Und täglich grüßt das Schmunzelmonster!

Dalai Lama frisst Olympisches Feuer Da war es wieder unter uns. Hat nett gelächelt. Was von nonviolence erzählt und is‘ wieder abgehauen. Classless Kulla war da und hat sich das Spektakel um Tentzin Gyiao vor dem Brandenburger Tor, der Fanmeile ade und in spe, angeschaut. Hübsche nationalistische Winkelemente jeglicher Art waren auch am Start. Und natürlich die obligatorischen mantrabekifften, entwestlichten eurozentrischen Esoteriker. Die ähneltem dem östlichen Schmunzelmonster zumindest imagemäßig enorm. Bei diesen vielen lächelnd verzerrten Fratzen und dem widerlichen Cocktail kann ich mich wendy nur anschließen. Ich könnt kotzen.

Der Mönch Tentzin Gyiao, auserwählt zum 14. Dalai Lama, sowohl geistiger als auch weltlicher Herrscher über Tibet aus dem Exil, ist eines der besten Beispiele, wie corporate identity in der Politik und Kultur wirken kann. Das dazugehörige corporate design – der sinnlich Wahrnehmbare Teil des tibetanischen Lamaismus Unternehmens – wird durch die rote Mönchskutte, die gefalteten Hände und vor allem das nette Lächeln bestimmt. Der corporate Sound besteht aus unverständlichen, äußerst verknappten, permanent zu wiederholdenden Phrasen. All das wird quasi gottgleich und zeitlos im Dalai Lama vereint. Sein Mantra ist nonviolence, aber auch unity. Er hat es nie satt irgendwelches Kauderwelsch über die Welt zu erzählen, zynische Witze zu reißen und alle fett an der Nase rum zu führen. Durch die erstklassige Imagekampagne seit den 50iger Jahren konnten die Hintergründe und problematischen Aspekte des Lamaismus und der historischen Entwicklung Tibets erfolgreich verschleiert, schick folkloristisch zu gekleistert und mystisch verklärt werden. Dies ist aber eigentlich auch kein Wunder, bei den ganzen Schauspielern, Managern, ultrakonservativen Lobbyisten und fundamentalistischen Kaltenkriegern, die sich an dieser Kampgane seit ihrer Initiation beteiligten.

Harry Harrer und Hitler

Das diese corporate identity – ähnlich wie bei Dussmann, dem Kulturkaufhaus – in keinster Weise kritischen Nachprüfungen standhält ist erschreckend und kann wohl nur als Teil ebendieser verstanden werden. Lieber nicht nachdenken und nachfragen, sonst sind die ach so friedlichen Mönche mit ihrer uniformen kurzen Haaren und roten Kutten plötzlich genauso scheiße, wie unserer christlichen Würdenträger.

Einige der größten Lügen wurden vor einigen Tagen von der jungen Welt entkräftet. Im Beitrag Besetzt oder befreit geht es vor allem um den Vorwurf der Überfremdung und des kulturellen Genozids durch den Dalai Lama, seiner Kumpels im Westen und der Exilregierung. Die Sinologin und Japanologin Sina Bartels räumt in diesem Artikel kräftig mit den Anschuldigungen auf und verweist vielmehr auf die Fortschritte, wie Verdopplung der Lebenserwartung, extreme Senkung der Kindersterblichkeit (von 43 auf 3,1 Prozent) und die zahlreichen Ausnahmen für die Minderheit der Tibetaner in China (aber mit 80-90 Prozent Mehrheit in Tibet), die die kulturelle Vitalität schützen soll. So ist es keine Wunder, dass sich die Bevölkerung Tibets – als Tibetaner – mehr als verdoppelt hat. Wo ist da der kulturelle Genozid? Sind die hanchinesischen Wanderarbeiter zuviel für die nationalistischen Tibetaner?


Harry Harrer und Dalai Lama

Doch diese xenophobe Perspektive auf ihr Land ist durchaus nicht verwunderlich. Das der Mönch Tentzin Gyiao, der später zum 14. Dalai Lama wird, vom SA und SS Bewunderer Heinrich Harrer, der auf der Suche nach dem mythischen, arischen Ursprung eine Expedition für die nationalsozialistische Deutsche Himalaya Stiftung nach Indien anführte und 1946 nach der Flucht aus einem englischen Gefangenlager in Tibet ankam, lernte und auch bis ins hohe Alter Kontakt zu Nazigrößen weltweit pflegte, ist kein Geheimnis. Die nationalsozialistischen Lehren, die beim jetzigen Dalai Lama ekelhaft durchschimmern, sind demnach keine Ausrutscher, sondern Ausdruck einer fatalen Kontinuität, die sich sogar auf die tibetsolidarischen Initiativen ausweitet. So erklärt die Gesellschaf für bedrohte Völker (GfbV) in ihrer Presserklärung zur Kundgebung am 19. Mai in Berlin,


    dass das tibetische Volk ein Recht auf Schutz seiner Identität, seiner Sprache, Kultur und Tradition hat und ein Recht auf Selbstbestimmung. Die Tibeter haben das Recht auf politische, kulturelle und religiöse Autonomie. Dies ist ein realistischer Weg in die Zukunft. Autonomiemodelle haben Minderheitenprobleme, haben Probleme kleinerer Völker weltweit von Nord-Irland über Katalonien und Südtirol bis nach Aceh in Indonesien oder Quebec in Kanada entschärft und gelöst.

Vielleicht hätte die GfbV noch Kosovo anführen sollen und den vorbildlichen Umgang mit der serbischen Minderheit dort. Anstatt Katalonien wäre vielleicht auch das Baskenland für erfolgreiche spanische Minderheitenpolitik einschlägig. Aber diese Differenzierung ist wahrscheinlich zu viel verlangt.

Noch absurder sind jedoch die vermeintlichen Apelle an nonviolence von Seiten des Dalai Lama. Ebenso problematisch ist die Assoziation des tantraistischen / lamaistischen Buddhismus mit Friedfertigkeit und Pazisfismus. In einem Interview mit telepolis erläutert Colin Goldner, dass diese hiesige Tibet-Schwärmerei reine Projektion ist, die einer kritischen Recherche nicht standhält. Und, es ist nicht nur die gegenwärtige tibetanische Jugend, die militant Widerstand leistet. Auch die Familien des Dalai Lama ist in die 1950 gegründete tibetanische Untergrundarmee maßgeblich verwickelt. Sie wurde nämlich von Brüdern des Tentzin Gyiao aufgebaut und kommandiert.


    Die Untergrundkämpfer, bekannt als Chusi Gangdruk, übten beispiellosen Terror nicht nur gegen die chinesische Zivilbevölkerung aus, mit guerillataktischen „Hit-and-run“-Aktionen brachten sie auch der VBA erhebliche Verluste bei. Im Herbst 1958 griffen sie eine VBA-Garnison nahe Lhasa an: Sie töteten mehr als 3.000 chinesische Soldaten und gelangten in den Besitz großer Mengen an Waffen und sonstigem Kriegsmaterial. In der Folge wuchs die Untergrundarmee innerhalb weniger Wochen auf mehr als 12.000 Kämpfer an. Kopf der Guerilla war Gyalo Thöndup, einer der Brüder des Dalai Lama. Bis Anfang der 1970er wurde die Chusi Gangdruk mit jährlich 1,7 Millionen US-Dollar aus einem eigens aufgelegten Sonderprogramm zur Finanzierung antichinesischer Operationen gefördert.

In der jungen Welt (Teil 1 & 2) erläutert Goldner seine Erkenntnisse etwas länger. So beschreibt er eindrucksvoll das mythisch mystische, so paradisische vorchinesische Tibet. Das dort ein klerikaler Feudalismus regierte, der gerade einmal 10 Prozent der Bevölkerung priviligierte und 90 Prozent in Analphabetismus, Hunger und Sklaverei fesselte, wird oft unterschlagen. Die beinah schon vorzivilisatorische Einheit mit der Natur und den Elementen wird westlich verklärt gefeiert. Doch war diese Freiheit teuer erkauft.

Eine weitere Verkehrung geschieht in Zusammenhang mit den Unruhen am 11. März in Lhasa. Es wird behauptet die chinesische Armee wäre brutal und rücksichtslos gegen Mönche und tibetanische Zivilisten vorgegangen. Verschwiegen wird jedoch, dass es eben jene waren, die chinesische Geschäfte und Einwanderer angriffen.


    Mit Schlagstöcken bewaffnete Mönchstrupps aus dem Kloster Drepung zogen am Abend des 11. März marodierend durch die Altstadt, skandierten antichinesische Parolen und schlugen Fensterscheiben von Häusern und Ladengeschäften ein. Die Polizei ging konsequent gegen den Rotkuttenmob vor und nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die gezielt provozierten Zusammenstöße der Drepung-Mönche mit der Polizei ließen die Gewalt auf die beiden anderen Großklöster des Lhasa-Tales und weitere Teile der Stadt überspringen: Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge, aber auch öffentliche Busse und Privatautos wurden umgeworfen und angezündet, chinesische Häuser und Ladengeschäfte aufgebrochen, geplündert und in Brand gesteckt. Ganze Straßenzüge wurden verwüstet, Molotowcocktails flogen in Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser.

Außerdem gibt es ernstzunehmende Berichte von westlichen Touristen, die berichten, dass tibetanische Geschäfte markiert und während der Unruhen verschont wurden. Die Chinesischen Läden dagegen wurden schonungslos attackiert und geplündert. Die Ausschreitungen waren xenophober Art. Nichttibetaner wurden beschimpft, zusammengeschlagen und gejagt. Nach einer Autonomie würden die Fremden sowieso hinaus befördert, äußerte der Chef der Exilregierung in Indien.

Aber die Tibetaner sind und bleiben einfach nur toll und emanzipativ. Wie friedlich sie doch sind, die Tibeter! Wie schön der Dalai Lama doch lächeln kann und wie pragmatisch pazifistisch er redet. Und was er noch so alles Weises erzählt. Toll! Und wie schön und atmosphärisch der Kalachakra Ritus ist. Da ist es doch gar nicht so schlimm, was der eigentlich will. Und die Mönche sind so süß asexuell . . .


1 Antwort auf „Und täglich grüßt das Schmunzelmonster!“


  1. 1 Free Tibet!? No. IV « hate work. love communism. Pingback am 24. Mai 2008 um 11:23 Uhr
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