerknacker. Figli della stessa rabbia machte sie nicht nur in Italien, sondern auch international bekannt. Das zweite Album Avanzo di cantiere spielte die Band 1994 im Baskenland bei Arki Arkarazo, dem Gitarristen von Negu Gorriak ein und traten anschließend vor großem Publikum in Spanien auf. Nach diesen Erfolgen und dem Tourstress löste sich die Banda 1996 erst einmal auf. Im Jahre 2001 feierte die Banda Bassotti auf einem Benefizkonzert vor 12.000 Fans empathisch ihre Reunion. Nach diesem überwältigendem Auftritt beschloßen sie weiterzumachen. 2002 erschien mit L’altra faccia dell’Impero erstmals wieder eine Studioplatte, die sie prompt auch über europäische Grenzen hinweg bekannt machte. Die anschließende Tour führte sie unter anderem nach Japan, wo die Banda wie eine Bombe einschlug. Das Album aus dem Jahr Asi es mi vida, ein Jahr später erschienen, huldigt der globalen Arbeiter- und Befreiungsbewegung und setzt ihr beeindruckend ein musikalisches Denkmal. Mein absoluter Favorit von dieser Platte ist der jiddische Arbetloser Marsch (video). Auf Konzerten bis heute ein Muss ist das antifaschistische Stalingrado. Nach Erscheinen der fünften Platte Amore e odio kam Banda Bassotti erstmals zu einer kleinen Tour nach Deutschland. Mit dem Album Vecchi Cani Bastardi tourten sie auch in Südamerika. Das Coccodé beschallte nicht nur den antikapitalistischen Block auf der Anti-G8-Demonstration am 2. Juni des letzten Jahres, sondern rockte die gesamte Bewegung während und nach den erfolgreichen Blockaden des G8-Gipfels in Heiligendamm. Im März erscheint mit Viento, Lucha Y Sol eine neue CD.

Konzert #2 Das Konzert auf der Rosa Luxemburg Konferenz war natürlich wieder mal der Hammer. Auch wenn ein großteil des Publikums noch lernen mußte, was mensch mit seiner linken Faust so alles anstellen kann, zum Beispiel sie ganz in Pichio Art kämpferisch gen Himmel strecken. Diesmal begann die Performance ganz volkstümlich mit der Intonation des Arbeiterliedes Der heimliche Aufmarsch auf einer Flöte durch einen kleinen Jungkommunisten mit Banda Bassotti Schal. Das Loft sang laustark schon nach den ersten Tönen emphatisch die erste Strophe und der Knirps zog beherzt durch. Nun folgten mindestens 20 Titel als Programm und weitere bestimmt acht Zugaben, wobei – wie immer – am Ende die Vorbands zum gemeinsamen Singen auf die Bühne gebeten wurden. Danbert Nobacon durfte Bandiere Rossa singen. Die baskischen Ska/Punk/Hardcore/Metal Jungs von Xikinkei, die übrigens richtig super waren, spielten zusammen mit der Banda eines ihrer Lieder. Zum Abschluß warfen sich die Panzerknacker noch selbst zu LatinSka aus der Konserve ins Getümmel. Aber bis dahin mußten noch einige Klassiker zu Gehör gebracht werden. Pichio, der Sänger, war mal wieder ausgezeichnet theatral drauf und illustrierte beeindruckend pantomimisch, ganz propagandistisch, was er dem Publikum gerade auf italienisch erzählt. Es ist doch immer wieder schön zu sehen, wie die kleinsten, ruhigsten und ausgeglichensten Zeitgenossen, sowohl auf, als vor der Bühne, ganz befreit rum springen und mimisch ausdruckstark, für jeden verständlich ihre Geschichte erzählen. Ohne plakativ zu werden. Eben ehrlich, menschlich abstrahiert, schon beinah biomechanisch zerlegt. Die Avantgarde lebt doch noch!

Konzert RL-Konferenz 2008 Banda Bassotti spielte ihr komplettes Repertoire. Es fehlten weder das neuere Coccodé, noch das Clash Cover Revolution Rock mit den spanischen Strophen der Los Fabulosos Cadillacs. Der Titel Mockba ‚993 von der zweiten Platte wurde ebenso gespielt, wie das mitreißende Ci Sei vom 2005er Album. Aber auch der hinreißende Walzer Que linda es Cuba kam unglaublich gut an. Die Banda erschöpfte sich für mindestens 1 3/4 Stunden. Das Publikum wollte sie einfach nicht weglassen. Es bedankte sich ausgiebigst mit Applaus und Parolen, wie das legendäre A!Anti!Anticapitalista! oder dem revolutionären Wechselgesang um Lösung und revolution (One Solution! Revolution!). Ist aber auch kein Wunder bei solch kräftiger, revolutionärer Partymucke, dass der Funke überspringt.

Es war also ein richtig geiles Konzert. Ein paar Livornos trieben sich ebenfalls zwischen all den Kommunisten rum. Manche Gäste kamen extra aus Ungarn um die Band zu sehen. Erfreulich ist ebenfalls, dass die neue Platte fertig ist. Die Tour ist auch schon in Planung. Fans und Bald-schon-Fans können sich ebenfalls freuen. Ende Mai / Anfang Juni sind die Panzerknacker wieder in der Nähe zu bewundern. Am 31. Mai eventuell beim UltRash-Festival der Babelsberg 03 Ultras vom Filmstadt Inferno und in der ersten Juni Woche irgendwo in Berlin.

Also, wir sehen uns!
Love Music! Hate Fascism!
Ama la musica Odia il fascismo!


5 Antworten auf „Banda Bassotti in Berlin“


  1. 1 Thomas 20. Januar 2008 um 20:33 Uhr

    Das Konzert war wirklich super. Hoffentlich kommen sie wirklich im Mai wieder nach Berlin/Potsdam. Dein Artikel war gut zu lesen und gut recherchiert.

    > Eben ehrlich, menschlich abstrahiert, schon beinah biomechanisch
    > zerlegt.

    Was wolltest du denn mit diesem Satz dem Leser mitteilen? Haben sich da etwa Teile deiner Hausarbeit in den Artikel verirrt? ;-)

  2. 2 Mathilde 20. Januar 2008 um 23:11 Uhr

    Dem Lob über das Konzert und diesen Beitrag kann ich mich nur anschließen. Als Ergänzung möchte ich noch auf ein Interview der jungen Welt mit der Banda hinweisen, das anlässlich ihres aktuellen Auftritts erschienen ist. Gestern gings für die alten Männer ja schon weiter in Livorno – zu Ehren der Partita Comunista d‘Italia Gramscis.

    Für die deutschen Fans und „Bald-schon-Fans“ der Banda gibts jetzt auch eine Homepage mit halbwegs aktuellen Infos.

    Deine Nachfrage, Thomas, erübrigt sich bei Benutzung des Links unter „biomechanisch“ und wikipedia.

  3. 3 Kai 21. Januar 2008 um 20:05 Uhr

    Danke für den schönen Bericht. Ich konnte ja leider in Berlin nicht dabei sein, kenne die aber von 2 Auftritten in Italien. Es ist einfach schön, dass es in Italien noch Menschen gibt, die sowohl etwas zu sagen haben als das auch in richtig geile Mucke verpacken können.

  4. 4 aka 06. Juli 2008 um 10:24 Uhr

    weitere bilder vom auftritt gibts hier.

  1. 1 Modena City Ramblers » Von altravita » Musik » Italien blog Pingback am 18. Februar 2008 um 18:37 Uhr
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