Antifaschistische Demonstration in Verona!

Am 17. Mai fand in Verona eine italienweite antifaschistische Demonstration im Angedenken an den Tod von Nicola Tommasoli statt, der von Nazi Hools erschlagen wurde. Es kamen über 10.000 aus ganz Italien und verschiedenen Spektren. Die junge Welt schreibt, dass Jugendliche antifaschistischer und anti­rassistischer Gruppen neben Veteranen und Anhängern der Resistenza, Gewerkschafter mit Linksdemokraten und Grünen, Kommunisten gemeinsam demonstrierten und so ein Zeichen gegen den erstarkenden Nationalismus und Faschismus in Italien setzten.

Verona, Corteo Antifaschisti 17. Maggio '08

Trotz ekelhaften Wetters und Polizeischikanen bei der Anfahrt zur Demonstration in Bologna, Brescia und Bergamo trafen sich über 10.000 trauernd Wütende um eine Zeichen gegen Faschismus, Sexismus und Homophobie zu setzen. Unter ihnen waren, neben den antifaschistischen und antirassistischen Gruppen, zahlreiche Migranten, Veteranen der Resistenza, Gewerkschafter, Kommunisten, Grüne und Linksdemokraten. Sie versammelten sich unter dem Motto Nicola è ognuno di noi (Wir sind alle Nicola) im Angedenken an den Tod von Nicola Tommasoli. Er wurde am 1. Mai von Nazihools des Veronerser Drittligisten Hellas Verona zusammengeschlagen und erlag am darauffolgenden Sonntag an seinen Verletzungen. Die Angreifer zählen zum Dunstkreis der Veneto Fronte Skinhead (Teil des Blood & Honour Netzwerkes) und der faschistischen Forza Nuova. Ein Nazianwalt übernahm die Verteidigung.

Verona, Corteo Antifascisti 17. Maggio '08
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Weitere Züge, neben den schon genannten, wurden von Antifaschisten aus Rom, Modena, Turin, Padua, Mailand und Livorno (vom Officina Sociale Refugio und dem C.S.A. Godzilla) organisiert. Aus Bologna kamen circa 200 mit einem bereitgestellten Zug. Jedoch mußte die Abfahrt erst mühsam durchgesetzt werden. Zunächst blockierten massive Polizeikräfte den Zugang zum Bahnhof im Auftrag der Ferrovie dello Stato (FS), der staatlichen italienischen Eisenbahngesellschaft. Nach langwierigen Verhandlungen konnte ein teil der Demonstranten passieren, die restlichen folgten nach erneuten Verhandlungen mit der FS und der Polizei. Mit einer Verspätung von circa 2 Stunden machten sich die Demonstranten auf den Weg nach Verona.

Auch in Brescia und Bergamo wurden die antifaschistischen Demonstranten aufgehalten. Durch de Verzögerung der Ankunft verspätete sich der Beginn des Gedenkmarsches. Die Blöcke formierten sich ab circa 15:30 Uhr. Vorne liefen die Veroneser Bürger und viele Migranten. Danach folgten die landesweit angereisten antifaschistischen und antirassistischen Gruppen. Am Ende liefen die institutionellen Verbände, Initiativen und Parteien. Kurz vor vier kamen dann auch die langerwartenten Bergamesi und Antifaschisten aus Brescia mit einer Verspätung von circa 2 Stunden an und schlossen sich der Demo an.

Verona, Corteo Antifascisti 17. Maggio '08

Um circa halb sechs erreicht der Demonstrationszug den Ort des faschistischen Überfalls. Es folgt eine Schweigeminute zu Ehren von Nicola, die durch kleine, stille zeichen der Trauer von Freuden und Veroneser Bürgern begleiten wird. Es muss eine Menge an behelmter Polizei anwesend gewesen sein, die permanent den Gedenkmarsch begleiteten und eskalierend stichelten um die Stimmung in der Demo zu vergiften. Ziel waren vor allem Jugendliche aus Verona. Außerdem versuchten sie den antifaschistischen Block von den anderen zu isolieren, was jedoch immer wieder aktiv verhindert wurde. Am Tatort der tödlichen Auseinandersetzung steigerte sich die Spannungen zwischen Polizei und Demonstranten derart, dass es zu kleineren Angriffen auf die Demo kam. Doch die Situation beruhigte sich schnell wieder ohne dass jemand festgenommen wurde.

Um 18:30 Uhr erreichte die Demo den Piazza dei Signori, wo sich das Rathaus, andere offizielle Gebäude und das touristische Zentrum Veronas befindet. Dort kommt es zu einigen spontanen Aktionen, unter anderen wurde der Platz temporär besetzt und allen marginalisierten und sonst verjagten zur Verfügung gestellt. Es sind über 10.000 Demonstranten, die dort ankamen, unter ihnen viele Veroneser und Migranten verschiedener Nationalität.

Verona, Corteo Antifascisti 17. Maggio '08

Nach fast sechs Stunden endet der antifaschistische Gedenkmarsch zu Ehren von Nicola Tommasoli. Die auswertigen Demonstranten wurden am Bahnhof von Verona von Polizisten erwartet, die den Zugang zum Bahnhof blockieren und nur nach äußerst regiden (Nach-) Kontrollen freigaben. Die Bologneser Gruppe schaffte es unbedarft ihre Züge zu erreichen. Die Mailander dagegen wurden massiv daran gehindert. Auf dem Bahnhofsvorplatz kam es wohl zu kleinen Schubsereien, doch am Ende konnten auch die blockierten Mailänder Verona verlassen.

Das städtische Bündnis, das den Gedenkmarsch zu Ehren von Nicola Tommasoli und gegen die faschistischen Strukturen in Italien und insbesondere in Verona organisierte, bedankt sich ausdrücklich bei den zahlreichen Demonstranten. Es geht in ihrer Erklärung noch einmal auf das Motto ein und erklärt, dass der Mord an Nicola lediglich der Höhepunkt alltäglicher, faschistischer Übergriffe in Verona ist. Diese sind, laut dem Bündnis, auf die Verknüpfung städtischer Offizieller und der bürgerlichen Mitte mit nationalistischen und faschistischen Strukturen zurückzuführen. Das Bündnis betont, dass die Stadt Verona solch eine große antifaschistische Demonstration noch nie gesehen hat und hofft auf ein wachsendes Selbstbewußtsein im Umgang mit Nazis in der Stadt.

Verona, Corteo Antifascisti 17. Maggio '08

In ihrem Redebeitrag bedankt sich Coordinamento Migranti Verona in Zusammenarbeit mit dem Collettivo Metropolis für die Unterstützung der Einwanderer, Leiharbeitern, Studenten und anderen durch die Demonstration. Ihre Kritik trifft insbesondere den Bürgernmeister von Verona Flavio Tosi, der ihnen keine Bleiberecht gewähren will, sie als Eindringlinge betrachtet und ihr Viertel – Veronetta – abfällig diskreditiert.

Aber der Nationalist Tosi, für die Lega Nord im Rathaus residierend, ist nicht der einzige Salonfaschist in Italien, für den Migranten, Antifas und Homosexuelle ein Graus sind. Auf Landesebene setzen sich ebenfalls zunehmend rassistische Relativierungen durch. So findet der designierte Parlamentspräsident und Ex-Chef der postfaschistischen Alianza Nationale Gianfranco Fini es schlimmer, wenn israelische und amerikanische Fahnen verbrannt werden, als eine Mord an einem Jugendlichen. Aber auch der Ministerpräsident Berlusconi hält nix von Trauer und Respekt. Viel mehr will er kurzzeitig zur Eindämmung der Einwanderung nach Italien das Schengener Abkommen aussetzen. Unterstützt wird er durch den Lega Nord Chef Umberto Bossi.

Es ist also keine Wunder, dass in ganz Italien, nicht nur in Verona, rassistische Progrome und Übergriffe an der Tagesordnung sind. Aufgeklärt wird von diesen Vorfällen nichts. Die Polizei schweigt und verschleppt. Aber auch die parlamentarische Linke bleibt untätig und zeigt sogar, wie die napolitanische Bürgermeisterin Rosa Russo Iervolino, die der Partito Democratico angehört, Verständnis für die Ausschreitungen von Anwohnern gegen Roma in ihrer Stadt. Doch woher sollte sie es auch anders kennen, wenn selbst ihr Chef Walter Veltroni von Rumänen-Notstand polemisch und ernstgemeint schwafelt . Umso wichtiger war diese Demonstration!

Antifa Italia