Nicht Revolution, sondern Marketing!

Situationismus Die Werbetypen haben wieder einmal eine Kampagne gestartet, die den Begriff Revolution benutzt und aus dem politischen Kontext löst. Diesmal werden Philosophen, Pazifisten, Freiheitskämpfer und andere Politikonen mißbraucht. Die illustre Liste der Umgewerteten ist ein who-is-who der historischen Rebellen, wobei kein Unterschied zwischen Lebenden und Toten gemacht wird. Fidel Castro ist die Hauptfigur. Er sucht nach seinen Kumpels Karl Marx und Che Guevara. Dabei trifft er in einem Bauernhaus auf so manch anderen Revolutionär…

Der Clip beginnt damit, dass Fidel Castro, in Uniform und mit Koffer, nach einer offensichtlich langen Reise ein rustikales, einfach eingerichtetes Haus betritt. Auf der Terrasse am Eingang trifft er Mao Tsetung. Als er das Haus betritt, sieht er Lenin, der am Computer sitzt sich aber wenig um den Besucher scherrt. Auf seinem weiteren Weg durchs Haus bemerkt Fidel Mahatma Gandhi, der im Bett liegt und durchs Fernsehprogramm zappt. In einem anderen Zimmer sitzt ein Asiate (könnte Pol Pot sein), der in einem Nacktmagazin blättert. Gleich daneben kickert Rosa Luxemburg mit Martin Luther King, der am heutigen 4. April vor 40 Jahren erschossen wurde. Fidel scheint ein wenig verwirrt, sieht dann aber auf der Terrasse zum Garten seine Freunde sitzen. Che Guevara sieht auf, nach oben, hinauf zum Himmel und äußert, dass es Zeit für eine neue Revolution wäre. Marx legt nach und meint, dass es um die Bedürfnisse der Menschen gehen sollte. Die letzte Einstellung zeigt den Kombi Dacia Logan und alle wollen ihn.

Diese Anhäufung sogenannter revolutionärer Ikonen, die jedoch in den letzten Jahrzehnten zu Popikonen wurden, ist in ihrer Konsequenz einfach nur widerlich. Es reicht den Werbefuzzies nicht mehr, die Gesichter und Personen zu entpolitisieren, sie als reinen, oberflächlichen Pop zu benutzen. Sie machen sie nun lächerlich, setzen sie in absurde Zusammenhänge und delegitimieren sie. Zunächst verklärte die Popkultur ihr Gesicht und machte es zum ikonographischen, reaktionärem Image. Nun sind die Ideen dran. Wie zynisch ist das denn.

Ich vermute, dass die neuen, ganz hippen Kreativen, die Priester des Spektakels so mit ihren alten, jugendlichen, ach so alternativen Geistern abrechnen. Erzkonservativ und fatalistisch fallen sie nun über ihre Ikonen her, dekonstruieren sie, mißbrauchen sie aufs übelste, damit sie dann endgültig auf dem Müll landen können, oder weiter ausgenommen und entschärft verwertet werden können. Und revolutionär dürfen sie sich dann auch wieder nennen.

Das erinnert an die kapitalistische Aneignung situationistischer Methoden, die gelöst von ihrem politischen Mantel schillernd in der Werbewelt auftauchten. Die Wiederaneignung durch Entwendung ging nach hinten los und wurde durch die Popkultur reaktionär entschärft, wobei sie immer noch als revolutionär galt.