Wieder ein ermordeter Antifaschist in Russland

Antifa-Demo Moskau Am letzten Sonntag, dem 16. März wurde der Antifaschist Sergej Krylov von Nazis erstochen. Er befand sich mit Freunden auf dem Weg zu einem Punk-Konzert in den Klub Art Garbage als 15 Faschisten die Gruppe attackierte. Dies ist der zweite Angriff auf russische Antifaschisten in diesem Jahr. Es reicht! Scheiss auf Kasparov! Solidarität!

Aleksej war 21 Jahre alt. Er wohnte in Noginsk, einer Stadt circa 50 km östlich von Moskau. Am 16. März wollte er mit Freunden ein Punk Konzert besuchen. Dort kommt er aber nicht an. Nazis überfallen die Gruppe und stechen auf sie ein. Aleksej wird mehrfach getroffen und bricht blutüberstromt zusammen. Noch vor Ort verstirbt er an den Folgen der schweren Verletzungen.

Der Naziübergriff war geplant. Die Faschisten hatten sich im schon am 14. März verabredet Konzertbesucher zu überfallen. Ihr Vorhaben konnte im Nachhinein durch die Cache-Funktion von Suchmaschinen nachvollzogen werden. Die Nazis diskutierten ihren Übergriff im Forum des Fussballvereins Spartak Moskau, der Rekordmeister ist und insbesondere durch nationalfaschistische Fans auf sich aufmerksam macht. Das betreffende Thread wurde nach dem Übergriff unverzüglich planvoll gelöscht. Der Moderator des Threads gab Hinweise, wie der Überfall durchzuführen ist. Die Boneheads sollten sich in Gruppen, unauffällig gekleidet um den Klub aufhalten, ohne diesem zu Nahe zu kommen.

Alexey Krylov Erinnerung in Leipzig Die Familie – Mutter und zwei jüngere Schwestern – und das antifaschistische Europa trauert. In Leipzig findet am Montag abend vor dem russischen Konsulat eine Mahnwache statt. Auch in Berlin und Hamburg finden sich Trauernde vor russischen Botschaften ein. Am heutigen Mittwoch Abend fand in Moskau eine kämpferische Demonstration statt. Zu dem Gedenkmarsch unter dem Motto Faschismus is nicht heilbar trafen sich circa 200-250 Personen aus verschiedene Spektren. Es kamen SHARPs, RASHs, Anarchisten, Queeraktivisten, Punks und Mitglieder der Hardcore-Szene. Sie trugen zahlreiche Transparente, skandierten Parolen und zündeten Pyros. Passanten bedeuteten spontan Zustimmung. Die Stadtverwaltung verbot kurzfristig die geplante Route, die Demo / Marsch suchte sich aber (ungenehmigt) selbstständig ihren Weg. Am Startpunkt der Demo kam es beinah wieder zu einem faschistischen Überfall, der jedoch durch die Moskauer Polizei verhindert wurde. Jedoch wurden nicht die Nazis als potenzielle und verdächtige Täter am Mord am Sonntag verhaftet. Vielmehr gingen 13 Antifas in Gewahrsam.

Schon die erste größte gemeinsame Aktion zum LesbiSchwulen Valentinstag am 14. Februar wurde von Nazis attackiert. Den gay-pride-flash-mob veranstalteten homosexuellen Initiativen, Anarchisten u.a. Ziel des flash-mobs war es ein Recht auf Liebe auch für Lesben, Schwule, Transsexuelle und Transgender zu fordern. Es kamen circa 100 Personen. Die Ersten Angriffe auf die queere Aktion konnte durch das beherzte Eingreifen von Antifas abgewehrt werden. Gruppen später Ankommender jedoch waren nahezu schutzlos. Die Nazis gingen auf diese sofort mit Messern los. Ein Antifaschist wurde schwer verletzt, überlebte aber glücklicherweise. Dieses Ereignis wird als blutiger Valentinstag in Erinnerung bleiben.

Die beiden Angriffe von Nazis in diesem Jahr reihen sich nahtlos in eine Serie von Übergriffen ein. Zunehmend enden diese mit dem Tod von Antifaschisten. Im April 2006 wurde Andrej Pjuchin ebenfalls auf dem Weg zu einem Punk-Konzert erstochen. In den letzten drei Jahren starben weitere drei Antifas. Ihre Namen waren Timur Kacharav, Stanislaw Korepanov und Ilja Boradajaenko. Letzterer wurde im Sommer letzten Jahres bei einem Überfall von Nazis auf ein Lager von Anti-Atom-Aktivisten in Sibirien ermordet. Anarchisten und Friedensaktivisten sind ebenfalls Ziel von Übergriffen.

Das Muster ist immer gleich. Eine Gruppe von mindestens 15 Nazis greift bewaffnet mit Messern und Schlagstöcken kleinere Gruppen linker Aktivisten an und versucht sie wenn nicht zu töten, doch wenigstens ernsthaft zu verletzen. Die Staatsgewalt interpretiert die oft geplanten Übergriffe als Hooliganismus, dh. eine einfache Schlägerei Besoffener. Die Morde werden verharmlost, publizistisch marginalisiert, zurückhaltend untersucht und unverhälnismäßig lasch verfolgt. Die russische Elite hat keien Interesse an der Verfolgung nationaler Mörder. Vielmehr werden diese mittelbar durch nationalistische Rhetorik und Volkstümelei unterstützt.

Es reicht! Die Scheisse muss aufhören!
Internationale Solidarität mit den russischen Antifas!


3 Antworten auf „Wieder ein ermordeter Antifaschist in Russland“


  1. 1 Thomas 23. März 2008 um 23:30 Uhr

    Was hat es denn mit „Scheiss auf Kasparov!“ auf sich? Hab ich was verpasst?

  2. 2 machnow 24. März 2008 um 15:17 Uhr

    der kasparov ist nen komischer typ, den komischerweise / logischerweise die westliche presse besonders mag. anstatt über größere parteien zu berichten, wird sein vielleicht zwanzig mann zählende truppe gepuscht. dioeser kasparov hat keine ahnung von den nöten in russland. er hat jahre lang im ausland gelebt und keinerlei beziehung zur arbeitenden bevölkerung. anstatt über diesen „clown“ zu berichten, sollte die westliche presse vielleicht mal etwas weiter reinschauen…

    aber wat reg ich mich über die bürgerliche postille auf. hat sowieso keinen sinn!

  1. 1 Solidarität mit russischen Antifas « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 03. September 2008 um 10:49 Uhr
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