Deutsches Technikmuseum Berlin (DTMB): Eine Dokumentation

American Bombers in the Air Die Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin wehren sich gegen ihre prekäre Beschäftigung. Arbeitskampf ist also nicht mehr nur bei der BVG, im Einzelhandel oder im Öffentlichen Dienst angesagt, sondern nun auch in den öffentlichen Museen angekommen. Droht nun der erste Arbeitskampf in einem deutschen Museum? aka solidarisiert sich uneingeschränkt mit den Beschäftigten und dokumentiert im Folgenden die Geschehnisse. Außerdem rufen wir zur aktiven Solidarität am 28. März, um 11 Uhr beim Abschiedsfest vor dem Technikmuseum auf.

Im Deutschen Technikmuseum Berlin gehen die Beschäftigten der Besucherbetreuung auf die Barrikaden. Die Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer sind für die Beaufsichtigung fast aller Ausstellungsräume sowie für die Garderobe verantwortlich. Bisher war die Arbeitsatmosphäre immer sehr angenehm. Viele Beschäftigte sind miteinander befreundet. Doch seit letztem Herbst ziehen dunkle Wolken auf. Das Betriebsklima wurde durch die Museumsleitung vergiftet. Aber eins nach dem anderen.

Das Deutsche Technikmuseum Berlin selbst ist nur ein Teil der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Diese Stiftung hat vier weitere Standorte (das Science Center Spectrum, das Zuckermuseum, die Archenhold-Sternwarte und das Zeiss-Großplanetarium Berlin). Die Stiftung erhält Zuwendungen vom Land Berlin, mit denen sie sich hauptsächlich finanziert. Die Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer sind in mehreren Häusern der Stiftung tätig: im Deutschen Technikmuseum, im Spectrum, im Zuckermuseum und aushilfsweise im Zeiss-Planetarium.

Sie sind nicht bei der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin angestellt, sondern in einer ausgelagerten Tochtergesellschaft des Museums – in der T&M Technik und Museum Marketing GmbH. Weitere Beschäftigte der GmbH sind im Bereich Veranstaltungsdienst und Wachschutz tätig. Die Geschäftsführung der T&M wird von der Museumsleitung wahrgenommen. Insgesamt gibt es drei Geschäftsführer. Die Angestellten sind zumeinst Studierende, die mit diesem 400-Euro-Job ihren Lebensunterhalt aufbessern und bestreiten. Die GmbH wurde am 12. November 2002 eigens dafür gegründet, neue und weitaus mehr Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer einzustellen. Vorher übernahmen Stiftungsmitarbeiterinnen und Stiftungsmitarbeiter diese Aufgabe. Mit dem Ausbau des Museums wurden mehr und billigere Arbeitkräfte gebraucht. In der „Blütezeit“ der Besucherbetreuung im Herbst 2007 waren fast 200 Menschen für die Besucherbetreuung beschäftigt. Seit Gründung der GmbH wurden sukzessive in halbjährlichem Abstand neue Leute eingestellt. Ihr „Lohn“, der unter dem 7,50 Euro-Mindestlohn liegt, den ver.di fordert, wird durch die T&M gezahlt. Die GmbH wiederum erhält dieses Geld als „Sachmittel“ von der Stiftung und nicht als Personalmittel.

DTMB neben BVG

Im November letzten Jahres passierte das Unvorhersehbare. Die Geschäftsführung der GmbH verkündete einen „vorläufigen Verlängerungsstopp“ der Arbeitsverträge für alle Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer. Zu diesem Zeitpunkt standen mehrere Kollegen und Kolleginnen vor ihrer vierten Vertragsverlängerung, einige waren schon mehr als vier Jahre angestellt und andere wären durch eine erneute Vertragsverlängerung potenziell über 4 Jahre beschäftigt worden.

Die GmbH stellte wohl fest, dass es ein Teilzeitbefristungsgesetz gibt, das regelt, wie oft und wie lange mensch Beschäftigte befristet beschäftigen darf. Mehrere Kollegen und Kolleginnen wurden bereits im Herbst stutzig und ließen sich beraten. Als der Verlängerungsstopp kam und sie nicht weiter beschäftigt werden sollten, reichten einige von ihnen Klage auf Weiterbeschäftigung bzw. Entfristung (also für ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis) ein. Der Verlängerungsstopp betraf aber noch weitere Kollegen und Kolleginnen, die vor ihrer Vertragsverlängerung standen. Sie waren zum Teil erst ein Jahr beschäftigt oder auch schon über zwei Jahre dabei. Einige derer, die bereits länger als zwei Jahre in der GmbH angestellt waren, klagen nun ebenso. Sie und ihre Anwälte vertreten die Rechtsauffassung, dass für die T&M gilt, dass Beschäftigte maximal auf zwei Jahre befristet werden dürfen. Die Gehschäftsleitung der GmbH vertritt die Ansicht, bis auf vier Jahre befristen zu dürfen und das „Projekt Besucherbetreuung“ nach nunmehr fünf Jahren beenden zu können. Die Kollegen und Kolleginnen, die weniger als zwei Jahre für das Museum tätig waren, können sich allerdings nicht gegen ihre Nichtverlängerung wehren. Einige von ihnen hatten bereits eine mündliche Zusage für eine Vertragsverlängerung erhalten.

Auf diese Weise mussten im November ca. 20 Kollegen und Kolleginnen gehen. Dabei scheint es, dass dieser Verlängerungstopp absolut ungeplant war und rational unbegründbar ist. Die Empörung in der Belegschaft war immens. Deshalb wurde beschlossen, endlich einen Betriebsrat zu gründen. Überlegungen dafür gab es schon länger. Nun aber wurde der Betriebsrat nötig. Denn die Geschäftsführung gab außer schikanösen Anweisungen keine Erklärung zur Zukunft der Besucherbetreuung ab.

Freigelaende DTMB Die Betriebsratswahl wurde folglich von allerlei Streitigkeiten, dauernden Anfechtungsversuchen und sonstigen Behinderungen begleitet. Dennoch wurde Ende Januar erfolgreich und mit hoher Wahlbeteiligung ein siebenköpfiger Betriebsrat aus den Reihen der Belegschaft gewählt. Am 19. März fand trotz allem die erste Betriebsversammlung statt. Wie vorherzusehen war, wird nun auch dessen Arbeit behindert. Deshalb und weil sich die Geschäftsführung noch immer nicht über die Zukunft der Besucherbetreuung im Technikmuseum äußert, versuchen die Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer jetzt öffentlich Druck zu machen. Denn bereits in diesem Monat müssen weitere 50 Kollegen und Kolleginnen das Museum verlassen, weil ihre Arbeitsverträge auslaufen und nicht verlängert wurden. Auch in dieser Gruppe sind mehrere Beschäftigte, die schon jetzt länger als zwei Jahre angestellt sind und somit Anspruch auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag erheben.

Seit Monaten sind die Dienstpläne ständig lückenhaft und die Schichten zumeist unterbesetzt. Neueinstellungen wurden seit September 2007 nicht mehr vorgenommen. Daher sind an den Osterfeiertagen erstmals Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter der bekannten Sicherheitsfirma Securitas hinzugezogen worden, um den (un-) ordentlichen Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten. Dagegen wehrt sich wiederum der Betriebsrat. Er will nicht zulassen, dass zukünftig firmenfremde Menschen die Arbeit der Besucherbetreuung übernehmen, weil die GmbH ihre Beschäftigten einfach nicht weiterbeschäftigen will. Es ist wohl davon auszugehen, dass aufgrund des Personalmangels demnächst regelmäßig Fremde hinzugezogen werden müssen, während gleichzeitig nach und nach die Verträge der Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer auslaufen.

Gleichzeitig startet die Museumsleitung eine eigene Kampagne und beklagt Ende Februar in der Springerpresse ein Haushaltsdefizit von mehr als 300.000 Euro im kommenden Jahr. Das begründet sie mit einem Anstieg des Tariflohns um 4% für die Beschäftigten. Verschwiegen wird aber, dass die Beschäftigten im Museum in zwei Gruppen getrennt sind. Da gibt es zum Einen die Angestellten bei der Museumsstiftung und die Angestellten bei T&M, wobei erstere zahlenmäßig um ein Vielfaches weniger sind. Die angesprochene Tariferhöhung gilt allerdings nur für eben diese Stiftungsbeschäftigten. Die rund 150 verbliebenen Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer dagegen haben noch nie eine Lohnerhöhung erlebt.

So fragt mensch sich nicht grundlos, woher das Defizit wirklich resultiert. Schließlich werden immer weniger Beschäftigte der Besucherbetreuung bezahlt. Der Verlängerungsstopp schlägt hierbei positiv zu Buche. Somit stehen der Stiftung schon jetzt zukünftig mehr Geld im Haushalt zur Verfügung. Die vierprozentige Tariferhöhung für die Stiftungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern kann also bei gleichzeitigem massiven Stellenabbau in der Besucherbetreuung keinesfalls für das Defizit verantwortlich sein.

Eine Erklärung könnten allerdings die spektakulären Expansionspläne der Herren Böndel, Bretzel und Steinle sein. Vielleicht wurden die Gelder schon in andere Projekte investiert. Und wie gut die Museumsdirektion mit Geld umgehen kann, hat sie ja auch erst Anfang 2007 bei dem obskuren Kauf des an das Museum angrenzende Gelände gezeigt. Damals wollte ein Mäzen die Expansion mit einer Millionenspende finanzieren. Der sprang aber kurzfristig ab, woraufhin der Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit einspringen musste, um den Bau des Riesenrads zu verhindern.

Limousinen im Technikmuseum

Am 20. März, einen Tag nach der der Betriebsversammlung der T&M, gab ver.di Berlin eine Presserklärung zur Lage der Beschäftigten heraus. ver.di will mit einer von den Beschäftigten unterschriebenen Resolution, die Wiedereinstellung der illegal Entlassenen und die Sicherung der Arbeitsplätze im Museum erreichen. Die Resolution richtet sich an Wowereit, in seiner Funktion als im Senat Zuständiger für kulturelle Angelegenheiten. Die Resolution soll ihm, laut ver.di, demnächst übergeben werden.

Bis dahin werden die Besucherbetreuerinnen und Besucherbetreuer selbst versuchen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen und die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen. Am morgigen Donnerstag erscheinen in der jungen Welt sowie in der Berliner Zeitung Artikel zur Situation im Technikmuseum Berlin. Des Weiteren findet am Freitag ein Abschiedsfest für die 50 Beschäftigten statt, die Ende März ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr auf der Anhalter Brücke gegenüber vom Deutschen Technikmuseum Berlin (Trebbiner Straße 7, Kreuzberg).

Also, kommt alle, ihr Prekären!
Kommt alle, die ihr Solidarität üben wollt!


4 Antworten auf „Deutsches Technikmuseum Berlin (DTMB): Eine Dokumentation“


  1. 1 Benjamin 26. März 2008 um 22:10 Uhr

    Das allerschärfste an der Geschichte ist ja, dass die „AushilfsSecuritaserInnen“ ca. das DOPPELTE der regulären T&M Mitarbeiter kosten- Ob man so spart? Und die Gerichtskosten… zumal ja die Rechtslage bereits geklärt sein könnte (wenn man nicht alle Kraft daran setzen würde die Gerichtstermine immer wieder nach hinten zu verschieben)- Ob man so spart? Und warum holt man sich einen Staranwalt? Und wer zahlt den? Die Stiftung, obwohl sie nicht verklagt wird? Oder die GmbH? Und wenn die, woher nimmt sie dann das Geld?
    Wie kann die GmbH (T&M) überhaupt höhere Personalkosten haben, wo sie doch bei der Stiftung unter „Sachmittel“ läuft? – Ob man so …?

    Ja!!!!!

  2. 2 Dennis 27. März 2008 um 20:20 Uhr

    Also Rechtslage is ja denn geklärt, wir ham gewonnen;)
    Juheeee

  3. 3 Machnow 18. Juli 2008 um 9:05 Uhr

    Es gibt einen neuen Blog der Besucherbetreuer_Innen mit Technikmuseum. Zu finden ist er hier.

  1. 1 ver.di Berlin als Gelbe Gewerkschaft « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 28. September 2009 um 10:17 Uhr
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