Heraus zum Revolutionären 1. Mai

Am traditionellen Arbeiterkampftag dem 1. Mai wird es auch dieses Jahr wieder sehr demoreich sein. Um 14 Uhr startet die Mayday-Parade des Prekariats am Boxhagener Platz. Das myfest der Bürgerlichen wird ebenfalls wieder Tausende sogenannter Alternativer anziehen. Jedoch pariert das Revolutionäre 1. Mai Bündnis dieses Jahr ebenfalls mit musikalischem Programm. Als Headliner kommen die legendären Banda Bassotti und die französische Agit-Prop Rapperin Keny Arkana. Die Demonstration steht unter dem Motto Zusammen Kämpfen – Gegen Kapital und Krieg – Für Solidarität und soziale Revolution.

Das Bündnis besteht dieses Jahr aus mehr als 30 antifaschistischer, autonomer und internationalistischer Gruppen und Unterstützern. Die Demonstration soll am Kottbusser Tor beginnen, anschließend durch die Oranienstraße über das bürgerliche myfest am Mariannenplatz vorbei quer durch Kreuzberg ziehen, um dann wieder am Auftaktort anzukommen. Der diesjährige thematische Schwerpunkt ist der Widerstand gegen Vertreibung, Umstrukturierung und Privatisierung.

Die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) weist gegenüber ddp auf die soziale Komponente von Stadtumstrukturierung hin. Insbesondere in Kreuzberg müssen zahltreiche Menschen wegziehen. Alternative Projekte sind akut räumungsbedroht. Deshalb sollen auf der Demonstration Sozialabbau, Neoliberalismus und internationale Entwicklungen thematisiert werden. Des weiteren bestätigte ein Sprecher der ALB, laut Neues Deutschland, dass der das Myfest betreffende Teil der Demonstrationsroute mit dem Veranstalter abgestimmt wurde. Höchstwahrscheinlich dürfte es auch dabei bleiben, denn schon im letzten Jahr gab es keinerlei Problem als die Revolutionäre 1. Mai Demo über das Myfest lief.

Revolutionäres 1. Mai Bündnis Aufruf 2008 Der Aufruf des Bündnisses beschäftigt sich zum einen mit der Tradition des Revolutionären 1. Mai in Berlin, verknüpft die Verpflichtug aber mit aktuellen Entwicklungen. Des Weiteren geht es um neoliberale Entwicklungen weltweit. Exemplarisch wird auf die Rolle von Horst Köhler bei der ökonomischen und sozialen Zerstörung von Brasilien eingegangen. Als Chef des Internationalen Währungsfond zwang er die Herrschenden in Brasilien zu massivem Sozialabbau und der Privatisierung großer Teile der Rohstoffindustrie, die an internationale Großkonzerne gingen.

Der Aufruf setzt seine Argumentation fort und weist nachdrücklich auf die enorme Verschlechterung der Lebensverhältnisse auch bei uns hin. Hartz-IV, 1-Euro-Jobs, Zwangsumzüge, verpflichtende Arbeitsdienste sind Teil des existenziellen Druckes, der von Seiten des Staates die Bevölkerung immer mehr in die Ecke treibt. Nationalismus, Faschismus, Rassimus und Antisemitismus sind eine einfache Antwort auf die sozialen Umstände. Vom rechten Rand zur Mitte (pdf) setzen sich ekelhafte Einstellungen immer mehr durch. Umso wichtiger ist es, jedesmal zu bekräftigen, dass die Grenze nicht zwischen Völkern oder Religionen, sondern oben und unten verläuft.

Ein weiteres sehr wichtiges Thema, dass ebenfalls im Aufruf betrachtet wird, ist die Militarisierung nach Außen und Innen. Nach Außen geht es in erster Linie um die sogenannte geopolitische Sicherung von Rohstoffen, Transportwegen und Märkten. Ein aktuelles Beispiel für die Verknüpfung militärischer und wirtschaftlicher Interessen ist die Sezession des Kosovo, die usamerikanisch forciert und europäisch unterstützt wurde. Andere, unpassende Unabhängigkeitsbestrebungen dagegen werden blutig unterdrückt. Im Baskenland kriminalisiert der spanische Staat jeden Gedanken an eine Alternative. Militärs in der Türkei und Kolumbien schrecken sogar nicht davor zurück nationale Grenzen zu mißachten und verfolgen Befreiungsbewegungen auch im Ausland.

Nach Innen richtet sich die Militarisierung der Gesellschaft gegen sogenannten Staatsfeinde. Polizeiaufgaben werden zunehmend, wenn nicht ganz vom Militär, dann zumindest von quasimilitärischen Institutionen, wie Frontex übernommen. Damit einher geht der Konstruktion von umfassenden Überwachungsmechnismen, die juristisch legitimiert werden.

Und um zu zeigen, dass es mit uns so nicht weitergeht, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen, dass wir etwas ganz anderes wollen, gehts auf die Strasse.


Heraus! Zum revolutionärem 1. Mai!
Zusammen kämpfen!
Gegen Kapital und Krieg!
Für Solidarität und soziale Revolution!

Kottbusser Tor
18 Uhr


2 Antworten auf „Heraus zum Revolutionären 1. Mai“


  1. 1 der um den stuhl tanzt 03. April 2008 um 22:26 Uhr

    zwei aufrufe von der arab gibts dieses jahr …

    der jugendaufruf:
    Wir sind ziemlich unzufrieden…

    …weil wir vom Leben mehr wollen als vorm Job-Center Schlange stehen. Weil wir die Schnauze voll haben von Hartz IV, 1-Euro-Jobs und unbezahlten Berufspraktika. Weil wir weder für einen mickrigen Lohn stundenlang schuften noch als Hartz IV-Zombie mit billigem Bier vor der Glotze dahinvegetieren wollen. Weil wir keinen Bock haben, ihre Erniedrigungen weiter zu erdulden. Die dummen Sprüche der Lehrer, die mahnenden Vorträge der Sozialarbeiter, die prüfenden Blicke des Berufsberaters, die „gutgemeinten Ratschläge“ des Bewährungshelfers und die Knüppel der Bullen […]

    und der arbeiter_innenaufruf:
    Alle gemeinsam: streiken und kämpfen!

    […] Der 1.Mai war immer Ausdruck einer internationalen ArbeiterInnenbewegung und hat seine Ursprünge im Kampf um den 8 – Stunden-Tag, der für viele LohnarbeiterInnen heute wieder in weite Ferne gerückt ist. Der 1.Mai ist in diesem Land jedoch zu einem Ritual, zu einem nur zusätzlich freien Tag geworden: „Kämpferisch“ klingen dabei nur die Sonntagsreden der Gewerkschaftsfunktionäre. Viel zu viele Menschen in diesem Land lassen sich noch in eine ohnmächtige Zuschauerrolle drängen. Wer aber nicht will, dass „die da oben“ mit uns machen was sie wollen, muss aufstehen: „Statt nur jammern und picheln – Hammer(n) und Sichel(n)!“ Als Gegenreaktion auf den 1. Mai der etablierten Gewerkschaften entstand seit Ende der 80er Jahre die Tradition der Revolutionären 1.Mai-Demonstration in Kreuzberg (z.B. mit dem Slogan: „Der Kampf auf der Straße und in der Fabrik ist unsere Antwort auf ihre Politik“). Das sogenannte „Myfest“ in Kreuzberg wurde in den letzten Jahren demgegenüber als Befriedungsstrategie in Szene gesetzt, um den politischen Charakter des 1.Mai mit einer großen „Megaparty“ zu beseitigen. Doch beim revolutionären 1. Mai in Kreuzberg systemkritische und revolutionäre Inhalte vertreten zu können, dürfen wir uns nicht nehmen lassen und rufen daher zu dieser Demo auf! Es kommt unserer Meinung nach an diesem Tag und in Zukunft darauf an, die verschiedenen sozialen Kämpfe dauerhaft zusammenzuführen. Ob in Betrieb, Uni, Schule, als Erwerbsloser oder prekär Beschäftigter, ob hier, anderswo, überall: Alle gemeinsam gegen das Kapital – Klassenkampf international!

  2. 2 ABC Berlin 24. April 2008 um 15:00 Uhr

    Am 04.05. wird es wieder, wie schon in den vergangenen Jahren, eine Kundgebung in Solidarität mit den Gefangenen vom 1. Mai und allen anderen geben.
    04. Mai 08 --> 16 Uhr --> JVA Moabit (Alt-Moabit 12a ~ Berlin-Mitte ~ U-Bhf Turmstr.)

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