Der Problemkiez ist antifaschistisch!

Es gibt eine neue Zeitschrift in Neukölln. Ich hoffe sie wird’s ab jetzt öfter geben. Aufgelesen hab ich sie im Syndikat in der Weisestrasse. Gelesen wurde sie im öffentlichen Nahverkehr Berlins. Aber auch im Virtuellen (pdf) treibt es ihr Unwesen. Bei indymedia stellt sie sich auch schon vor. Und, wie sonst, als Problembezirk sollte eine solche Zeitung auch heißen. Super finde ich, dass die Zeitschrift zweisprachig aufgebaut wurde. Der Inhalt ist, im Gegensatz zum Namen, recht unironisch. Es gibt Informationen zu lokalen Neonazi-Strukturen, Interviews, Berichte, Rechtstipps und einen sehr schönen, ausführlichen Informationsteil mit Adressen und Terminen für’s alternative Neukölln.

Das Intro ist recht lang geraten, kann aber durch viele Informationen aufwarten. Insbesondere die extra Kästen zu Rassismus und Rechtsextremus gefallen mir. Der zweite Beitrag beschäftigt sich mit den neofaschistischen Strukturen in Neukölln. Erfreulich ist, dass sich seit einiger Zeit dagegen Widerstand formiert – wie die Zeitschrift beweist – aber es bleibt trotzdem erschreckend, dass sich die Strukturen in neuen Generationen fortsetzen. Die anschließende Chronik mag zwar pingelig sein, die steigende Gewaltbereitschaft auf Seiten der Nazis bestätigt aber die Notwendigkeit zur genauen Dokumentation. Der Beitrag wurde übrigens von der Gruppe Antifa Recherche übernommen. Ihr Faltblatt Zu neonazistischen Aktivitäten in Berlin Neukölln kann hier runtergeladen werden.

Es folgt ein Interview mit zwei Aktivisten der Autonomen Antifa Neukölln, deren Homepage zwar nicht die aktuellste ist, die aber erfreulicherweise nicht nur in antifaschistischer Arbeit ihr Ziel sieht, sondern ebenfalls eine radikale Gesellschaftskritik formulieren möchte. Ausserdem engagieren sie sich zur Zeit in Neuköllner Bündnissen und sehen ihren Schwerpunkt auf der Dokumentation der Neonaziszene.

Ein weiteres Interview wurde mit einem Besucher des Jugendzentrums Anton Schmaus Haus (ASH), betrieben von den Die Falken, dass schon desöfteren mit Übergriffen von Neonazis zu kämpfen hatte. Der Beitrag beschreibt vor allem die Arbeit des ASH mit den Angeboten und Initiativen, glücklicherweise ohne publicity für die dazugehörige Jugendorganisation.

Die anderen Artikel beschäftigen sich dann doch eher mit Neonaziaktivitäten in Neukölln und überregional. Zum einen wird das alljährliche Heldengedenken am Garnisson-Friedhof am Columbiadamm thematisiert. Aber auch Stinke-Steinar kommt zum Zug. Der Gender-Artikel passt da gar nicht rein. Er kommt auch ein wenig sehr oberflächlich daher. Zu diesem Thema sollte durchaus mehr veröffentlicht werden. Denn auch in der linken Szene wird oft leichtfertig mit Geschlechtszuschreibungen umgegangen. Machogehabe und Homophobie ist auch bei uns Thema und muss deshalb konsequent problematisiert werden. Deshalb finde ich es löblich, dass dieser Beitrag, trotz seiner Schwächen, im Heft zu finden ist.

Aber ganz besonders gefallen hat mir der Service-Teil. Die Organisation ReachOut wird vorgestellt. Sie bietet Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus an und ist neuerdings auch in Nordneukölln in der Reuterstrasse zu finden. Noch wichtiger finde ich die Rechtshilfe-Tipps. Der Hammer sind aber die Adressen, Termine, Locations. Ich wußte gar nicht, dass sich soviel alternatives Leben in Neukölln tummelt. Und: es wird immer mehr. Zum Beispiel das Kuschlowski, ebenfalls in der Weserstrasse, wie das Silverfuture, das Freie Neukölln und das ä.

Es geht was in Neukölln!


2 Antworten auf „Der Problemkiez ist antifaschistisch!“


  1. 1 Thomas 22. Februar 2008 um 11:18 Uhr

    Ich konnte mir die Zeitschrift auch schon ansehen und fand sie sehr gelungen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man sich nicht zu sehr auf Anti-Nazi-Themen spezialisieren sollte. So viel Aufmerksamkeit haben die Nazis nicht verdient. Berichte über das alternative Leben in Neukölln sind ansich viel interessanter.

  2. 2 LucaPinoRelli 22. Februar 2008 um 15:40 Uhr

    naj, iss nu ma ne antifaschistische Jugendzeitung. das sich da in erster linie mit antifa sachen auseinandergesetzt wird iss klar. anderes gibts ja auch, zwar nur wenig aber es ist trotzdem vorhanden… iss ja auch die erste zeitschrift. vielleicht gibts ja auch ma ne auseinandersetzung mit dem problembezirk als niedeiglohnsektor, oder die völkerwanderung, die jeden morgen um sechs losbricht und die sich zu irgendwelchen institutionen schleppt oder zu konsumtempeln, um zu putzen, zu sichern, zu kassieren oder weiss ich wat. dieses arbeiten und trotzdem arm sein wär auf jeden fall mal nen thema für den problemkiez, denk ich…

    also, antifa iss immer jut. und, der rest kommt bestimmt noch!

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