Rassismus auf dem Grünen Rasen

TuS Makkabi Berlin Wieder einmal gibt es unschönes aus einem Berliner Stadion zu berichten. Beim gestrigen Spiel BFC Viktoria 89 gegen TuS Makkabi kam es zu einem Spielabbruch. Hintergrund war die rassistische Beschimpfung eines Viktoria Spielers, die weder vom Schiedsrichter noch der Vereinsführung geahndet wurde. Vielmehr hagelte es für die sich mit ihrem Mannschaftskameraden solidarisierenden Makkabi-Spieler Karten. Den Spielabbruch verfügte der schwerhörige Schiedrichter, der ihn mit der Reaktion aufgebrachter, solidarischer TeBe Anhänger begründete.

Die Mannschaft von Viktoria fiel bisher nicht besonders durch rassistische oder antisemitische Äußerungen auf. Dies sollte sich aber am gestrigen Sonntag ändern. Davon berichten zumindest einige Augenzeugen von anwesenden Fans des Oberligisten Tennis Borussia. Diese hatten sich nach antisemitischen Beschimpfungen im Spiel von Makkabi beim Adlershofer BC entschlossen der Mannschaft beim Auswärtsspiel am symbolträchtigem Datum solidarischen Beistand zu leisten und ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Aber kommen wir zu den Vorfällen.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit beschimpfte der Viktoria-Spieler mit der Nummer 2 einen dunkelhäutigen Makkabi-Spieler, den er kurz zuvor gefoult hatte. Als dieser noch ein wenig nachhakelte, grunzte die Nummer Zwei ihm ein rotziges Scheiß Neger entgegen. Der Beschimpfte versuchte den Rassisten zur Rede zu stellen ohne aggressiv oder körperlich zu werden. Der überforderte Schiedrichter bestrafte dieses Meckern mit Gelb. Zwei weitere Makkabi-Spieler, die sich mit ihrem Mannschaftskameraden solidarisierten, bekamen ebenfalls Gelb. Ein dritter, aufgebrachter, den Beschimpften schützender Spieler bekam sogar Rot.

Die Fans von TeBe quittierten diese Ungerechtigkeit mit Rufen. Zwei besonders Wütende überwanden die Sperre und betraten die Tartanbahn. Sie wiesen lautstark und verbal kreativ auf die Beleidigung durch die Nummer Zwei von Viktoria hin. Trotz ihres emotionalen Ausnahmezustandes wahrten sie zum Schiedrichter die angemessene Distanz von circa 10 Metern. Der sogenannte Unparteiische äußerte, derart unter Druck gesetzt, dass er nix von Beleidigungen mitbekommen hätte. Sein Linienrichter setzte noch einen drauf und forderte in Richtung TeBe-Fans, dass die Chaoten endlich Ruhe geben sollten. Das letzte Statement des Schiedrichterassistenten muss die TeBe-Fans derart verärgert haben, dass sie dem Unparteiischen-Gespann vorwarfen auf dem rechten Auge blind zu sein. Der Schiedrichter forderte das Duo auf die Tartan-Bahn zu verlassen und sich hinter die Barriere zu begeben. Jedoch wartete er nicht lange, wie diese sich die Betreffenden verhalten würden, sondern pfiff circa 5 Sekunden nach der ultimativen Ansage das Spiel zur Halbzeit. Der fällige Strafstoss für Makkabi wurde nicht mehr ausgeführt.

In der Halbzeit Pause spitzte sich die Lage weiter zu. Der Schiedrichter verlangte, vertreten durch den Vizepäsidenten von Viktoria , ultimativ die Entfernung der beiden Störer. Ansonsten würde er das Spiel nicht wieder anpfeiffen. Die zweite Halbzeit begann ohne die zwei aufgebrachten TeBe-Fans, die rausgeschmissen wurden und Hausverbot erhielten. Die Nummer Zwei von Viktoria lief wieder auf. Der gefoulte und beschimpfte Makkabi-Spieler bleib draußen. Übrigens wird von der bezeugten rassistischen Beleidigung durch die Nummer Zwei von Viktoria nichts im Spielbericht stehen. Der Schiedsrichter weigerte sich dies explizit aufzunehmen. Fraglich ist, wie er den vorzeitigen Abpfiff der ersten Halbzeit, die vier gelben und die eine rote Karte erklären will.

Ich als Schiri würde meine Schwerhörigkeit anbringen. Denn anders ist nicht zu erklären, warum die Fans etwas gehört haben, die Assistenten und der Schiedrichter jedoch nicht. Sogar die Verantwortlichen von Viktoria wehrten sich nicht gegen den Vorwurf einer rassistischen Äußerung gegen einen ihrer Spieler. Ein vernünftiger Unparteiischer hätte mit den Beteiligten und seinen Assistenten Rücksprache gehalten. Dieser Vollidiot dagegen verteilt erstaml ganz souverän Karten, ohne sich auch nur die Situation schildern zu lassen. Den gegebenen Freistoß verweigert er. Zu schlechter Letzt pfeift er zur Halbzeit. Diesem Herrn vorzuwerfen womöglich rechtsradikalen Symphatien zu hegen, ist, meiner Ansicht nach, nur folgerichtig und schon beinah zwingend.

Dieser Vorfall reiht sich traurigerweise in eine Reihe von Beschimpfungen gegen Spieler von TuS Makkabi. Hierbei verändert sich laut Tuvia Schlesinger, dem Vorsitzenden des Vereins zunehmend die Qualität der Pöbeleien. Sind es sonst in erster Linie Zuschauer, die sich antisemitisch äußern, häufen sich die Beschimpfungen, die von Spielern ausgehen. In der Wochenzeitung beschreibt Schlesinger die neue Qualität.


    Mittlerweile scheint es gesellschaftsfähig zu sein, uns zu beleidigen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht einer unserer Spieler antisemitisch beschimpft wird. Derzeit herrscht eine Stimmung gegen uns, die ist nahezu unerträglich.

Im Übrigen tuen die Verantwortlichen des Berliner Fussball Verband (BFV) wenig oder gar nichts gegen die Pöbeleinen auf dem Platz. Auch von den Offiziellen der Berliner Verbandsliga fehlen jegliche Äußerungen zu den Vorkommnissen. Makkabi muss jedesmal neu die Gerichtsbarkeit des Verbandes bemühen, um auf die Ungerechtigkeiten, Pöbeleien und die Ignoranz der sogenannten Unparteiischen aufmerksam zu machen. Doch Konsequenzen drohen den Vereinen selten. Auch beim letzten Vorfall beim Adlershofer BC waren es nicht die gastgebenden Vereinsoffiziellen, die die bürgerlichen Faschos behelligten, sondern anwesende Polizisten. Die beiden Antisemiten erhielten übrigens, laut Süddeutscher, durch den BFV Platzverbote. Die Adlershofer haben sich bis heute nicht geäußert. Keine Entschuldigung, kein Bedauern. Der Verein ist straflos davon gekommen (weil die Antisemiten keine Vereinsmitglieder waren). Anders lief es beim Nordostdeutschen Fussballverband (NOFV), der wegen antisemitischer Beschimpfungen aus den Reihen des Halleschen FC auf 3 Punkte Abzug und Spielen vor leeren Rängen entschied. Der betroffene Verein wehrte sich ekelhaft und bestätigte im Grunde die Vorwürfe gegen die Vereinsoffiziellen, die bei antirassitischen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Pöbeleien lieber weghören, als harte Konsequenzen zu ziehen. Die Situation von TuS Makkabi beschreibt der BadBlogger nachdrücklich und erschreckend.


    Ohne die Öffentlichkeit und das Schiedgericht sind die Verantwortlichen sowie die Spieler den Widrigkeiten der deutschen Verbandsliga beinahe schutzlos ausgesetzt. Die zahlosen Anfeindungen durch die Gegner und die Ungerechtigkeiten bei den Schiedsrichterentscheidungen können nur durch Druck von außen zurückgedrängt werden.

Gegen Anisemiten, Rassisten, Xeno- und Homophobe hilft nur Aufmerksamkeit, Sensibilität der verantwortlichen Offiziellen und harte Strafmassnahmen, die den Verein ebenso treffen müssen, wie die betroffenen Pöbelnden. Es ist Zeit für weitere Aktionen des BFV. So schön Anti-Gewalt und präventives Jugendengagement sind, der Schutz aller Berliner Vereinsmitglieder vor Beschimpfungen muss durch konsequentes Auftreten gewährleistet werden. Der Spielabbruch war zwar Scheiße. Trotzdem wurde Makkabi unterstützt und der rassitische Spieler mußte erleben, dass sein Verhalten, zumindest von einem Teil der Zuschauer, als das empfunden wurde, was es war, nämlich dumpfer, ekelhafter Rassismus. Nun sollte der Verband BFV – den diesmal ist ein Vereinsmitglied der Pöbler – schnell, konsequent und selbstständig handeln!

Die Augenzeugenberichte sind aus dem Forum des Lila Kanal.


Rote Karte für Rassismus


2 Antworten auf „Rassismus auf dem Grünen Rasen“


  1. 1 Thomas 27. April 2008 um 20:43 Uhr

    Wirklich traurig die Geschichte. Ist etwas darüber bekannt, ob der beleidigte Spieler privat den Spieler von Viktoria angezeigt hat? Das wäre ja vielleicht noch ein Mittel. Zeugen gäbe es ja.

  1. 1 NPD-BLOG.INFO » Berlin: Erneut rassistische Übergriffe / Brandanschlag in Rudow Pingback am 22. April 2008 um 12:11 Uhr
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