Mediaspree versenken! Der Kiezspaziergang gegen Gentrifizierung!

Demo Mediaspree versenken 19-4-08 Am gestrigen Samstag fand der dritte Kiezspaziergang gegen Gentrifizierung statt. Das Motto richtete sich gegen den Ausbau des Spreeufers und anliegender Flächen zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke und forderte folgerichtig, dass Mediaspree versenkt werden sollte.

Es kamen circa 500-700 Spaziergänger. Unter ihnen gab es Familien mit Kinderwagen, Punks, Hunde – mal groß, mal klein – die bekannten schwarz bemantelten Autonomen und einige Antifas. Team Green, gestern vertreten durch die leider namentlich nicht näher bekannten Sportsfreunde der Kampfsporttruppe 23, ließ es sich auch wieder nicht nehmen, anstatt ihre Wochenendruhe zu genießen, uns zu begleiten. Die Redebeiträge, Informationen und die Musik, die den Spaziergang intellektuell und unterhaltsam untermalten, muss unsere Begleiter derart gelangweilt haben, dass sie den nachmittag mit einer äußerst brutalen Festnahme und einem Übergriff ausklingen ließen.

Los gings am Boxhagener Platz im hippen Friedrichshain, in der Nähe der noch hipperen touristisch aufgewerteten Simon-Dach-Sauf-Strasse. Nach ein paar Schritten im Kiez, gings über die Oberbraumbrücke in den Wrangelkiez. Jedoch sollte der Grenzübertritt nicht reibungslos von statten gehen. Der Einsatzleiter war offensichtlich nicht bereit die Route freizugeben, so dass es an der Ecke Gröbenufer zu einigen Minuten Verzögerung kam. Nach dem die Bestätigung von oben kam, gings weiter die Falckensteinstrasse entlang bis zur Wrangelstrasse. In diese bogen wir rechts ein. Sowohl in der Falckenstein- als auch Wrangelstrasse gab es mehrfach spontanen Applaus durch Anwohner. Der äußerst entspannte Lauti-Sprecher informierte diese, nicht ohne sich vorher für seine mangelnden arabisch, türkisch o.ä. Sprachkenntnisse zu entschuldigen, über das Anliegen der Spaziergänger. Als wir an der McD Fastfoodfiliale, die durch die Sportsfreunde in grün geschützt wurde, vorbeikamen, unterbrach der Neukünstler im Lauti die Musik und rief zur Massenperformance auf, die er Besuch des McDonalds nannte. Es folgte ein Redebeitrag zur Autobahnanbindung des Bauprojektes Mediaspree, die über den Ausbau der Eisenbahnstrasse, in die wir nun einbogen, erfolgen soll.


Bauplaene ohne uns laufen nich - Mediaspree versenken
Auf der Höhe der Eisenbahnmarkthalle wurde der Spaziergang wiederum gestoppt. Diesmal jedoch nicht durch die Polizei, sondern durch die Veranstalter. Unsere Begleiter von Team Green zeigten erste Ausfallerscheinungen und versuchten einen Journalisten zur Herausgabe von unveröffentlichten Fotos zu zwingen. Eine rechtliche Grundlage dafür fiel ihnen so auf die Schnelle nicht ein. Ich vermute, weil es keine gibt und Kreativität auch nicht grad ein Markenzeichen unseren Sportskameraden der Truppe 23 ist. Nachdem diese Diskrepanz zwischen Wollen und Dürfen gekärt war, gings weiter. Im Übrigen gings wohl um Fotos der drei beliebten und loyalsten Demopartizipienten Jürgen K, Horst M und Udo L. Sie hätten vielleicht auch besser ihre schicken grünen Trikots tragen sollen, dann wären sie einfacher erkannt worden. Na ja, Spass muss sein Jungs, wa!

Und, der ließ wiederum nicht lange auf sich warten. Trotz mündlicher Genehmigung von oben durfte der Spaziergang nicht auf Lausitzer Platz, wo – laut der Veranstalter – eine Performance geplant war. Die Sache mußte also wieder ausgesessen werden. Nach circa einer (jedoch gefühlten ganzen) Stunde gabs ’nen Raumgewinn von etwa 15 Metern. Die Sportskanonen in grün waren äußerst hartnäckig. Sie hatten ihre Reihen fester geschlossen und wollten uns partout nicht auf den Platz lassen. Die 15 Meter befriedigten die Veranstalter scheinbar und die queere Performance über Gentrifizierung konnte starten.

Nachdem diese beendet war, gings weiter in Richtung Manteuffelstrasse. Nun wurde es den uniformierten Sportskanonen doch zu bunt. Sie rießen einen Demonstranten nieder und nahmen ihn brutal fest. Eine weitere Person, die die Menge nach vorne verließ, als Team Green sich zur Kesselung formierte, wurde durch einen Sportskameraden direkt ins Gesicht geschlagen. Der Quarzhandschuh des unsportlichen Wüterichs richtete erheblich Schaden an. Der Verdacht auf Nasenbeinbruch bestätigte sich zwar nicht, trotzdem ist dieser unvermittelte, unverhältnismäßige Übergriff der Polizei aufs schärfste zu verurteilen. Insbesondere, weil es bis dahin aus der Demo heraus keinerlei Provokation gab und auch keine zu Erwarten waren.

Privatisierung stoppen - Mediaspree versenken Nach der komplett unnötigen Aufregung und dem wohl etwas zu heftigem Schock gings dann über die Manteuffel-, Oranien- und Adalbert- in die Köpenickerstrasse zur Køpi. Dort hatte der Kiezspaziergang sein Ziel erreicht, so dass er das Hoffest harmonisch und hungrig ergänzen konnte. Als Fazit läßt sich sagen, dass trotz Mobilisierung zu wenig gekommen sind. Für die Veranstalter galt es die Kampagne zum Volksbegehren Spreeufer für alle zu verstärken, ihre Ziele an die betroffenen Anwohner zu transportieren und nach erheblicher Vorarbeit die Vernetzung mit anderen Initiativen zu suchen. Der Titel Kiezspaziergang ist meiner Ansicht nach für die gestrige Veranstaltung durchaus angebracht. Als kämpferische Demonstration traten weder die Veranstalter noch die Teilnehmer auf. Zwar gab es vereinzelt Versuche Parolen zu skandieren oder auf die Redebeiträge emotional zu reagieren, doch gingen diese zumeist unter oder brachen schnell ab. Trotzdem fand ich es wichtig genauer, ausführlich und umfassend über die Aktionen, Pläne und Anekdoten rund um Mediaspree, Gentrifizierung und Bauskandal informiert zu werden. Besonders amüsant und erstaunlich informativ fand ich die Phase des OpenMic am Lausitzer Platz. Also …

Mediaspree versenken!
Und, wir bleiben sowieso alle!

Weitere Infos zum Spaziergang gibts bei indymedia und weitere Fotos hier.


3 Antworten auf „Mediaspree versenken! Der Kiezspaziergang gegen Gentrifizierung!“


  1. 1 xx 20. April 2008 um 20:30 Uhr

    Hallo,
    es wäre nett, wenn jemand Fotos von dem Schlag ins Gesicht gemacht hat, er mir diese zukommen lassen könnte…
    denn mein Nasenbein ist doppelt gebrochen und muss operiert werden. Und ich wüste doch gerne wem ich das zu verdanken habe!
    Danke.

  2. 2 Thomas 21. April 2008 um 8:00 Uhr

    Für eine 14.00 Uhr- Demo finde ich die Beteiligung gar nicht mal so schlecht.

  3. 3 Machnow 22. April 2008 um 15:07 Uhr

    naja, war eben auch nur als spaziergang geplant & iss dementsprechend einer geworden. wenn es etwas zügiger gegangen wär, dann wären bestimtm auch nich soviele agbehauen. die polizei hat scheinbar abgewartet bis sie es weniger wurden und hat dann im wahrsten sinne des wortes zugeschlagen.

    bilder vom übergriff und der demo gibts übrigens bei ADF berlin

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