1. Mai, wir war‘n dabei!

1. Mai 2008 Berlin Der 1. Mai in diesem Jahr war zwar sehr dominant von Hamburg und den dortigen Aktionen gegen den Nazis-Aufmarsch bestimmt. Aber auch in Berlin trafen sich einige unerschrockene um den herrschenden Verhältnissen (mal mehr mal weniger) ’nen fetten Stinkefinger zu zeigen. Zur MayDay Parade ausgehend vom Boxhagener Platz trafen sich am Nachmittag circa 7.000 Demonstranten. Am Abend kamen zur traditionellen Revolutionären 1. Mai Demo circa 10.000 Unangepaßte. Vorher und als Auftaktkundegebung gab es Konzerte mit den italienischen Combatrock Veteranen Banda Bassotti und der Agit-Prop Rapperin Keny Arkana.

Die Diskussion um die Vorgänge am 1. Mai dreht sich, wie auch dieses Jahr, zumeist um Aussschreitungen. Wenn es sie nicht gab, ist die bürgerliche Presse und die Politik äußerst erfreut. Die Polizei feiert dann auch gern mal ihre ganz besonders deeskalierende Taktik der Ausgestreckten Hand, wobei damit natürlich Zugriffe bei resistenten Übeltätern nicht ausgeschlossen waren. Die Festnahmen nahmen zwar um 20 % im Vergleich zum Vorjahr zu (’07 – 115, ’08 – 138), doch trotzdem war es so friedlich, wie in keinem Jahr vorher. Ob dies nun wegen der äußerst deeskalierenden Festnahmen so ruhig blieb oder weil das myfest die Randalierer (ein-) band, ist nicht eindeutig.

Mayday Parade Berlin 2008
Weitere Bilder gibts hier.

In die Diskussion hat sich am Freitag der universitäre Politsenior Peter Grotain eingemischt. Gegenüber der taz beklagt er sich über die mangelnde Mut zur Wut. Außerdem ist er sehr erfreut, dass sich zumindest in Berlin der entpolitisierende Krawall in Grenzen hielt. Da gefiel ihm die repolitisierte Mayday-Parade für seine außerparlamentarische Bewegung und deren Forderungen schon besser. Trotzdem gibt er auch diesbezüglich Kritik zum besten.


    Die Krawalle dürfen nicht durch eine Latschdemo mit netten Parolen ersetzt werden. Demonstrieren allein reicht nicht. Ich plädiere für den Mut zur Wut, kombiniert mit Akten des zivilen Ungehorsams … Zusätzlich zur Demonstration könnte die Bewegung an diesem Tag die Media-Spree belagern oder die Hauptsitze der preistreibenden Wasserwerkseigner RWE und Veolia besetzen. Auch das Gelände in der Charlottenstraße, wo der Bundesnachrichtendienst seinen neuen Hauptsitz baut, bietet sich für Aktionen des zivilen Ungehorsams an, dort kann ein Baustopp erzwungen werden.

Die Forcierung zu ein wenig mehr ziviler Militanz durch Grotian ist ja durchaus berechtigt, nur werden mit dem Großteil der Leute, die am 1. Mai zur Mayday-Parade kamen, solche Aktionen nicht möglich sein. Die begeisterte, kritiklose Beweihräucherung bei indymedia ist hierbei ebenfalls wenig hilfreich. Die Einschätzung von Paul Blumenthal trifft da schon besser. Im diesbezüglichen Indy-Beitrag wird kritisiert, dass die Mayday Parade lediglich eine 08/15 – Latschdemo war, in der es riesige Löcher und Lücken zwischen den einzelnen Blöcken gab und die durch ein langweiliges Plattenbaugebiet tanzte.


    Im dritten Jahr muss man sagen, dass das Konzept des Mayday gescheitert zu sein scheint. Und zwar nicht am Party-Hedonismus, der immer wieder als „poplinks“ kritisiert wird, sondern am unmotivierten Normaltrott und Nebeneinander von Inhalten … Die Leute tragen ihre Forderungen nebeneinander her, es wird nicht diskutiert, es gibt keine gemeinamen Sprechchöre oder ähnliches. Das ganze machte den Eindruck eines irgendwie ziellosen nebeneinanders, jedes Feuer fehlte

Das Mayday-Bündnis selbst verlinkt selbst diese harte Kritik. Womit sie aber für mich durchaus diese anerkennt und an einer kritischen Auseinandersetzung interessiert ist. Nur denke ich, dass die (auch von Grotian gewünschte) RePolitisierung nicht durch ein Konzept der Einbindung möglichst vieler Initiativen und Personen, die sich weitestgehend als alternativ begreifen, aber nicht alle eine politische Perspektive wählen, erreicht werden kann. Tanzen und Feiern reicht für eine alternative Kultur womöglich aus, jedoch werden politsche Forderungen in dieser entpolitisierten Form schwer vermittelbar. Trotzdem bin ich sehr gespannt, was die weitere Entwicklung bringen wird.


Revolutionäre 1. Mai Demo 2008

Weitere Bilder und ein Video gibts bei Indymedia (1, 2, 3, 4).

Die Revolutionäre 1. Mai Demo war in seiner Präsenz höchstwahrscheinlich so, wie es sich das Mayday-Bündnis für ihre Parade vorgestellt hatte. Ab circa 16 Uhr – geplant war ab 14 Uhr – gabs Konzerte im Rahmen von Beats against Fascism. Um circa 17:30 begann Banda Bassotti zu rocken. Diesmal waren die Bandmitglieder auf dem Lauti in ihrer Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt. Picchio war zunächst zurückhaltend, taute dann aber doch allmählich auf und lieferte seine gewohnt drastische Agitprop-Mimik Show ab. Nach der Banda gab sich Keny Arkana die Ehre. Ihr Konzert war gleichzeitig der Beginn der Revolutionären 1. Mai Demo. Der Lauti bewegte sich zusammen mit über 10.000 Demonstranten unter Begleitung der Performance von Keny Arkana vom Kottbusser Tor in die Reichenberger. Dort wurde Redebeiträge gehalten und die üblichen Auflagen verlesen.

Es formierte sich ein kompakter Block und einige vermummten sich. Die Leute waren in Feierlaune und offensichtlich froh, dass mit circa 1 1/2 Verspätung die Demo endlich starten konnte. Die Polizei dagegen phantasiert in ihrer Presserklärung manchen Blödsinn zusammen:


    Von Anfang an zeichneten sich vereinzelte Teilnehmer durch eine aggressive Grundhaltung aus, teilweise wurden Vermummungen angelegt. Beamte der Anti-Konflikt-Teams der Polizei wurden teilweise mit Feuerwerkskörpern beworfen.

Woher Team Green solch eine Wahrnehmung nimmt, ist mir ein absolutes Rätsel. Denn der Beginn war eher durch friedlich feiernde, die tanzend und leise dem Konzert von Keny Arkana folgten gekennzeichnet. Also, ich hab nix Feuerwerkskörpern gesehen. Und die Anti-Konflikteams tauchten erst sehr spät auf. Sie blockierten den Weg und kennzeichneten die Demo-Route.

Was ich viel schlimmer und sehr schade fand ist, dass die Demo zu Beginn und mit zunehmender Entfernung vom Lauti komplett still und wenig kämpferisch war. Dem schon oben zitierten Paul Blumenthal kann ich da nur zustimmen.


    Kaum Sprechchöre, lediglich einzelne bemühten sich, mal was anzuregen, die Mehrheit der Demo trottete still durch die Strassen und man fragte sich: was soll das ganze eigentlich? Es wurde nicht in Ketten gelaufen, wieder gab es riesige Lücken zwischen den einzelnen Blöcken, für die Bullen wäre es lächerlich einfach gewesen, die Demo zu spalten, Leute rauszugreifen, was auch immer anzustellen. Ganz schlimm wurde es, als die Demo durch das sogenannte „Myfest“ lief.

Doch lässt sich diese Kritik nicht komplett durchhalten. Später wurde es dann doch etwas kämpferischer. Ab der Köpenicker Landstraße kamen Vorschläge vom Lauti, die dankbar angenommen wurden. Der Lidl erlebte ’ne gestische Perfomance. Ein weiteres Highlight war eine witzige akustische Performance als die Demo den Mac in der Wrangelstrasse passierte. Es wurde ein Fensterscheiben-Einschmeißen-Spiel zwischen der Demo und Team Green vom Lauti live kommentiert. Wir haben (virtuell) mit 5:0 gewonnen. Leider blieb das akustische Klirren nur ein Hörspiel, was aber zum Großteil der enormen Präsenz von Team Green geschuldet war. Diese hatten ihren Ganzkörperpanzer angelegt und ihre eigens zu diesem Zweck mitgebrachten Dokumentationsteams filmten regelwidrig und permanent das Team Bunt ab. Danach war es zumindest um den Lauti herum lauter und kämpferischer.

Glietsch Macker

Spätestens am Lausitzer Platz kam es dann doch zu den befürchteten oder erwünschten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Der in einem Cafe sitzende Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch wurde aufgrund von Blitzlichtgewitter der Presse entdeckt. Um seinen Durst zu löschen erbarmte sich ein Demonstrant ihn mit Bier zu versorgen. Gleitsch war nicht besonders erfreut und flüchtete in eine Wanne. Seine Bodyguards versprühten wild Gas. Einer soll sogar dabei gewesen sein zur Waffe zur greifen. Auf jeden Fall wurde das Fluchtauto des Polizeipräsidenten durch ein paar Unerschrockene massiv attackiert.


    Es wurde dann versucht die Wanne zu blockieren und als sie davonkam, wurde diese mit Fahrädern, Steinen, Flaschen, Knallkörper und Stühlen beschmissen.

Ab diesem Zeitpunkt kam es vermehrt zu Angriffen auf Team Green, die jedoch nicht zielgerichtet und koordiniert waren. Die Angegriffenen reagierten ihrerseits mit willkürlichen Festnahmen und Übergriffe auf die Demonstration. An der Ecke Skalitzer- / Mariannenstrasse verabschiedete sich der Lauti, leider ohne Information. Die Demo wurde so auseinandergerissen und derder vordere Teil Team Green überlassen, die die Situation ausnutzten und plötzlich recht aktionistisch zupackten. Vielleicht, um zu verhindern, dass Demonstranten das myfest erreichen. Der hintere teil der Demo wurde ebenfalls ohne Informationen vom Lauti sich selbst überlassen. Damit war die Demo beendet. Der Krawall kam später. Die marodierenden Rudel von Team Green, unter ihnen die 23igste – die Rückkehrer – aus Hamburg, machten sich auch beim bürgerlich alternativem Publikum unbeliebt. Diese durften live mit erleben, was es heißt präventiv kriminalisiert zu werden.

Übrigens, wurde zum Ende der Revolutionären 1. Mai Demo der Bereich um das Kottbusser Tor weiträumig abgeriegelt. Der U-Bahnhof Kottbusser Tor wurde geschlossen. In den Seitenstrassen um die Kottbusser Strasse formierten sich mehrere Hundertschaften.

Dieser Tag war trotz der relativen Schweigemärsche recht erfolgreich. Zur Mayday Parade kamen circa 7.000 und zur Revolutionären 1. Mai Demo über 10.000 Demonstranten. Beide Demos ähnelten sich in ihrem Auftreten. Musik, Infos und Grußadressen waren die Magneten der Demoleitung. Trotzdem würde ich behaupten, dass die abendliche Demo in ihrer politischen Aussage und im Bündnis konsequenter geplant und durchgeführt war. Der Kompromiß des Revolutionärem Bündnisses hatte bestimmte Anbiederungen an das alternative Kulturestablishment konsequent unterlassen. Meiner Ansicht nach wurde das Sendungsbewußtsein des Mayday Bündnisses, das auch eher unpolitische Besucher anziehen wollte, ihnen zum Verhängnis. Die Parade war so eher ein Spaziergang an für die Gentrifizierung relevanten Örtlichkeiten vorbei ohne diese nur ansatzweise zu bedrohen. Wirklich schade! Aber nächstes Jahr wird’s bestimmt besser….


5 Antworten auf „1. Mai, wir war‘n dabei!“


  1. 1 Thomas 04. Mai 2008 um 22:38 Uhr

    Leise war die Demo in der Tat, aber die riesigen Löcher sind mir nicht aufgefallen – aber man kann ja auch nicht überall sein. Ganz schwach fand ich das Ende der Revolutionären 1.Mai Demo – mir kam es so vor, als wäre sie, nachdem der Lauti abgebogen war, sang und klanglos zu Ende gegangen. Eigentlich hatten Keny Arkana noch einen Auftritt versprochen. DFie Absperrungen am Kottbusser Tor erfolgten eigentlich recht lange nach der Demo, so weit ich weiß. Trotz immer wieder aufflammender kleiner Scharmützel wurde der Bahnhof aber wieder auf gemacht.
    Aufgrund der Größe der Demos würde ich insgesamt auch von einem erfolgreichen Tag sprechen. Außerdem hat das Myfest wieder Spaß gemacht.

  2. 2 Machnow 04. Mai 2008 um 23:23 Uhr

    lücken gab es schon. die waren zwar nich riesig aber schon da. das nicht in ketten gelaufen wurde, fand ich nicht schlimm. polizei war zu diesem zeitpunkt entweder gar nicht da oder rudelte sich passiv zusammen…

    als der lauti weg war, verlief sich die demo wirklich. manche gingen weiter. übergriffe fanden statt. angriffe auf polizisten gabs auch. die hintere teil der demo wußte überhaupt nicht bescheid. war nich schön. die absperrung / schließung des u-bahnhofs war unmittelbar nachdem der lauti abgebogen war. wurde mir von mehreren seiten bestätigt. wenn er erst lange nach der demo wieder geöffnet wurde, dann muss er auch lang zu gewesen sein. was mit den konzerten war, weiss ich nich. der lauti mußte geschützt werden und sicher war er ab den übergriffen nicht mehr. leider die demonstranten auch nicht mehr. zu diesem zeitpunkt wären ketten angesagt gewesen. nur wußten viele nicht, welche ausmaße die übergriffe hatten…

    die ansagen vom lauti müssen unbedingt besser sein. insbesondere zu diesem zeitpunkt!

  3. 3 Bert Beton 05. Mai 2008 um 1:49 Uhr

    sorry, aber deine kritik läuft an diversen stellen ziemlich ins leere. allein der eindruck, „beide demos ähnelten sich in ihrem auftreten“. der mayday war offen und bunt, während zumindest der erste teil (bis die schaulustigen myfest-besucher kamen) ziemlich klassisch autonom-dunkelbunt und in transpis eingewickelt aussah (was bei dem konzept ja auch sinn macht). was die politische aussage der 18 uhr-demo angeht, bin ich mir immer noch nicht im klaren, was das sein sollte: gegen privatisierung, für kurdistan und internationale befreinungsbewegungen und die revolution und den schulstreik? vom lauti kam nix erklärendes zumindest nicht verständlich. dafür weiß ich jetzt, wo ich billig ein lex-auto und die junge welt bekomme. was das ganze jetzt politisch gebracht haben soll, ist mir völlig unklar. vielleicht kann mir das ja hier jmnd erklären. das mit den redebeiträgen war beim mayday teilweise besser, wobei die parallele beschallung durch die verschiedenen wagen öfters nervig war und der versuch, alle redebeiträge über alle wagen laufen zu lassen offensichtlich nach hinten losging. außerdem war die stimme der frau vom bündnis-wagen ziemlich kreischig, paar höhen weniger wären schön gewesen. was für mich bei aller kritik am mayday (fand’s etwas lahm&und stimme blumenthal teilweise zu) dort absolut beeindruckend war, war dass sich viele leute dort anscheinend aus einem klassenverständnis heraus hinbegeben haben. es gab einen block der ambulanten dienste, die gerade arbeitskämpfe führen, genau wie vom deutschen technischen museum, einen block von leuten, die in barkollektiven arbeiten (irgendwas mit kollektive selbstausbeuterInnen), einen der flüchtlingsini, die auf jeden fall noch ne ganz andere sicht auf prekarisierung reingebracht haben. außerdem hab ich auf noch keiner demo so viele schilder und transpis gesehen, auf denen kommunismus o.ä. gefordert wurde. dass auch viele leute nur zum spass da waren, glaub ich gerne. aber darum ist ja die 18 ur demo auch durchs myfest gegangen, um möglichst viele schaulustige mitzuschleppen, die masse machen (als die demo von mcdonalds zurückkam, waren es nur noch ca 4-5000, während es zu beginn locker das doppelte war). die leute wären bspw. kaum extra zum boxi gekommen. ich bin mir übrigens ziemlich sicher, das sich das maydaybündnis tierisch darüber geärgert hätte, wenn ihre parade einen ausdruck wie die 18 uhr demo gehabt hätte. ich hätte mir den mayday auch konfrontativer gewünscht, aber das müssen die leute eben selbst machen. mir wurde bspw. ein stadtkarten-flyer in die hand gedrückt, auf der alle zeitarbeitsfirmen, discounter, etc an der route gedruckt waren…

    und noch was zur anbiederung ans kulturetablishment: sich den hauptlauti vom myfest bezahlen zu lassen, weil er zugleich eine bühne beim bezirks-befriedungsfest ist, geht echt gar nicht…

  4. 4 LucaPinoRelli 05. Mai 2008 um 9:05 Uhr

    mag sein dass ich gegenüber der mayday parade zu kritisch bin & die punkte schwierig sind. könnte auch daran liegen, dass dort, wo ich lief viele männertagsbesoffene rumhingen. die transparente wenig vom kommunismus erzählten, sondern profan unpolitisch waren (nimm dir doch dein eigenen schild, oder so) aber, ich finde idee des mayday / st. precario parade nicht schlecht. der inhalt war auch wirklich recht gut.- die infos /reden waren zum teil besser als auf der „Rev. Mai Demo“, trotzdem gab es einiges, was schieflief.

    Was mir schon auf dem Kiezspaziergang gegen Mediaspree auffiel und auch dort genervt hat, war das performative element. die suche des mayday moves war für mich und einige hundert andere ein rein akustisches vergnügen, was nicht sehr unterhaltsam ist. außerdem zog sich dieser part bestimmt ’ne halbe stunde hin & verzögerte unnötig den beginn der parade.

    das keine parolen skandiert wurden, stört mich nicht. das war am abend genauso. das es lücken gab, wo polizei reinrennen konnte, find ich ebenso nicht so schlimm. die polizei war nicht da oder machte nicht den eindruck stress machen zu wollen. was mich stört, dass es so langsam voranging. das ich mit musik vollgedröhnt wurde, die reden aber nicht verstanden habe. das oft angehalten worden ist um dann doch wieder ein paar meterchen vorwärts zu kommen.

    das so viele prekäre / arbeiter/ dienstleister …. kamen zeugt davon, dass es etwas neben den gewerkschaften geben muss. deshalb war ja auch ich da. aber ich war skeptisch ob des propagierten, poppigen event charakters, der sich leider bestätigte. andererseits hab ich auch gemerkt, dass es vom bündnis womöglich anders gemeint war. denn die inhalte wiesen in eine andere richtung und waren breit und informativ…. aber die idee passanten, partyvolk, normalos erreichen zu wollen und ihnen die möglichkeit zu geben ebenfalls mit zu feiern geht für mich nach hinten los. sie öffnet das konzept zu sehr & läßt leute kommen die NUR party machen wollen. und das wäre für mich keine MAYDAY.

    Die Rev. Mai Demo hatte ebenfalls Eventcharakter. Der Inhalt kam oft zu kurz, wurde aber in den Reden zu Mac & Lidl transportiert (leider auch sehr oberflächlich). Die Grußadressen waren sehr wichtig, weil sie zeigten, dass die laufende Demo Teil einer bewegung ist. Der Vorwurf, dass die Demo ebenfalls Leute (beim myfest) einsammeln wollte, ist nicht ganz richtig. Übers myfest laufen bedeutet lediglich kontinuität & verknüpfung zu den wurzeln der demo in den 80iger jahren, die durch diese Strassen, die ja auch konzeptionell gewollt durch das myfest besetzt wurden. es ist also in erster linie ein reclaiming als ein fishing (wobei letzteres durch den Veranstalter auch so gewollt war.)

    über die zahlen will ich mich nicht streiten. die polizei sagt 10.000 bei der abendlichen demo. die veranstalter 12.000. du sagst 5.000-6.000 (also weniger als die mayday-parade), was absolut nicht stimmen kann. kritik brauch mensch nicht über zahlen üben. die sind völlig egal. außer, es soll eine konkurrenz über die außerwirkung hergestellt werden. dem Rev. Mai Demo Bündnis sind solche zahlenspiele und ausenwirkungen egal. es geht um die demo, wie sie zusammenhält, ihre ziele durchsetzt, was sie will. was passanten von ihr erwarten oder hören wollen, is scheiß egeal. auch das diese sich anschließen sollen, ist nicht so wichtig. die gemeinschaftsbildung ist eher eine bestätigung. nicht neurekrutierung!

    deine letzte kritik, wegen dem lauti geht voll daneben. dieser truck ist nicht vom myfest bezahlt. er wurde letztes jahr am 1. mai das erste mal eingesetzt. danach war er mehrfach auf anderen demos. unter anderem war er der lauti des internationalistischen blocks in riostock, der von der polizei angegriffen worden ist (übrigens auch damals war die sicherheit des lautis leider wichtiger, als die der demonstranten, infos kamen kaum von dort). die bühne wurde also nicht vom bezirks-befriedungsfest bezahlt. und jedem, der öfter auf diese art demos geht, war dies von anfang an visuell klar. außerdem stand er schon in die richtung, die er später nehmen würde. die bands spielten zu einem anderen motto als es die mottlosen myfest organisatoren. ihr geschwaffel von wegen integralen bestandteil des myfestes muss eher als wunsch den als tatsache gelesen werden. der wagen wurde später auf der demo ja auch nicht durch myfest verantwortliche geschützt. so weit geht der integrale bestandteil dann doch nicht, dass zumindest eine solidaritätsbekundung und verurteilung des übertriebene polizeieinsatzes herauskam.

    also, deine kritik am Rev. 1. Mai ist billige polemik & mackertum (sprich pullerlängervergleich). zur Mayday Parade hast du einiges an interessantem geschriebe, wo du recht hast und das mich mit dieser veranstaltung versöhnt.

    ps. das technikmuseum hatte keinen eigenen block. es waren lediglich 3-5 betroffene da, was bezeichnend für die politisierung des prekariats ist. umso wichtiger ist der MAYDAY!

    und noch was zur anbiederung ans kulturetablishment: sich den hauptlauti vom myfest bezahlen zu lassen, weil er zugleich eine bühne beim ist, geht echt gar nicht…

  5. 5 aka 06. Juli 2008 um 10:22 Uhr

    weitere bilder vom banda bassotti konzert gibts hier.

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