Antisemitismus auf dem grünen Rasen

TuS Makkabi Am vergangenen Wochenende konnten sich besoffene, bürgerliche Nazis wieder einmal nicht zusammen reißen und zeigten nachdrücklich ihre deutsche Vergangenheit, die sie nicht überwinden möchten. Ist aber auch kein Wunder. Vor ein paar Jahren trugen die Jungs noch Glatze, heute Bierbauch, quasi direkt vom Rand zur Mitte (pdf). Der eine reckte stramm den rechten Arm. Ein anderer sah sich genötigt eine junge Frau als Scheiß-Jüdin zu beschimpfen. Es traf wieder einmal den Berliner Fussballklub TuS Makkabi. Das Spiel fand in Adlershof im Rahmen der Verbandsliga statt. Es spielte die Männermannschaft gegen den Adlershofer BC. Makkabi hatte übrigens mit 2:1 verloren.

Über das Spiel selbst wurde außer dem Ergebnis nichts berichtet. Der Adlershofer BC dokumentiert sogar nur seine zwei Tore. Der Schütze des Anschlußtores durch Makkabi wird verschwiegen. Der Dritte der Tabelle in der Verbandsliga traf auf den neunten. TuS Makkabi vergab die Chance sich auf einen Aufstiegsrang zu platzieren. Die drei Punkte, bei einem Sieg, hätte die Charlottenburger auf den zweiten Platz katapultiert. Ebenso, wie TeBe beim Bowlingkugelverein im Sportforum verliert und die Möglichkeit sich in den Aufstiegsrängen festzusetzen vergibt, ergeht es auch Makkabi. TeBe war bei den Nazis, die pöbeln und schimpfen, und trotzdem verlieren die Lilaweißen. Makkabi trifft ebenfalls auf Nazis und verliert.

TuS Makkabi Berlin

Die Pöbeleien gegen Makkabi und der nationalsozialistische Gruß passierten nach Spielende. Der Adlershofer BC entschuldigt sich nicht und unterschlägt den Makkabi Torschützen. Der Berliner Fußball Verband (BFV) reagiert ebenfalls nicht. In der Presse gibt es kaum Resonanz. Bis auf den Tagesspiegel (1, 2) und die Scheiß-Welt (zitiert nach NPD-Blog) berichtet keiner. Es ist zwar lobenswert, dass der BFV sich an der Faiplay-Kampagne des DFB beteiligt. Jedoch scheint es sich dort allein um Lippenbekenntnisse zu handeln. Denn wirkliche Interventionen lassen auf sich warten. Die Aktion Gemeinsam gegen Rassismus der Berliner Verbandsliga wird anhand dieser erneuten Vorfälle ebenso ad absurdum geführt.

Das Verhalten beim pöbelndem Verein und dem verantwortlichen Landesverband gegenüber TuS Makkabi ist durchaus nichts neues. Vielmehr ist es ein weiteres unschönes Vorkommnis in einer langen Reihe von Beschimpfungen, Pöbeleien und Drohungen. Ein vorläufiger Höhepunkt war der Spielabbruch am 26. September 2006 beim Verbandsligaspiel gegen den VSG Altglienicke II (Presseerklärung zu den Vorkommnissen und den Reaktionen seitens des Verbandes als pdf). Damals hatten von Beginn des Spieles an angetrunkene Zuschauer in übelster Form die Spieler antisemitisch und rassistisch beschimpft. Sprüche wie Jude, verrecke und Synagogen müssen brennen wurden gegröhlt. Im Verlauf des Spieles wurden die Verantwortlichen von Altglienicke und der Schiedsrichter mehrfach dazu aufgefordert, diese üblen Beschimpfungen und Demütigungen ein Ende zu bereiten, diese jedoch schritten nicht ein. Im Gegenteil, sie behaupteten später die ANfeindungen und strafrechtlich relevanten Äußerungen nicht gehört zu haben. Deshalb mussten die Spieler selbst in der 78. Minuten das Spiel vorzeitig beenden. Damals reagierte der BFV sehr verspätet. Erst nach internationalem Druck schritt er ein.

TuS Makkabi Vereinshaus Jedoch hat sich für TuS Makkabi nicht geändert. Der Vorsitzende von TuS Makkabi, Tuvia Schlesinger, sagte gegenüber dem Tagesspiegel, dass fast kein Spieltag vergeht, an dem unsere Spieler nicht antisemitisch beleidigt werden. Des Weiteren erklärt er, dass die Hemmschwelle gefallen ist. Die Leute denken nicht nur antisemitisch, sondern sie zeigen es auch lautstark. Erschreckend ist, laut Schlesinger, das nicht nur Deutsche ihren Hass auf Juden artikulierten. Erst kürzlich hat Makkabi gegen einen Nordberliner Verein mit Migrationshintergrund gespielt. Als ein Spielrr eine rote Karte bekam, schimpfte dieser nicht, wie üblich, auf den Unparteiischen, sondern verließ den grünen Rasen tief-SS-schwarz brühlend, dass er diesen Judenverein ficken würde. Der Makkabi-Trainer Claudio Offenberg, bis 2001 Trainer der Jugendmannschaft bei TeBe, ist da schon etwas zurückhaltender. Er hält die antisemitischen Vorkommnisse für Ausnahmen.

Wie schon gesehen, sieht Tuvia Schlesinger, seines Zeichens Vorsitzender des TuS Makkabi, die Vorkommnisse etwas anders. Ihn nerven die verbalen Anschläge zunehmend. Insbesondere, weil sich der verantwortliche Verband – der BFV – nur zögerlich und sehr zurückhaltend verhält. Anstatt mit Strafpunkten zu reagieren, werden die pöbelnden Vereine nach langem Kampf, internationalem Druck und erst öffentlichkeitswirksamen Aktionen zu Antirassismus Seminaren geschickt. In einem Interview mit der Wochenzeitung äußert er in klaren Worten seine Enttäuschung. Erschienen ist es am 27. März, also noch vor den erneuten antisemitischen Beschimpfungen.

Im Artikel beschreibt Schlesinger die heutige Situation des Vereins und die gegen ihn gerichteten verbalen Ausfälle. So berichtet er, dass seit dem ekelhaften Spielabbruch 2006 in Altglienicke sich die Situation noch verschlechtert hat. Außerdem hat sich die Qualität der Pöbeleien geändert.


    In Altglienicke ging der Antisemitismus von den ZuschauerInnen aus. Häufig beteiligen sich jetzt auch Spieler daran. Aber nie physisch, sondern immer verbal. Mittlerweile scheint es gesellschaftsfähig zu sein, uns zu beleidigen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht einer unserer Spieler antisemitisch beschimpft wird. Derzeit herrscht eine Stimmung gegen uns, die ist nahezu unerträglich.

Eine Mitschuld an den gegenwärtigen Verhältnissen sieht Schlesinger beim Berliner Fussball Verband. Er hätte die Gelegenheit gehabt mit massiven Sanktionen eine Zeichen zu setzen, dass solche Attacken nicht geduldet werden. Es passierte jedoch zu wenig. So entsteht der Eindruck, dass man sich auf deutschen Fussballplätzen mehr oder weniger ungestraft antisemitisch äussern darf. Auf den Antisemitismus muslimischer Jugendlicher angesprochen, äußert sich Schlesinger zurückhaltend. Die Spiele mit palästinensichen Vereinen laufen meistens sehr ruhig ab. Trotz der heftigen Verbalattacken und zögerlichen Verbandsführung denken die Offiziellen von TuS Makkabi nicht ans aufgeben. Das ist eine Art Trotz­reaktion, sagt Schlesinger.

No Nazis!