Religion ist Opium fürs Volk (Lenin)

Ich ahnte es ja schon immer, dass die christliche Liturgie mit all ihren mystischen Formeln, den tradierten Riten, prachtvollen Gewändern und vor allem dem Haufen Räucherwerk anästhesierende Wirkung hat. Vor allem der Weihrauch, der umso weiter mensch nach Osten Osten kommt umso reichhaltiger verwandt wird, scheint für diesen glücksbringenden Zustand verantwortlich zu sein. Das habe amerikanische und israelische Wissenschaftler, laut telepolis, in einer Studie zur psychoaktiven Wirkung von Weihrauch bestätigt.

Das wirft ein ganz neues Licht auf den exzessiven Einsatz von Rauchwerk in religiösen Zeremonien und Ritualen. Auch die Meinung zur ständigen Wiederholgung immer desselben Formulars muss wahrscheinlich einer Revision unterzogen werden. Es geht, nach diesen Erkenntnissen nicht um die Herstellung und Bestätigung einer Gemeinschaft, sondern viel mehr um die selbstbezogene, egozentrische Befriedigung der Sucht nach Rau(s)ch, in der Religion natürlich verschleiert hinter humanistischen Motiven und märtyrerhaftem Gehabe der Selbstkasteiung.

Im Osten übrigens wird das Ziel des Gebets als Apathie beschrieben. Das bedeutet, das der Betende, der sich in Zwiesprache mit Gott befindende, sich der Wirkung äußerer Reize verweigern soll. Ziel der Apathie ist Teilnahmslosigkeit, Leidenschaftslosigkeit, mangelnde Erregbarkeit und Unempfindlichkeit, sprich die Absenz jeder emotionalen Regung. Psychologisch würden diese Symptome Depression genannt werden.

Und, genau an diesem Punkt setzt die Beweihräucherung der religiösen Gemeinde an. Denn laut der Studie lindert das Einatmen des Weihrauches Angstzustände und Depressionen. Doch vorsichtig, der Rauch hilft bei manch Krankheiten, dagegen ist er Wahnsinn erregend, wenn er von Gesunden genommen wird, reichlich mit Wein getrunken, wirkt er gar tödlich.

Es ist also kein Wunder, dass die Liturgie mit Worten nicht beschrieben, sondern nur als Ereignis erfahren werden kann. Das die Betäubung der Emotionen und das Verscheuchen der Angst auch soziale und gesellschaftliche Effekte hat, würde wohl niemand bezweifeln. Gemeinhin werden diese Effekte aber positiv assoziiert. Nur frag ich mich, wie Anästhesierung und Apathie befreienden Charakter haben können. Lenin war da doch nicht soweit entfernt mit seiner Einschätzung.


    Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz, ihren Anspruch auf ein auch nur halbwegs menschenwürdiges Dasein ersäufen.

Aber mit Weihrauch geht das alles super. Da werden die Unterdrückten zu selig Lächelnden, zu händefaltenden Märtyrern und freiwillig Zahlenden. Ist das nicht eventuell der Obolus, den der Gläubige für seinen heiligen Rausch bezahlt?

Dies Studie erklärt eventuell auch, warum die süßen, tibetanischen Mönche alle so nett lächeln. Die ziehen sich ja quasi den ganzen Tag lang Räucherwerk rein! Da kann die Wirkung gar nicht mehr ausbleiben!


3 Antworten auf „Religion ist Opium fürs Volk (Lenin)“


  1. 1 Pater Franz 06. Februar 2009 um 11:30 Uhr

    Irgendwie muss ich doch lachen! Ihre Behauptungen verheimlichen nicht, dass Religion nicht nur Opium, sondern wohl auch tödlich ist. Dann nennen Sie mir bitte einen Bereich auch Ihres Lebens,
    der nicht irgendwie doch bei näher Betrachtung doch auch religiös ist. Das kann gar nicht anders sein, weil der Mensch ein religiöses Wesen ist.

  2. 2 Butch Jonny 06. Februar 2009 um 11:56 Uhr

    @Pater Franz: Sie dürfen lachen. Es ist nicht alles ernst zu nehmen, was ich geschrieben habe. Aber das Religion tödlich sein kann, dürfte unstrittig sein. Ich erinnere an die Kreuzzüge, an Hexenverbrennung, an Selbstmordattentäter, an die Ablehnung der modernen Medizin durch religiöse Menschen. Das Verbot der Abtreibung in der katholischen Kirche führte mittelbar auch zu Toten.

    Und auf die Frage nach einem Bereich des Lebens in dem ich ohne Religion auskomme, nach meiner näheren Betrachtung, also aus meiner Perspektive, in jeder. Es mag ‚religiöse‘ oder ’spirituelle‘ Momente geben. Das hat aber meiner Ansicht nach nix mit Religion, Kirche, Gemeinde oder irgend etwas anderem extraterrestrischem zu tun.

    Die Religion & der Glauben sind meiner Ansicht nach Annahmen, die dem Gläubigen das Leben erleichtern. Kommunismus, Sozialismus, Messianismus, Papismus usw. sind lediglich Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Diese Hoffnung will ich niemand absprechen. Ich will auch niemand den Glauben nehmen. Nur hat dies unter Umständen nix mit der Realität zu tun, sondern erzählt mehr über kulturelle und soziale Brüche.

    Wenn mensch will kann alles ‚religiös‘ verklärt werden. Jede_r kann bei sich etwas reliöses finden. Aus der Sicht eines Gläubigen ist sowieso die ganze Welt religiös bestimmt. Überall Gäubige! Auch Atheisten sind Gläubige, weil sie daran ‚glauben‘, daß es keinen Gott gibt, sondern die Wirklichkeit ein komplexes etwa ist, daß durch niemand geschaffen wurde, sondrn immer wieder neu entsteht . . .

    Ich mag auch religiös sein, weil ich die Hoffnung habe, daß der Mensch doch irgendwie ‚gut‘, solidarisch, offen und freundlich ist. Die kapitalistsiche Realität zeigt es mir anders. Deshalb muß ich aber trotzdem nicht an einen Gott-Märtyrer glauben, der sich für mich vor ein paar tausend Jahren geopfert hat, den sein ‚Vater‘ opferte um die Menschheit zu erlösen. Ich glaube viel mehr daran, daß nur ich (wir) uns selbst erlösen!

    Also, lachen Sie! Lachen befreit, erlöst & führt die Gegensätze zusammen!

  1. 1 paxx:blog » Blog Archive » Religion macht glücklich Pingback am 23. Mai 2008 um 13:38 Uhr
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