Køpi bleibt! Und zwar so wie sie ist!

Am gestrigen Montag veröffentlichte die Køpi auf ihrer Seite eine Erklärung zu ihrem Sieg über Immobilienspekulanten und ihrem Weiterbestehen. Explizit bedanken sich die Bewohner bei ihren zahlreichen Unterstützern und Freunden. Erst die vielfältige Unterstützung, die Demos, Soliaktionen, Spenden, der massive öffentliche Druck haben uns in eine ausreichend starke Position versetzt, um in den Verhandlungen mit dem Eigentümer eine (bereits geplante) Räumung des Hauses abzuwenden. Jetzt muss es weitergehen. Andere Projekte brauchen ebenfalls Hilfe!

Dieser Sieg kann nur ein Anfang sein. In Berlin sind das XB Liebig, weitere Projekte in der Liebig 34, das Projekt in der Rigaer 84, das R94 mit Kadterschmiede, sowie das Projekt Brunnenstrasse 183 mit dem Umsonstladen akut räumungsbedroht. Die Leute vom Yorck59 sind schon mal rausgeflogen konnten sich aber clever und smart in ein neues Domizil, das geschichtsträchtige Bethanien retten. Jedoch auch das New Yorck hat mit dem Gentrifizierungsdruck zu kämpfen. Hier ist ebenfalls die heisse Phase eingetreten. Ein Bürgerbegehren ist angeleiert und eine Beschlussvorlage (pdf) zum Erhalt des alternativen Projektes wurde der Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg / Mitte übergeben.

Das Køpi hat erstmal gewonnen. Für dreissig Jahre gibt es Ruhe vor Kündigungen und eventuellen Zwangsräumungen. Der Schwarze Kanal dagegen, der frauenLesbenTransgender Wagenplatz neben der Køpi bleibt gefährdet. Zwar gibt es zunächst eine vorläufige Duldungserklärung, jedoch muss der weitere Status ausgehandelt werden. Die Räumung muss zwar nicht befürchtet werden, aber bei einem erneuten Besitzerwechsel, wären Konflikte vorprogrammiert. Hier gilt es also, weiterhin wachsam zu bleiben.

Der Verhandlungsieg war eine Mischung aus der Cleverness der Hausbewohner, die von ihrem Anwalt Moritz Heusinger untersützt wurden und den zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen weltweit. Insbesondere für die enorme Solidarität bedanken sich die Køpianer. Das Verhandlungsgeschick wird vom spiegel hervorgehoben. Der meint, die Hausbesetzer, wären abgebrühter als manch Hausbesitzer und cleverer als ein Immobilienhai. Zwar ein schönes Kompliment, nur leider aus einer äußerst ekelhaften Ecke, die damit bestimmt nicht loben wollte.

Eigentlich sollten die Verhandlungen den gesamten Köpi-Komplex für eine lange Laufzeit komplett in Selbstverwaltung (z.B. in Form eines Erbpachtvertrages) übernehmen und die Köpi so dauerhaft dem kapitalistischen Verwertungskreislauf entziehen. Daraus wurde leider nix. Ist aber auch nicht verwunderlich, wenn mensch sich die Hintergründe des Verkaufes in Erinnerung ruft. Die Konzentration auf die Mietverträge scheint zwar auf den ersten Blick die Azfgabe eines antikapitalistischen Ansatzes im Ergebnis ermöglicht es aber das Überleben.

Der Eigentümer der Köpi hat im Ergebnis pünklich zum 18. Köpi Geburtstag die Mietverträge zu den bestehenden Konditionen für alle im Erdgeschoß liegenden Wohn- und Veranstaltungsräume um 30 Jahre verlängert. Die zum 31.Mai ausgesprochenen Kündigungen der Wohnmietverträge wurden zurückgenommen. Somit gibt es keinerlei ungeklärte Rechtsposition auf dem gesamten Hausgrundstück mehr: Alle Räumlichkeiten sowie Hof und Garten haben ausdrückliche wirksame Mietverträge.

Die Køpi bleibt also, und zwar so wie sie ist!

Die Aufmerksamkeit in den bürgerlichen Medien, wie Tagesspiegel (1, 2) und den reaktionären Postillen Welt, Morgenpost und Spiegel, ist erstaunlich und einseitig. Die Rettung des einen Projektes wird besungen, die Gefährdung der anderen verschwiegen. Umso wichtiger ist es die bedrohten Projekte und die Kampagne Wir bleiben alle zu unterstützen. Ein wichtiger Termine in der nächsten Zeit sind die freiRäume Aktionstage am 11./12. April, der weltweit durch Aktionen alternative Lebensentwürfe in die Öffentlichkeit bringen wird. Ende Mai sollten die Køpi-Aktionstage natürlich trotz der frohen Botschaft nicht vergessen werden. Und, bis dahin unbedingt wegen den akut bedrohten Projekten in der Rigaer nach Infos Ausschau halten.


1 Antwort auf „Køpi bleibt! Und zwar so wie sie ist!“


  1. 1 aka 14. März 2008 um 0:55 Uhr

    Hmm, ich glaube der Schwarze Kanal ist nicht direkt neben der Köpi, sondern nur in der Nähe, vielleiht so 500 Meter entfernt.

    Unklar ist immer noch, ob der Eigentümer, der die Verträge mit der Köpi unterschrieben hat, überhaupt dazu berechtigt ist. Einerseits gibt es offenbar eine Firma, die behauptet, der eigentliche Eigentümer der Köpi zu sein und beim jetzigen vorgeblichen Eigentümer handele es sich nur um eine Strohmann.
    Andererseits gibt es auch ein Gerücht welches besagt, dass der jetzige Eigentümer der Commerzbank den Kaufspreis der Köpi noch schuldig ist und vielleicht gar nicht zahlen kann.
    In beiden Fällen wären die jetzigen Verträge ungültig. Aber hoffen wir mal das diese Gerücht nicht der Wahrheit entspechen.

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