Blackwater tötet mit deutschen Waffen

Blackwater Das bedeutenste deutsche Waffenunternehmen für Pistolen und Gewehre, die Heckler & Koch GmbH, steht seit mindestens zwei Jahren mit dem amerikanischen Söldnerunternehmen Blackwater in engem Kontakt. 2006 hat die Firma auf ihrer Website von einer „einzigartigen und strategischen Partnerschaft“ gesprochen. Heckler & Koch wird vorgeworfen gemeinsam mit Blackwater Waffen entwickelt und Seminare zu deren Benutzung durchgeführt zu haben. Eine gemeinsame Waffenentwicklung wird von dem Unternehmen allerdings bestritten – in diesem Fall stellt sich aber die Frage, worin die Einzigartigkeit der Partnerschaft dann bestand.

Die Waffen von Heckler & Koch werden Report Mainz zufolge unter anderem im Irak von Blackwater eingesetzt. Dies ist nach den deutschen Grundsätzen für den Export von Kriegswaffen allerdings illegal. Vermutlich hat das weltweit fünftgrößte Unternehmen für Handfeuerwaffen eine Gesetzeslücke ausgenutzt und die Waffen an Blackwater USA geliefert, so dass eine Genehmigung der Ausfuhr nicht erforderlich war. Den Verkauf von Waffen an Blackwater bestreitet Heckler & Koch aber ebenfalls. Waffen wären demnach nur zu Übungszwecken geliefert worden. Dann fragt sich allerdings wie die Waffen im Irak in die Hände privater Söldner gelangt sind. Oder wird dort das Töten geübt?

Blackwater kann mit Recht als „Söldnertruppe der Gesetzlosen“ (Hans-Christian Ströbele, MdB) bezeichnet werden. Ein Beispiel dafür ist das Massager, das Blackwater im September 2007 auf dem Nisour-Platz in Bagdad begangen hat. Dabei starben 17 irakische Zivilisten. Augenzeugen berichteten, dass Blackwater-Söldner 20 Minuten lang ohne Gegenwehr gefeuert hätten. Selbst der US-Kongress hat Blackwater im Oktober 2007 „brutales Fehlverhalten“ vorgeworfen.

Offenbar sind auch während des Einsatzes betrunkene Söldner keine Seltenheit. In 163 von 200 Fällen sollen es Blackwater-Söldner gewesen sein, die das Feuer eröffneten, ergab eine Untersuchung des US-Kongresses. Das ist eine sehr merkwürdige Art der Friedensschaffung. Offenkundig ist Blackwater im Irak ein Teil des Problems, keinesfalls die Lösung. Jeremy Scahill zufolge, der ein Buch über Blackwater herausgebracht hat, ist eine Kriegführung ohne Blackwater für die USA im Irak und in Afghanisten allerdings nicht mehr möglich. Einerseits gibt es für die zahlreichen Kriegsschauplätze nicht mehr genug Rekruten in den USA, andererseits können durch den Einsatz der „Schattenarmee“ die Verlustzahlen künstlich niedrig gehalten werden – gefallene Blackwater-Söldner gelten als Zivilisten. Die Blackwater-Söldner werden dafür mit dem etwa dreifachen Sold im Vergleich zu den US-Soldaten belohnt. Den Einsatz der Schattenarmee lässt sich die USA 1 Mrd. Euro im Jahr kosten.

Eben jener Zivilisten-Status der Söldner ist ein großes Problem, denn dadurch unterstehen sie nicht der Militärjustiz. Dem amerikanischem Gesetz unterstehen sie auch nicht, da offiziell der Auftraggeber von Blackwater nicht das amerikanische Militär, sondern das Weiße Haus ist. Auch das Völkerrecht des internationalen Gerichtshofs greift nicht, da die USA dieses Gericht für ihre Bürger nicht akzeptiert. So blieb das Massager auf dem Nisour-Platz bisher ungesühnt, obwohl es vom FBI als Verbrechen eingestuft wurde.

Das Heckler & Koch mit derartigen Gaunern kooperiert ist nicht hinnehmbar, zumal Teile der Kooperation eindeutig deutschem Recht widersprechen. Nach Recherchen von Report Mainz zu diesem Fall hat das Unternehmen allerdings angekündigt die Zusammenarbeit mit Blackwater einzustellen. Immerhin hat das Unternehmen hier einen Fehler, wenn auch unter Druck, erkannt. Ein Fehler aus dem Jahr 1967 lässt sich nicht so schnell beheben: Damals hat Heckler & Koch dem Iran eine Lizenz zur Produktion des Maschinengewehrs G3 verkauft. Heute ist dieses Gewehr eines der bedeutenstens Exportgüter des iranischen Regimes.

Trotz der Beendigung der Zusammenarbeit mit Blackwater werden (deutsche) Schusswaffen weiter für Tote und Verletzte im Irak sorgen. Ebenso wie rund 11 Millionen Handfeuerwaffen von Heckler & Koch weltweit.

Quellen
Report Mainz: US-Privatarmee Blackwater schießt mit deutschen Waffen (18.02.2008)
taz: „Krieg ist ein gutes Geschäft“ (19.02.2008)
Spiegel: Heckler & Koch macht Geschäfte mit Blackwater (19.02.2008)
Die Welt: Waffenfirma beendet Kooperation mit Blackwater (19.02.2008)
Süddeutsche Zeitung: Deutsche Maschinenpistolen für US-Söldner (19.02.2008)
Wikipedia: Heckler & Koch


1 Antwort auf „Blackwater tötet mit deutschen Waffen“


  1. 1 Thomas 23. Februar 2008 um 20:39 Uhr

    Über den Artikel wurde (für unsere Verhältnisse) einigermaßen hitzig diskutiert: http://difficultiseasy.blogsport.de/2008/02/23/ordnung-muss-sein/

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.