Der Hansen im Gewerkschaftsdress

Norbert Hansen Nun ist er Arbeitsdirektor! Seine Gesprächspartnerin bei den Tarifauseinandersetzungen im letzten Jahr, Margret Suckale, darf er rum kommandieren. Seine Gewerkschaftskumpel, die er vorgestern noch am Verhandlungstisch vertreten, aber schon während der Verhandlung mit dem Bahn AG Vorstand verlassen hat, konnte er in den letzten Jahren erfolgreich zu kleistern. Was denen wohl den Feierabend versüßt hat? Auf jeden Fall will Hansen nun, in seiner Stellung als Arbeitschef, Stellen abbauen, Arbeitsaufgaben massiv ausweiten und hält 49,9 Prozent Beteiligungen für durchaus annehmbar! Wat für‘n Hansen!

Na da wurde jemand aber mächtig belohnt. Jahre lang bemühte sich der stellvertretende Aufsichtsratschef Norbert Hansen um die Gunst seines Arbeitsgebers und machte ihm ein Geschenk nach dem anderen. Die Verknüpfung der Arbeitsplatzsicherheit an die Privatisierung. Das Ausboten widerspenstiger Gewerkschafter aus der Transnet und den Tarifverhandlungen und die erfolgreiche Anästhesierung von Arbeitnehmerinteressen in den Tarifgremien.

Vor ein paar Tagen war es dann soweit, das Flehen des umtriebigen Gewerkschaftsbosses wurde erhört. Er wechselte auf die Arbeitgeberseite, dessen Interessen er schon lange vertreten hatte. Er sollte der neue Arbeitsdirektor der neuen Deutsche Bahn Holding werden. Er übernimmt den Posten von Margret Suckale, die mediale Aufmerksamkeit in der Auseinandersetzung mit den Lokführern erhielt. Diese wird degradiert und darf nur noch die Personalchefin der ebenfalls neuzubildenden DB Mobility Logistics AG sein, die zu Anteilen privatisiert werden wird. Sie soll, zumindest hinter den Kulissen, diese Art Karriereknick lautstark bemängelt haben. Mal sehen, wie lange sie es zwischen den manipulativen, mafiösen und unmoralischen Abzockern aushält.

Der Umbau der Deutschen Bahn und des damit verbundenem Managments wurde am gestrigen Donnerstag beschlossen. Es entsteht eine Mutterholding, die in zwei Subholdings geteilt wird. Die DB Mobility Logistics AG wird privatisiert und Anteile, die zunächst 24,9 Prozent nicht übersteigen sollen, werden verkauft. Die Infrastrukturgesellschaften verbleiben komplett und unprivatisiert bei der Mutterholding. Dieses Modell, das noch nicht einmal vom verantwortlichen Gremium – dem Bundestag – verabschiedet wurde, eben jenes also extem unter Druck setzt, wurde von Gewerkschaftsseite durch eine Arbeitsplatzgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2023 untersagt, erkauft.

Der Gewerkschaftsdeal wurde von Norbert Hansen höchstselbst noch in der Position des Transnet Chefs eingefädelt und unter willfähriger Zuhilfenahme der GdBA in der Nacht zum gestrigen Donnerstag angenommen. Das Schaf Hansen verwandelte sich nach der Unterschrift aber recht schnell in den Wolf Hansen. Er soll noch im Verhandlungszimmer die Seite gewechselt und sich auf die Arbeitgeberseite gesetzt haben. Nach der Unterschrift vermute ich. Denn die war höchstwahrscheinlich zwingende Voraussetzung für die erfolgreiche Rekrutierung als neuer Arbeitsdirektor.

Die Arbeitsplatzsicherheit ist allerdings nur eine Luftblase. Gegenüber der taz äußerte sich Stefan Diefenbach-Trommer vom Bündnis Bahn für alle äußerst kritisch. Denn die Vereinbarung zu betriebsbedingten Kündigungen ist lediglich eine Absichtserklärung. Vielmehr schafft die Deutsche Bahn mit ihrem Aufsichtsratsbeschluss Fakten und setzt den Bundestag unter Sachzwänge, so dass er Ende Mai nicht mehr frei und nach Gewissen entscheiden kann.

Dass dieses Szenarie durchaus keine überzogene Kritik ist, bestätigt, wie bestellt, der designierte Arbeitsdirektor Hansen am heutigen Freitag. Er propagiert Personalabbau, die Ausweitung der Arbeitsfelder und läßt durchblicken, dass die 24,9 Prozent nicht das Ende der Privatiserung sind. Für ihn liegt die Obergrenze, laut reuters, bei 49,9 Prozent. Ist das nicht eigentlich Mehdorns Mantra? Ist Hansen nicht Mehdorn? Sind wir nicht alle ein wenig…

Aber er kann noch krasser schocken, vor allem seine Ex-Kollegen und anästhesierten Gewerkschaftskumpels. Er will ihre Arbeitsverantwortlichkeiten ausweiten, so dass, Lokführer zum Beispiel, demnächst auch die Züge säubern und am Bahnhof mit anpacken sollen. Natürlich alles in der selben Zeit und mit dem selben Gehalt. Ach, ne, dass wird ja gekürzt! Und, von wegen Arbeitsplatzsicherheit! Guter Witz, Genossen! Da haben sie Hansen scheinbar jahrelang nicht zu gehört.


    Wir werden bei der Bahn weiter rationalisieren müssen. Und das wird in einigen Bereichen nicht ohne Personalabbau gehen.

Mensch super. Da freut sich der Hommel von der GdBA bestimmt tierisch. Gerade noch war er ganz oben auf, setzte große Stücke auf Hansen und hat pure Absichtserklärungen unterschrieben. Und jetzt? Ich sag‘ nur: Guten Morgen! Manche Drogen machen glücklich, Dummheit vielleich auch. Leider betrifft es bei den Herren Gewerkschaftsbossen nur tausende Schicksale, deren Existenz nun noch akuter bedroht ist. Gut, dass es die GdL gibt. Die wird nämlich nicht klein beigeben. Gegenüber der jungen Welt erklärte der GdL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky, dass auch in den geplanten Tochterfirmen die Anwendung des Lokomotivführertarifvertrag (LfTV) angewendet wird. Falls die Bahn dies unterlaufen will, schloß Weselsky auch Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus.

Irgendwie, kommt der Name Hansen viel zu oft vor! Gruseligerweise sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite. Wat für ein Windhund und großer Mime! Untreue ist noch das geringste, was mensch ihm vorwerfen kann! Betrug und Veruntreuung wären ebenfalls einschlägig. Dieses Kuckucksei torpediert seit Jahren Arbeitnehmerinteressen. Dieser Mann muss endlich in Rente!

+ + + + U P D A T E + + + +

Da hat der neue Arbeitsdirektor wohl etwas ausgeplaudert, was gar nicht nach außen dringen darf. Da muss Papa Mehdorn ran und wieder die Wogen glätten.


    Spekulationen über einen Personalabbau bei der Bahn sind an den Haaren herbeigezogen. Es gibt weder entsprechende Pläne und schon gar nicht gibt es derartige Beschlüsse. [Viel mehr ist richtig,] dass es im Zuge der Teilprivatisierung bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

Die Initiative Bahn von unten in der Gewerkschaft Transnet reagierte ebenfalls. Ihr Sprecher Hans-Gerd Oefinger äußerte sich gegenüber der Berliner Zeitung äußerst kritisch und kämpferisch.


    Wir fordern den Rücktritt des amtierenden Transnet-Vorstands und die Einberufung eines außerordentlichen Gewerkschaftstages. Die Transnet-Mitglieder müssen die Gewerkschaft wieder unter ihre Kontrolle bekommen.

Na dann, ma‘ los!


6 Antworten auf „Der Hansen im Gewerkschaftsdress“


  1. 1 Thomas 18. Mai 2008 um 13:03 Uhr

    Was da passiert ist schon sehr übel. Transnet würde ich im Moment nicht mal mehr Gewerkschaft nennen. Und der Trick dem Kündigungsschutz ist doch immer der gleiche: die Arbeit, die aus altersgründen ausscheidene Mitarbeiter hinterlassen, müssen die verbleibenden Kollegen extra machen. Das sind indirekte Kündigungen – und solche wurden ja auch schon angekündigt.

  2. 2 Machnow 18. Mai 2008 um 16:33 Uhr

    Das is‘ wirklich keine Gewerkschaft mehr. Zumindest nich in ihrer Führung. Deshalb fordert die Transnet interne Initiative Bahn von unten die Absetzung! Doch der neue Chef schwört leider auf Kontinuität, denn sonst hätte er schon vorher was geändert…

  3. 3 Reinhold Schramm 20. Mai 2008 um 13:22 Uhr

    Das simple Leben lebe, wer da mag!
    Ich habe (unter uns) genug davon.
    Kein Vögelchen von hier bis Babylon
    Vertrüge dies Kost nur einen Tag.
    Was hilft da Freiheit?
    Es ist nicht bequem.
    Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm!

    BERT BRECHT DREIGROSCHENOPER
    DIE BALLADE VOM ANGENEHMEN LEBEN
    Quelle: Bernt Engelmann
    Eingang nur für Herrschaften
    -Karrieren über die Hintertreppe-

  4. 4 Reinhold Schramm 20. Mai 2008 um 13:32 Uhr

    Die Geschichte der Sozialdemokratie – eine unendliche Geschichte?
    Wir sollten selbst unsere Interessenvertretung und die Führung (nicht nur) in den Gewerkschaften übernehmen.

  5. 5 Machnow 20. Mai 2008 um 19:50 Uhr

    Das wär‘ wohl richtig, Reinhold, nur würde die Basis da wahrscheinlich nicht mitmachen. Und, so recht sicher bin ich mir auch nicht, ob dies was ändern würde. Es gibt soviele Beispiele, wie Emporkömmlinge sich in das Gegenteil, nämlich die Unterdrücker verwandelt haben, nachdem sie zu Macht gekommen sind. Schröder ist das beste Beispiel dafür. Oder auch Mr. Fischer, Neu-Petrus & Kriesgstreiber… Das deutsche Gewerkschaftssystem selbst ist das Problem!

    Und, wo Du schon mit Brecht anfängst. Da komme ich mit Tucholsky.Wohl das beste Lied über die Sozialdemokratie, das Lied vom Kompromiß.

    Manche tanzen manchmal wohl ein Tänzchen
    immer um den heißen Brei herum.
    Schweine mit dem kleinen Ringelschwänzchen
    brüllen mit erschrecklichem Gebrumm.
    Freundlich schaun die Schwarzen und die Roten,
    die sich früher feindlich oft bedrohten.
    Jeder wartet, wer zuerst es wagt,
    bis der eine zu dem anderen sagt:

    Schließen wir ’nen kleinen Kompromiß
    davon hat man keine Kümmernis,
    einerseits und andererseits
    so ein Ding hat manchen Reiz.
    Sein Erfolg in Deutschland ist gewiß
    schließen wir‘ nen kleinen Kompromiß . . .

  1. 1 Online-Kredite » Blog Archive » Ex-Gewerkschafter Hansen und die Bahn Pingback am 18. Mai 2008 um 19:58 Uhr
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