Keine Geschäfte mit Nazis! Tønsberg muss weg!

Am 22. Februar fand eine Demonstration gegen den Thor-Steinar-Laden in der Rosa-Luxemburg-Strasse, in Berlins Mitte, statt. Es mobilisierten die Antifaschistische Linke Berlin, die Jusos, die Grüne Jugend, die antikapitalistische Linke in der Linkspartei und weitere Jugendorganisationen. Es beteiligten sich circa 500-600 Demonstranten. Eigentlich sollte die Demoroute direkt am Laden vorbei führen. Das war der Berliner Polizei wohl zu heikel, so dass sie diesen Teil der Route untersagte und den Protest, der auch von Anwohnern und lokalen Gewerbetreibenden unterstützt wird, empfindlich störte und den Naziladen schützte.

Die Neonazi-Kette Tønsberg eröffnete am 1. Februar in der Rosa-Luxemburg-Strasse einen ihrer Läden, der ausschließlich die in rechtsextremen Kreisen sehr beliebte Marke Thor Steinar. Des Weiteren ist diese Stinkemarke insbesondere in rechtslastigen Fankreisen sehr beliebt. Einige Vereine wehren sich dagegen. So ist in den Stadien von Dynamo Dresden, Borussia Dortmund, Werder Bremen, Hertha BSC Berlin, des FC St. Pauli, des 1. FC Magdeburg sowie von Carl Zeiss Jena das tragen dieser Marke verboten. In den unteren Ligen tun sich die Vereine etwas schwerer sich der klar antirassistischen, antifaschistischen Initiative anzuschließen. So ist, trotz aktivem Antifa-Ultrà Anhang, beim SV Babelsberg das Tragen von Stinkesteinar geduldet.

Stinkesteinar wurde im Oktober 2002 durch den 30jährigen Axel Kopelke aus Königs Wusterhausen als Marke registriert. Seit 2003 tritt die Mediatex GmbH von Axel Kopelke und Uwe Meusel auf. Zumindest Kopelke ist in der Region Königs Wusterhausen politisch kein Unbekannter. Lokale AntifaschistInnen berichten über Verstrickungen in die regionale Nazi-Szene. So wurde Axel Kopelke in der Vergangenheit bei völkischen Sonnenwendfeiern, einem Liederabend mit dem Nazi-Barden Frank Rennicke und einer NPD-Reichsgründungsfeier im Jahr 2000 in Friedersdorf gesehen. Er verfügte auch über Kontakte zu dem überregional bekannten Nazi-Kader und V-Mann Carsten Szczepanski. Seine geschäftlichen Ambitionen begann er 1997, alser in den Laden “Explosiv” in der Bahnhofstrasse in Königs Wusterhausen einstieg. Dieser entwickelte sich zu einem Anlaufpunkt der regionalen Jugendszene der extremen Rechten. Als kaum ein Zufall kann hierbei der Umstand angesehen werden, dass in diesem Laden vor allem rechtsstehende Jugendliche ihre Schulpraktika absolvierten.

Aber auch Uwe Meusel ist lokal seit längerem im Nazisumpf verstrickt. Das komplizierte rechtsextreme Geflecht insbesondere in Zeesen ist seit den 90igern bekannt. Immer wieder gab es dort organisierte Übergriffe auf linksalternative Jugendliche auf das leider nicht mehr bestehende autonome Hausprojekt das Schloss und den nahegelegenen Jugendklub JAZZ, der auf mysteriöse Weise abbrannte.

Stinkesteinar produziert tief aus ideologischem Interesse für den nationalen Widerstand. Nazisymbolik wird subtil, aber erkennbar bewußt, genutzt. Unauffällig für die meisten Mitbürger versteckt sich der widerliche Geist hinter modischen Klamotten, ohne jedoch den Erkennungsfaktor und die faschistische Symbolik zu vernachlässigen. Deshalb gilt es jederzeit über die Marke zu informieren und gegen die Präsenz im öffentlichen Raum zu protestieren.

Die Demo gegen den neuen Tønsberg / Thor Steinar Laden wollte die Aktionen gegen den Laden intensivieren und Öffentlichkeit schaffen. Zwar wurde dem Mieter schon wenige Tage später gekündigt, doch kann sich der Auszug, wie aus der Erfahrung in Magdeburg bekannt ist, über Monate hinziehen. Die Räumung galt es also zu beschleunigen. Insbesondere, weil in den letzten Tagen durch das Engagement des Norwegischen Staates die Stinkemarke Thor Steinar auch juristisch weiter unter Druck geriet. Aber ganz real hat der Ladeninhaber mit Verschönerungen seines Ladens zu kämpfen. In der Nacht zum 18. Februar wurde er entglast. Ein weiterer Anschlag färbte den Laden in der Nacht vor der Demonstration. Mit Farbe gefüllte Glasflaschen wurden in die Auslage geworfen. Aber kommen wir zur Demonstration.

Weitere Bilder von der Demo gibt es hier.

Treffpunkt war der S-Bahnhof Oranienburger Strasse in unmittelbarer Nähe des Judaicums. Die Route ging entlang der Oranienburgerstrasse bis zum Hackeschen Markt. Dort gab es eine kleine, mehrsprachige Zwischenkundgebung, die sich aufgrund polizeilicher Massnahmen gegen ein Transparent etwas hinzog. Am Hackeschen Markt gings dann in die Rosenthaler Strasse, die wir aber schon nach einigen Metern verließen, um in die Neue Schönhauser einzubiegen. Dort gabs einen weiteren Übergriff der Berliner Polizei gegen die Demonstration. Dieser richtete sich explizit gegen den Lautsprecherwagen. Denn als das Transparent, das ihn schützte, von Team Greenentwendet wurde, setzte sich der Angriff fort. Das besonders bei der Berliner Hundertschaft mit Nummer 13 und 23 beliebte Knüppel-aus-dem-Sack-Spiel begann unter lautstarkem Protest der restlichen Demonstranten. Der Lauti wehrte sich lautstark und kämpferisch mit Potere al Popolo, dem neuen Lied von Banda Bassotti. Ein weiterer Fehler war die Neue Schönhauser als Ort der Eskalation von Seiten der Polizei zu wählen. Dadurch konnten die anwesende Parteijugend, die bürgerlich-hippen Anwohner und Passanten gut beobachten, was es heißt in einem demokratischen Staat zu leben.

Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, der Verbindungsmann zum Anmelder wieder Kontakt hatte, wobei er nur den zum Anmelder verloren zu haben schien, zu seinen Kollegen in Grün dagegen immer weiter hielt, konnte es weiter gehen. Es ging dann in die Münzstrasse, vorbei an so einigen Läden des kapitalistischen Markenfetischs. Die nächste kurze Zwischenkundgebung gab es an der Ecke Münzstrasse / Rosa-Luxemburg-Strasse, wobei anzumerken ist, dass letztere massiv durch Behelmte und Wannen abgeriegelt war. Deshalb hielten wir uns dort auch nicht lange auf, sondern zogen einige Meter weiter in die Karl-Liebknecht-Strasse. Dort gab es einiges Durcheinander, weil ein vermeintlicher Anti-Antifa-Fotograf entdeckt worden war. Ausserdem gebärdete sich ein vermutlich übermotivierter Nazi in der blockierter Strassenbahn wie Rumpelstilzchen. Am Fenster klopfen und hin und her rennen hatte er schon in seinem ideologischem Käfig gelernt. Dies nun auch ganz überraschend real in der Straßenbahn anwenden zu können, muss ihn extrem überfordert haben. Team Green sah sich genötigt die Tram zu schützen, wahrscheinlich vorsorglich, denn ein Angriff war zu keinem Zeitpunkt zu beobachten.

Von der Liebknecht Strasse gings dann nach links in Hirtenstrasse bis zur Ecke Rosa-Luxemburg-Strasse. Dort stoppte der Demonstrationszug wiederum. Die Polizeipräsenz war enorm. Die Rosa-Luxemburg-Strasse wurde komplett gesperrt. Nichteinmal erkennbare Touristen durften passieren. Nach einigem hin und her durfte die Demo zu ihrem Abschlussort am U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Strasse noch einige Meter weiter ziehen.

Als Fazit lässt sich feststellen, dass trotz massiver Vorkontrollen, ununterbrochener behelmter Begleitung und rüden Angriffen seitens der Polizei aus der Demonstration keine Eskalation betrieben wurde. Erfreulich war die Anwesenheit einiger Jusos, der grünen Jugend und natürlich der Linken. Ein trauriges Nachspiel gab es später in der Nacht. Mindestens 10 Nazis überfielen im Wedding ein kleine Gruppe Jugendlicher, die Gäste bei einer Party im Café Bohne waren und sich auf dem Nachhauseweg befanden. Eine Person wurde durch einer Schlagstock am Kopf massiv verletzt. Die kurzfristig angesetzte Solidemo am gestrigen Abend war mit circa 120 Teilnehmern erstaunlich gut besucht. Einen positiveren Abend gabs im Køpi, das seine Volljährigkeit feierte. Im Laufe des Abends kamen mindestens 1.000 Leute. Wat für ’ne Party! Und, mit 18 gehts erst los!

Den Tønsberg wird nichts retten. Der Laden wird auf jeden Fall dichtgemacht. Nur sollte dies schleunigst passieren!

Keine Geschäfte mit Nazis! Tønsberg muss weg!


1 Antwort auf „Keine Geschäfte mit Nazis! Tønsberg muss weg!“


  1. 1 In Kreuzberg und Mitte schepperts an allen Ende! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 27. März 2009 um 10:19 Uhr
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