freiRäume erhalten! freiRäume verteidigen!

In Berlin vernetzen sich die freien Hausprojekte immer mehr. Ein erstes Zeichen war die kämpferische one struggle one fight Demo am 8. Dezember letzten Jahres. Der nächste Schritt war die Etablierung einer Organisationsstruktur. Neben der Autonomen Vollversammlung formierte sich eine Freiräume Vollversammlung. Die erste VV fand am 27. Januar im Wohnprojekt Kreuziger19, die zweite am 27. Februar im New York (Bethanien) statt. Ein erstes Ergebnis und zentrale Informationsplattform ist die Eröffnung des Blogs Wir bleiben Alle! als Sprachrohr der Kampagne der vernetzten Freiräume.

Am 8. Dezember stieg in Berlin die freiRäume-Demo one struggle – one fight. Es beteiligten sich zwischen 1.500 und 2.500 Demonstranten. Die Polizei eskalierte von Beginn an. Neben schikanösen Einlasskontrollen, die aber leider schon zum Demo-Vorprogramm dazugehören, entschloss sich die Berliner Polizei ihre RoboCop Verkleidung permanent anzulegen und betont lässig durch die Ketten der Demonstranten zu laufen. Ihr Knüppelchen-aus-dem-Sack-Spielchen schien ihnen wohl auch sehr zu gefallen. Unter Anleitung des stadtbekannten, offiziellen Demosaboteur Herr Haßnomen est omen – wurde der Demobeginn zunächst um 1 1/2 Stunden und im weiteren Verlauf permanet attackiert. Mehrfach wurden brutal Einzelpersonen festgenommen. Die Ordnungswidrigkeit der Vermummung während einer Demonstration sollte völlig unverhältnismäßig mit dem weitaus schwerwiegenderem Vergehen der gefährlichen Körperverletzung verhindert werden. Die geplante Route begann am Rosenthaler Platz, setzte sich über die Torstraße, Münzerstraße bis Hackeschen Markt fort um über die Oranien- und Friedrichstrasse am Bahnhof Friedrichstrasse beendet zu werden. Bis dahin kam die Demo jedoch nicht. Das behelmte Team Green griff ständig n die Demo ein, trieb einen Keil zwischen die Protestanten und nahm sie willkürlich fest. Am Hackschen Markt entschloß sich die Demoleitung die Veranstaltung aufzulösen. An eine ordnungsgemäße und sichere Durchführung war nicht mehr zu denken. Die Eskalation durch die Berliner Polizei steigerte sich regelrecht. Vorkontrollen, stundenlange Verzögerungen, aufweichen der Blöcke und als Höhepunkt die brutalen Festnahmen und permanten Interventionen ließen das Fass überlaufen. Pyros und Farbeiei waren die Antwort. Die Dokumentation zur Demo gibt es in Bildern (1, 2) und als Video.

Die Demonstration setzte sich in Bestrebungen für eine langfristige Kampagne für besetzte Häuser, Projekte und Räume, sowie die Schaffung neuer fort. Die Idee materialisierte sich zunächst virtuell dann materiell in der Kampagne Wir bleiben alle! Selbstorganisierte Räume aufbauen und verteidigen!. Ihr virtuelles Infozentrum ist der Blog. Das materielle sind die einzelnen Aktionen nach dem D.I.Y.-Prinzip und die monatliche am 27ten stattfindende Freiräume-Vollversammlung als Entscheidungsinstanz. Ausgangspunkt, Ziele und Forderungen der Kampagne sind in der Einladung zur ersten VV eindrucksvoll dokumentiert worden. Dort formierten sich die ersten Arbeitsgemeinschaften. Die Eckpunkte und Ziele wurden bestätigt.

Erste Aktionen im Rahmen, oder unter dem Label der Kampagne folgten auf dem Fuss. Das gefährdete Projekt R94 / Kadterschmiede organisierte spontan am 31. Januar, zwei Tage nach der Bestätigung eines Säumnisurteils durch das Berliner Landgericht, das eine besenreine Übergabe des Objektes, also die Räumung meint, Protest vor dem Abgeordnetenhaus. Die nächste Aktion war die Verteilung von Infoflyern zur Kampagne am 20. Februar vor dem Konzert von AntiFlag im SO36. Am letzten Wochenende – am 29.2. bis 2.3. – gab es mehrere temporäre Besetzungen in Kreuzberg und Mitte. Es wurde getanzt, gefeiert und mit Vorliebe den Klängen gelauscht. Räume wurden angeeignet und erschienen so temporär frei. Frei nicht von allen Herrschaftsmechanismen, aber frei für neue Perspektiven. Perspektiven in denen wir selbst Aktive werden, uns zeitweise gegen den Strom der bürgerlichen Gesellschaft, gegen von außen aufgesetzte Raster und Vorgaben bewegen. So könnte es weitergehen. Nicht nur in Berlin, sondern weltweit.

Leider gibt es aber, wie nicht anders zu erwarten, nicht nur in Deutschland Repression und existenzielle Bedrohungen gegen autonome Hausprojekte. Das Muster ist immer dasselbe. Der Staat nutzt seine Macht um die zu ersticken, die ihm zu groß gewachsen erscheinen, diejenigen, die eine Alternative jenseits des Mainstream, jenseits kapitalistischer Nützlichkeits- und Verwertungslogik anbieten. Theater, Musik und Kultur ist erlaubt. Jedoch antirassistische, antifaschistische und explizit antikapitalistische Initiativen werden unterdrückt. Wohnen ist erlaubt! Kultur ist erwünscht! Aktion wird behindert! Ziviles Engagement wird kriminalisiert!

Auch in Italien sind Projekte von der Räumung oder der Privatisierung bedroht. Alternative Entwürfe werden verkauft und / oder durch Kündigung bedroht. Am letzten Wochenende gab es in Pisa mehrere temporäre Besetzungen um auf den Angriff des autonomen Projektes Laboratorio delle Disobbedienze Rebeldía aufmerksam zu machen. Die Stadt Pisa möchte das Gebäude an einen privaten Investor verkaufen. Die Autonome müssen raus. In Livorno sind ebenfalls mehrere Projekte bedroht. Das alternative Schulungs- und Bürohaus CSA Godzilla wurde zwar durch das Kulturprojekt Officina Sociale Refugio ergänzt, wohl aber eher um die Stadt im Falle einer drohenden Räumung des Godzilla unter Druck zu setzen. Dort finden im Übrigen Lesungen, Vorträge, Theaterveranstaltungen, Konzerte und Partys statt. Vor allem gibt es dort das billigste Bier in ganz Livorno.

Trotzdem geht es darum die Projekte weltweit zu schützen und neue zu erobern. Die Angriffe auf alternative Lebensentwürfe dürfen nicht mehr hingenommen werden. Die Vernetzung, die sich in Berlin allmählich entwickelt und wächst, muss auch nach außen getragen werden. Vor allem Italien scheint regelrecht eine terra inkognita zu sein. Aber dies wird sich hoffentlich ändern. Im April wäre eine Möglichkeit sich gemeinsam solidarisch, kämpferisch und kreativ zu vereinen.



6 Antworten auf „freiRäume erhalten! freiRäume verteidigen!“


  1. 1 Thomas 07. März 2008 um 2:30 Uhr

    Vielleicht wäre es ganz sinnvoll diesen Beitrag ins Italienische zu übersetzen. Vielleicht hilft das etwas bei der Aufdeckung des unbekannten Landstrichs.

  2. 2 Mister Altravita 10. März 2008 um 15:13 Uhr

    Falls Ihr das macht, sagt mir bitte Bescheid, so dass ich euch ein bisschen publizistische Schützenhilfe liefern kann. Das Thema liegt mir natürlich noch sehr am Herzen.

  3. 3 machnow 10. März 2008 um 15:44 Uhr

    wir sind an der übersetzung dran. bis dahin haben einige projekte in italien schon ein wenig übersetzungsarbeit geleistet. zu den aktionstagen am 11./12. april gibts den aufruf auf italiensich hier. da geht bestimmt noch einiges. insbesondere, weil die situation in italien sehr viel akuter ist… auch wenn jetzt ein paar nazis in rom festgenommen wurden, ist die gefahr von übergriffen durch nazis und die polizei nicht wirklich kleiner…

    solidarität ist eine waffe!

  4. 4 Wir bleiben Alle 11. März 2008 um 16:05 Uhr

    würde gerne den text mit auf die wba seite mit draufpacken, natürlich mit quellenangabe… hättet ihr was dagegen?

  5. 5 aka 11. März 2008 um 17:28 Uhr

    kein problem. macht ruhig auf die wba seite! wir versuchen die verbindung in die toskana zu halten….

  1. 1 14. März - United we stay! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 20. Februar 2009 um 16:30 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.