Køpi wird 18! Ein Prost auf die Volljährigkeit!

Am Wochenende des 21.-24. Februar feiert das KØPI sein 18jähriges Bestehen mit einer ordentlich fetten Sause. Am Freitag gehts ab 19 Uhr los. Es gibt Vokü, Siebdruck, eine queere Performance, Konzerte und Party im Keller. Ab 21 Uhr gibts im Peliculoso ecklig gruseliges Videokino mit Hellraiser I und Hellraiser II / Hellbound. Am Samstag gehts ab 19 Uhr weiter. In der Sporthalle musizieren die Mädels und im Koma F spielen die Jungs zum Punk auf. Ausserdem gibts Zirkus, noch mehr Konzert und ein Homolesbitransqueeres Tanzvergnügen. Also, auf in die KØPI! Aber nicht ohne zuvor ein wenig über Hintergründe und Geschichte der KØPI gelernt zu haben…


Die Köpenicker Str. 137 wurde am 23.02.1990 besetzt. Kurz zuvor war das Haus entmietet worden. Durch die Besetzung wurde der geplante Abriß des Gebäudes verhindert. Im Sommer 1991 wurde mit der Verwalterin des Hauses, der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (W.B.M.), ein Vorvertrag über die Nutzung sämtlicher Räume des Hauses abgeschlossen. Der Vertrag betrifft sowohl Maßnahmen der baulichen Selbsthilfe als auch den Abschluß von Einzelmietverträgen für die Wohnräume. Am 01.05.1993 wurden dann mit der neuen Verwalterin des Hauses, der Gesellschaft für Stadtentwicklung (G.S.E.), unbefristete Mietverträge für die Wohnräume des Hauses abgeschlossen.

1994 wurde im Rahmen eines Rückübertragungsverfahrens Volquard Petersen neuer Eigentümer des Gebäudes. Um freie Bahn für seine Planungen eines Bürokomplexes zu haben kündigte er 1996 die Mietverträge und reichte eine Räumungsklage ein. Diese wurde aber abgewiesen, die Kündigungen für nichtig erklärt. In der Zwischenzeit hatte Petersen hohe Schulden angehäuft. Deshalb wurde 1998 das Haus gepfändet und unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Commerzbank beantragte die Zwangsversteigerung des Hauses. 1999 wurde dann tatsächlich mehrmals versucht das Haus zu versteigern. Zahlreiche Proteste und Solidaritätsaktionen, wohl aber auch die Existenz gültiger Mietverträge für das Haus, wirkten jedoch offensichtlich abschreckend auf potentielle Investoren. Bei den ersten beiden Versteigerungen fand sich kein einziger Interessent. Der Antrag für eine dritte Versteigerung wurde im Mai 2000 zurückgezogen.


Die Zwangsverwaltung des Hauses wurde aufgehoben und an Petersen rückübertragen, von dem seitdem nichts mehr zu hören war. Die Hausbewohner gründeten daraufhin eine Mieternotgemeinschaft und schlossen selbstständig Verträge mit den Versorgungsunternehmen für Strom, Gas, Abwasser u.s.w. Seitdem wird die gesamte Verwaltung des Hauses von der Mieternotgemeinschaft geleistet. Das gesamte Frisch- und Abwassersystem sowie das Dach sind in Eigenarbeit komplett erneuert worden. Die Kellerräume wurden unter hohem Aufwand trocken gelegt und nutzbar gemacht. Umfangreiche Sanierungsarbeiten in den Wohnungen und ständige kleinere Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen werden von uns selbst erledigt. Keine Hausverwaltung und kein Eigentümer sind nötig um unser rattenscharfes Projekt am Leben zu halten!

Am 8. Mai kam es erneut zu einer Zwangsversteigerung. Amtsgericht und die Gläubigerin Commerzbank mauschelten im Vorfeld, versuchten den Verkauf möglichst geheim zu halten und verscherbelten schließlich die KØPI und den KØPI-Wagenplatz zur Hälfte des Verkehrswertes an den Spekulanten Besnik Fichtner. Dieser operiert aus einem dubiosen Firmengeflecht heraus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, laut Berliner Zeitung, gegen ihn und diverse Hintermänner unter anderem wegen schweren Betrugs. Das Berliner LKA besuchte ihn deshalb am 23. Juni ’07 außerordentlich zur Beweissicherung. Fakt bleibt, trotz vermeintlicher staatlicher Unterstützung, dass Fichtner die KØPI zerstören will! So kündigte er an, auf dem Gelände Luxuslofts mit Yachtliegeplätzen errichten zu wollen. Das die KØPI nicht am Wasser liegt und es somit schwer werden wird einen Hafen auf dem Gelände zu errichten, scheint Herr Fichtner vor lauter Habgier ganz vergessen zu haben. Die Räumung bleibt trotz staatlicher Untersuchungen gegen den dubiosen Ersteigerer akut. Deshalb wird europaweit zu Aktionstagen am 28. Mai bis 1. Juni mobilisiert.

Das Haus bietet Wohnraum für ca. 50 Menschen einschließlich ihrer Kinder, von denen einige seit ihrer Geburt im Haus wohnen. Die gemeinschaftlich genutzten Räume bieten Platz für die verschiedensten unkommerziellen Kulturveranstaltungen. In den zwei Konzerträumen sind in den letzten Jahren Hunderte von Bands aus allen Kontinenten aufgetreten – Berliner Nachwuchskünstler ebenso wie nahmhafte Musiker aus Amerika, Europa und Asien. Für viele osteuropäische Musiker war die KØPI der erste Auftrittsort in Deutschland. Aber auch zahlreiche Theateraufführungen sowie Tanz- und andere Performances finden auf den Bühnen der KØPI statt. Hinzu kommt ein nicht-kommerzielles Videokino, kostenlos nutzbare Sport- und Theaterräume, eine selbstverwaltete Siebdruckwerkstatt, der Techno-Keller, Berlins ältester Kletterraum, das offene Büro, vegan/vegetarische Volxküchen, ein Bandproberaum und vieles mehr. Und, all dies ganz bewußt ohne einen einzigen Cent von Staat, Stadt, Parteien oder sonstigen „Wohltätern“…

Ins KØPI kommt mensch am Besten vom Hauptbahnhof Berlin oder vom U-Bahnhof Heinrich-Heine-Strasse (U8). Vom Hauptbahnhof gehts einfach links in die Andreasstrasse, über die Schillingbrücke und am ver.di-Gebäude rechts in die Köpenicker. Nach circa 20m lockt das KØPI in den antikapitalistischen Sektor. Von den U-Bahn Heinrich-Heine-Strasse ist es etwas weiter. Mensch hält sich immer schön links, läuft am besten auf der anderen linken Seite. Nach circa 10 min wird das KØPI bunt erscheinen. Von der U-Bahnstation Kottbusser Tor (U8) kommt mensch auch zum KØPI. Am besten die Adalbertstrasse runterlaufen und an der Kreuzung zur Köpenicker nach links laufen. Bis zur KØPI sind’s dann noch circa 50m. AM besten den nachfolgenden Plan ankucken und selber entscheiden, ne….


2 Antworten auf „Køpi wird 18! Ein Prost auf die Volljährigkeit!“


  1. 1 Thomas 21. Februar 2008 um 22:51 Uhr

    Ja, endlich volljährig. Dafür sieht das Köpi aber schon ziemlich alt aus.

    Schade das ich bei der Feier nicht dabei sein kann.

  2. 2 Machnow 23. Februar 2008 um 13:16 Uhr

    im heutigen tagesspiegel gibts nen interessanten beitrag zur Køp>/em>. diese rechtsliberale zeitung bezweifelt zwar, dass es einen nächsten geburtstag gibt, geht auch nicht auf die ungeklärten betrugsvorwürfe gegen den käufer ein, und trotzdem ist der artikel lesenswert. er beweist, dass die bürgerlichen schon ma schwitzen, falls wirklich geräumt werdensollten… aber besonders erfrischend sind die o-töne zweier bewohner.

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