Wind, Licht, Sonne und ganz viel Banda Bassotti (2. Teil)

Hier ist nun endlich der zweite Teil (Erster Teil) zum neuen Erzeugnis Viento, Lucha y Sol von Banda Bassotti. Die Jungs scheinen an Berlin und Umgebung besonderen Gefallen gefunden zu haben. Nach dem super Konzert auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz, dem spritzig fröhlichem Auftritt im Rahmen des Kulturprogramms Beats against Fascism zur Revolutionären 1. Mai Demonstration und der Spontanhuldigung der Babelsberger Ultrá-Szene bei ihrem UltRASH Festival am vergangenen Wochenende sind sie wieder da! Am morgigen Samstag spielen sie zusammen mit Boikot im Clash. Wär‘ eine schöne Gelegenheit die neuen Stücke auf ihre live Tauglichkeit zu überprüfen und fett abzutanzen! Aber erstmals weiter mit dem neuen Album . . .

Nach dem absolut bemerkenswerten Titel Pitbull Mentality folgt was ganz anderes. Die Banda wendet sich wieder nach Südamerika und läßt musikalisch den mexikanischen Volkssänger Jose Alfredo Jimenez und sein El Hijo del Pueblo wieder auferstehen. Sie ergänzen den Mariachi Titel mit ein wenig softem Ska, drehen die Trompeten eine wenig auf und fertig ist der Hit für die laue Sommernacht. Die Musik duftet nach Bier im Schatten der Bäume. Sie läßt schwanken, verträumt und poetisch in die Gegend schauen. Der einfache Sohn der Stadt, der ganz einfache Mensch, der mögliche Halunke und besoffene Poet erzählt uns eine Geschichte von der Freiheit und von der Liebe. Die Verstörtheit, die der Pitbull hinterließ ist mit diesem Song schwül weggewischt worden.

Den folgenden Track finde ich nicht so sehr gelungen. Ad un Passo da Noi kommt mir recht einfaltslos daher. Trotz des wunderschönen Trompetensolos entsteht kein mitreißender Sog. Der langsame Ska ist zwar geblieben, verschiebt sich aber fast zu schleichendem Reggae. Sigaros Gesang ist eher eine Sprechen. Der Text verspricht zwar ein wenig kämpferisches Aufrütteln, die Musik kann dies aber nicht einlösen. Der seichte Rhythmus ohne Höhepunkte zerfließt das antikirchliche Plädoyer in eine routinierte, emotionslose Predigt. Wirklich schade, eigentlich.

Pow Pow ist da schon etwas, aber nur etwas, emphatischer. Sigaro erläutert seiner Flamme sein Wanderleben. Das Schlagzeug sprenkelt zwischen den Takten eine kurzes Trommel pow pow ein und bleibt ansonsten unauffällig. Diesmal darf die Gitarre die Erklärung in einem Monolog musikalisch unterstützen. Die Bläser sind beieinander und rufen nach dem Wanderer. Der ist aber noch beschäftigt sein Baby zu beruhigen. Erstmal muss er ihm noch bestätigen, dass er an es denkt und nach ihm sucht!

Nun ist Picchio wieder dran! Er darf den Aufbruch in Mittel- und Südamerika besingen. Ein Mayday setzt akustisch das Signal zum Aufstand der Indios, der Söhne der Straße, der billigen Kinder, die sich beeindruckend von Norden bis Süden, von den Seri-Indios in Mexiko bis nach Caracas von Simon Bolivar, Respekt und Würde zurück erkämpfen. Der Rhythmus zieht hier ein wenig an. Die Bläser treiben die Revolution durch ganz Amerika und entfachen den Viento Nuovo – den Neuen Wind – überall.

Im nächsten Titel wird der Wind zum Sturm und bricht punkig und kollektiv über uns herein. Die erste Strophe brühlen alle gemeinsam kraftvoll. Diese Hymne gilt den Borgataro, den unangepaßten, prolligen Vorstadttypen. Sie werden marginalisiert, aufgegeben und stehen gelassen. Ihnen rufen die anderen ihr Bocciati – ihr Durchgefallen – hinterher. Er mag ein Esel sein, aber kein Schaf, singt Picchio. Die Vorstadttypen will keiner. Niemand will sie sehen. Niemand braucht sie! Aber sie bleiben und singen!

Das Ticken in Clic wurde schön akustisch übersetzt. Die Bläser durfen auch wieder ran und sich ein wenig mit der Gitarre battlen. Der Klick schwebt virtuell über den Harmonien. Er tickt in der Rhythmus Gitarre. Er schleicht sich ins Schlagzeug. Nur die Bläser rufen weiter ohne sich von ihm stören zu lassen. Aber es gibt einen Ausweg. Einfach den Bläsern folgen Schritt für Schritt ins Leben. Passo dopo passo parto per la vita.

Aber dann gibts wieder mal eine Coprifuoco in Citta‘. Die Ausgangssperre rockt sich zurückhaltend vorwärts. Die Gitarren warten endlich darauf auszubrechen, sich kämpferisch und krachend zu Wort zu melden. Aber sie dürfen nur den Blues rocken. Sie dürfen nicht losschrammeln. Und, auch das Schlagzeug wird an die Kette gelegt. Es wartet. Es lauert. Picchio – die verbalisierte Strategie der Spannung – hält sie in der Ausgangssperre zurück. Am Ende dürfen sie dann doch ein wenig rocken. Aber die Coprifuoco on ogni citta‘ stoppt sie wieder!

Der letzte Titel ist eine absolute Premiere! Die Banda Bassotti machen eine wunderschöne Ballade. Sie beginnt ganz zurückhaltend mit einem Saxophon und einer akustischen Gitarre. Sigaros Gesang lamentiert ohne pathetisch zu werden. Er gibt uns Ratschläge, uns Nachtgestalten. Die Avviso ai Naviganti gehen an die Phantasten, diejenigen die sich nicht vom flimmernden Kasten anästhisieren lassen, die mit offenen Augen träumen, an die Lebendigen! Die luna und die sole sind ihre Begleiter. Akustisch ist es eine fließende Frauenstimme, die uns den Kreis beschreibt! Sigaro bleibt lieber bei der Nacht in der er sich lebendig fühlt. Eine E-Gitarre gesellt sich zum Orchester hinzu. Das Saxophon begleitet schon fast balladentraditionell Sigaros sprechenden Monolog. Und ganz unspektakulär schließt sich am Ende die Tür, für questo notte und für den Wind, das Licht und die Sonne, für Viento, Lucha y Sol.


2 Antworten auf „Wind, Licht, Sonne und ganz viel Banda Bassotti (2. Teil)“


  1. 1 Wind, Licht, Sonne und ganz viel Banda Bassotti (2. Teil) Pingback am 03. Juli 2008 um 20:30 Uhr
  2. 2 Talco - Ska Punk aus Italien » Von altravita » Musik » Italien blog Pingback am 06. August 2008 um 11:28 Uhr
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