Jüdischer Friedhof geschändet!

Schändung Jüdischer Friedhof 28./29. April 2008 In der Nacht von Montag auf Dienstag (28./29. April) wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, laut Polizeibericht, 23 Grabsteine und zehn kleinere Stelen von zirka 50 cm Höhe umgeworfen. Der Polizeisprecher Bernhard Schodrowski geht, gegenüber rbb online, am heutigen Tag von einem politischen Hintergrund aus. Gestern abend war dem noch nicht so. Trotz des offensichtlichen Zeitpunktes am Vorabend der Gedenkstunde der Jüdischen Gemeinde von Berlin zum Aufstand im Warschauer Ghetto, sprachen die Ermittler zunächst lediglich von Vandalismus. Der Staatsschutz ermittelt routinemäßig aufgrund des Tatorts wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung.

Die Zerstörung wurde am gestrigen Dienstagmorgen vom Friedhofsgärtner entdeckt. Am Tag begutachteten die neue Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde Lala Süsskind und der preisgekönte Verfechter stiller sms Innensenator Ehrhart Körting die Verwüstungen. Gegenüber der Berliner Abendschau äußerte sich Süsskind besorgt über die Erziehung von Jugendlichen, die zu solch Widerlichkeiten fähig sind. Dass Menschen zu so etwas fähig sind, macht mich unglaublich traurig, sagte sie. Weiter betonte sie, dass, wer etwas gegen Juden habe, in die Jüdische Gemeinde kommen und diskutieren soll. Ob das aber wirklich hilft, glaube ich nicht. Antisemiten, fundamentalistische Eiferer und Nazis lassen sich nicht durch Argumente überzeugen. Sie sind in ihrem ideologischen Autismus gefangen und transformationsresistent.

Auf diesen ekelhaften, antisemitischen Übergriff auf die Toten reagierten umgehend einige Politiker. So äußerte die migrationspolitische Sprecherin der Grünen, Bilkay Öney gegenüber ddp, wer Gräber schändet, der handelt aus besonders niederträchtigen Motiven und sollte dementsprechend bestraft werden. Sie betonte ebenfalls, dass ein Verbot der NPD kein Allheilmittel gegen Antisemitismus ist. Man muss an die Wurzel des Übels, schwafelt Öney. Doch, was sie damit meint, ist nicht überliefert. Ganz unrecht hat sie damit aber nicht!

Die CDU in Berlin reagierte ebenfalls. Ihr Generalsekretär Frank Henkel, ausgewiesener Tempelhoffreund und neuerdings diesbezüglich aufgestiegen zum Verschwörungstheoretiker, bekräftigte, ebenfalls gegenüber ddp, dass Demokraten antisemitischen, rassistischen und extremistischen Auswüchsen überall entgegentreten müssen. Das mag als Forderung durchaus folgerichtig sein, nur bleibt sie für die eigenen Partei ein Lippenbekenntnis. Denn der Herr Nazifreund Günter Oettinger (Rede zum Tod von Fibinger als pdf), im Nebenjob Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ist immer noch in Amt und Würden. Welches Geistes Kinder große Teile der CDU sind, läßt sich ebenfalls am CDU-nahem Studienzentrum Weikersheim ablesen (pdf zum Zentrum).

Na dann, ma‘ los, nich‘ kleckern, sondern klotzen!


3 Antworten auf „Jüdischer Friedhof geschändet!“


  1. 1 Thomas 30. April 2008 um 15:44 Uhr

    Eine Einladung zum Dialog finde ich niemals falsch. Das es in diesem Fall kein Problemlösungsansatz ist meine ich aber auch. Der Ansatz an den Wurzeln anzusetzen ist da schon sinnvoller.
    Im hier vorliegenden Fall ist aber eine „normale“ juristische Bestrafung geboten, bevor man über die Wurzel und deren Ausmerzung nachdenkt.

  2. 2 Machnow 30. April 2008 um 17:37 Uhr

    Was Fr. Süsskind sagt, hat wenigstens etwas mit Scham zu tun. Der CDU-Henkel dagegen hat ’nen schönen Spruch abgelassen. Das ist reines politisches Gewitter, ohne Substanz. Fehlt nur, dass er von Extremismus schwadroniert…

  3. 3 aka 02. Mai 2008 um 7:46 Uhr

    In der darauffolgenden Nacht wurden wieder Grabsteine und Stelen umgeworfen. Laut Polizei betraf es diesmal noch mehr Gedenksteine. Es sind in einem anderen Teil des Friedhofs 33 Grabsteine und 19 Stelen umgestossen worden.

    Gegenüber ddp äußerte sich diesmal sogar überregionale Offizielle. Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland äußerte, dass es offenbar eine Bevölkerungsschicht gebe, die gegen alle Versuche der Aufklärung resistent ist. Des Weiteren weist er darauf hin, dass in Deutschland durchschnittlich jede Woche eine jüdischer Friedhog geschändet würde, genauere Zahlen gibt es jedoch nicht. Eine steigende Tendenz sei ebenfalls nicht erkennbar, vielmehr sind die Übergriffe traurig, schaurig stabil.

    Außerdem äußerte isch Klaus Lederer, Berliner Landesvorsitzende der Linken zu den Schädnungen. Kämpferisch stellt er klar, dass Antisemitismus kein Radproblem ist, sondern n der Mitte der Gesellschaft wurzelt. Deshalb gild die Kampfansage dem Antisemitismus, unsere Solidarität gehört den Jüdinnen und Juden, die hier und anderswo leben.

    Auch Klaus Wowereit äußerte sich schickiert. Wir müssen Gesicht zeigen gegen Antisemitismus und Neonazismus, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, echaufiert er sich ganz weltmännisch, jedoch mit dem Wissen, dass sein Gesicht zeigen auch die Durchsetzung von Naziaufmärschen bedeutet, eben ohne Gesicht zu zeigen. Ganz im Gegenteil, diejenigen, die Gesicht zeigen werden vielmehr vom Berliner Polizeipräsidenten Glietsch kriminalisiert.

    Ganz mekrwürdig ist, dass die Polizei keine Hinweise auf die Täter haben will und auch keine Ahnung hat, wie diese auf das Gelände kamen. Jedoch war schon nach der ersten Schändung im rbb gezeigt worden, dass sie über eien Mauer gekommen sind. Nach Aufklärung klingt dies aber nicht!

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