Boikot + Banda Bassotti rocken das Clash!

Die Bläser von Banda Bassotti Am letzten Samstag trafen sich zwei legendäre Bands im Berliner Clash. Als Vorband spielten die erstaunlich guten Sun Fucking Ocean. Schon bei ihnen sprangen ein paar Schüler wild rum. Diese wilde Ausgelassenheit sollte sich im Verlaufe des Abends noch potenzieren. Als nächstes rockte Boikot die Menge. Banda Bassotti wuchs wiedermal über sich hinaus und trieb den Punk bis zur durchgeschwitzten Erschöpfung!

Diesmal sollte es im Clash nur oneway gehen. Das heißt, wer drin war, konnte nicht mehr raus. Die Anwohner hätten sich beschwert, dass, wenn sich zuviele Leute draußen aufhielten, diese sich viel zu laut unterhalten würden. So war von Beginn an der Biergarten des clash für Besucher gesperrt. Raus kam mensch auch nicht mehr, wenn er einmal bezahlt hatte. Die Türsteher ließen keinen, absolut keinen raus! Da drinnen alles zu war und es keine offenen Fenster oder sonstige Belüftungsmöglichkeiten gab, verwandelte sich das Clash mit fortschreitender Stunde in eine feuchte Sauna! Manchen gefiel’s, anderen war’s irgend wann egal. Der Rest ertrug und litt!

Um kurz vor zehn legten die Sun Fucking Ocean kräftig rockig los. Ein paar jüngere Mädels und Kerle sprangen nach ein paar Liedern schon mal ein wenig rum. Die Stimmung war recht gut. Leider sahen diese Band viel zu wenig Leute. Die fünf Jungs aus Berlin mischen einfachen Punk mit Rockelementen. Manchmal integrieren sie Hardcore und Metalparts. Die Musik hat mir ganz gut gefallen. Zwar wurde sie irgend wann auch langweilig, steigerte sich aber zum Ende hin enorm. Die Chance vor den zwei großen Bands zu spielen war ihnen sichtlich eine Ehre! Auf deren Namen wiesen sie desöfteren in verschiedenen Sprachen hin! Also, schon der Einstieg war recht beeindruckend.

Boikot Nach einer kurzen Pause legte Boikot los. Sie starteten gleich mit einem fetten Hit, nämlich dem Titeltrack des neuen Albums Amanecío. Das Publikum war gleich von Anfang an in Partylaune. Und, der Rest, der Boikot noch nicht kannte oder gerade gekommen war, ließ sich beeindruckt ebenfalls nicht lange bitten! So krachig und laut, wie es begonnen hatte, machten die Jungs aus Madrid weiter. Die Menge sprang wild durch die Gegend. Spätestens beim Goran Bregovic Hit Bubamara (Video) war kein halten mehr. Die ersten glitschigen Oben-Ohne-Typen sprangen umher. Die Bläser auf der Bühne begossen sich und das Publikum mit Wasser. Der Schlagzeuger prügelte bedächtig konzentriert auf seine Felle und Metalle. Der Titel ging richtig fett ab!

Für mich wars dann erstmal zu viel. Ich brauchte ’nen Bier und ein wenig ruhigeres Stehen. Als ich wieder aufnahmebereit war spielte Boikot ihre grandiose Version von Hasta Siempre. Das Publikum sang laut und enthusiastisch mit! Zwar nicht so ergriffen, wie im legendären Video während der Südamerika Tour, aber viel hatte nicht gefehlt. Danach brachten sie Pueblos II von der La Ruta del Che Trilogie. Damit setzten sie dem Befreiungskampf in Südamerika ein beeindruckendes Denkmal! Der absolute Höhepunkt war das krachige Skalashnikov. Der Refrain mit seinem krachendem Boom Boom Boom wurde bereitwillig aufgenommen und echote der Bühne entgegen. Die Skaeinlage im Titel wurde euphorisch abgetanzt. Der Hammer!

Nach circa 1 1/2 Stunden wollten Boikot Feierabend machen, doch die Menge ließ sie nicht gehen. Sie rockten dann noch zusätzliche circa 10-15 Minuten weiter. Aber für sie war immer noch nicht an ein wegkommen zu denken. Das Publikum verlangte lautstark und unachgiebig nach mehr Boikot. Sie kamen dann noch ein letztes mal und schloßen den musikalischen live Reigen mit ihrem genialem Amanecío.

So gegen eins ertönte bei dunkler Bühne die Stimme von Johnny Cash, der Bob Marleys Redemption Song singt. Die zweite Strophe dieser Version sang Joe Strummer. Dieses Intro ist echt super, weil es gleich drei Persönlichkeiten in Erinnerung ruft und ehrt. Das Publikum war zunächst still, aber schon kurz vor Ende des Liedes verlangten sie lautstark nach der Banda.

Die Italiener legten schön rockig los. Sie begannen mit Figli di von ihrem neuen Album Viento, Lucha y Sol. Die drei Bläser waren sichtlich gut drauf. Picchio war, nicht wie beim Konzert vor der Revolutionären 1. Mai Demo, von Anfang an voll in seinem Element und illustrierte die Botschaft bildgewaltig. Er sprang wild durch die Gegend und machte Grimassen. Sigaro sang seine Parts gewohnt routiniert. Die anderen, bis auf den ewig stummen, äußerst introvertiertem Basser Michele Frontino, machten Party.


Die Banda spielte ihr komplettes Repertoire entfesselt runter. Zwischen den Songs gabs des öfteren Parolen. Das Alerta Antifascista war besonders beliebt. Der Refrain des Los Fastidios Titels Antifa Hooligan wurde ebenfalls intoniert. Ein kraftvolles Berlusconi, pezzo di merde initiierte Picchio von der Bühne und setzte den Slogan sofort musikalisch um. Ein äußerst performatives Highlight waren die zahlreichen Stagediving Aktionen, die fliegenden Fäuste und andere Körperteile. Eine super Aktion war, als die Bläser eine kleine Polonaise durch’s Publikum veranstalteten. Danach durfte Sandokan wieder sein Cuba que linda es Cuba anstimmen und seine langen Extremitäten ausschütteln. Das dazugehörige Cuba si! Yankee no! schallte beeindruckend durch’s Clash. Aber es ging noch sozialistischer. Die Banda zelebrierte ein russisch revolutionäres Medley. Den ersten Forderungen nach Bella Ciao entsprach die Banda zunächst nicht, legte – quasi als Entschädigung – kräftig und kämpferisch mit Stalingrado los. Nun gabs gar kein Halten mehr!

Danach holte die Banda den Drummer von Boikot auf die Bühne. Der ging aber nicht zum Schlagzeug oder griff sich irgend ein anderes Instrument, sondern nahm ein Mikro und sang sich die Seele aus dem Leib. Den Abschluß des Konzertes bildete, wie immer, das lang ersehnte, kollektive Bella Ciao. Boikot versammelte sich nun wieder komplett auf der Bühne und sang zusammen mit der Banda Bassotti das Partisanenlied mit kraftvoller Unterstützung des Publikums. Zu einem Skaliedchen aus der Konserve kam die musikalischen Protagonisten von der Bühne herab und tanzten ausgelassen mit ihrem Publikum. Damit war das Konzert kurz vor drei beendet.

Zwar forderten noch einige standhafte ein wenig Nachschlag. Aber den gabs nicht mehr. Das die euphorisierten Lauscher nach vier Stunden immer noch nicht genug hatten, spricht für die live Qualitäten der beiden Hauptacts. Es ist einfach unglaublich, was sowohl Boikot als auch die Banda Bassotti geleistet haben.

Der Abend war der letzte nach einer langen gemeinsamen Tour der Banda Bassotti und Boikot, die sie jeden Tag in eine andere Stadt in Deutschland und Dänemark führte. Für die Banda war es der letzte Termin für längere Zeit. Es gibt also Zeit sich zu erholen und sich andachtsvoll und sentimental an die vergangenen Konzerte während der Rosa Luxemburg Konferenz (Fotos) im Januar, beim Ultrash Festival am 31. Mai und schließlich im Clash am letzten Samstag zu erinnern. Und niemals vergessen . . .


2 Antworten auf „Boikot + Banda Bassotti rocken das Clash!“


  1. 1 Jannik 10. Juni 2008 um 15:58 Uhr

    Hi, geiles Review! War ein Hammer abend!

    mein video:

    Boikot – En Lo Triste…

    http://de.youtube.com/watch?v=K02oYn41juE

  2. 2 LucaPinoRelli 10. Juni 2008 um 17:43 Uhr

    war echt ein super geiles konzert! die cd is ebenfalls der absolute hammer. von banda bassotti kam insciallah mi amor und coccode echt gut… und supa video!

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