Reaktionär wider Willen! Eine Aufführung im Deutschen Technikmuseum (DTMB)

Technikmuseum

Am morgigen Donnerstag trifft sich im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) der Stiftungsrat um über die Zukunft der Besucherbetreuung und der T&M Technik und Museum Marketing GmbH zu entscheiden. Betroffen sind über 100 Beschäftigte. Wenn es kein positives Ergebnis gibt, werden von ehemals 180 Besucherbetreuer_Innen lediglich 30 ab Juli übrig bleiben. Spätestens im Herbst sind dann auch die weg. Deshalb lädt der Betriebsrat die Beschäftigten, weitere solidarische Initiativen und Freunde zur Kundgebung um 8 Uhr vor das Technikmuseum in der Trebbiner Straße ein.

Es geht vor allem um die Durchsetzung und Entfristung aller Verträge. Bei denjenigen, die schon länger als zwei Jahre beschäftigt sind, dürfte dies kein Problem sein. Leider muß aber der gerichtliche Weg gegangen werden. Denn die Geschäftsführung um Böndel, Bretzel und Steinle weigert sich trotz richterlicher Ermahnung und erstinstanzlicher Entscheidungen dies zu akzeptieren. Ähnlich abstrus gehen die Epigonen der institutionellen, totalen Herrschaft gegen den gewählten Betriebsrat vor. Welche Taktik der Arbeitgeber verfolgt, bleibt unklar. Womöglich will er einfach nur Fakten schaffen und Zeit gewinnen.

T&M Transparent

Dies bedeutet, bis Herbst könnte die komplette Besucherbetreuung im Technikmuseum Berlin abgewickelt worden sein, ohne dass sich die Berliner Politik maßgeblich eingeschaltet hat. Da half die Übergabe einer Petition der Beschäftigten an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit Ende März auch nicht viel. Die akademisch musealen Alleinherrscher im Technikkönigreich an der Trebbiner Straße hätten erfolgreich Dumpinglöhne und prekären Druck in einer komplett vom Berliner Senat finanzierten kulturellen Institution etabliert. Bravo, Böndel, Bretzel und Steinle! Da kann mensch nur sagen, Reaktionär wider willen! Oder gibt es dahinter doch einen Plan, der rücksichtslos dem akademischen Nachwuchs seine existenzielle Daseinvorsorge abschneidet.

Die Qualität und der Zustand ihres Museums scheint der Museumsleitung ebenfalls nicht sehr zu tangieren. Die historischen Exponate werden aufgrund der Unterbesetzung oft allein gelassen. Die Touchscreens und andere Informationsquellen sind zu einem nicht unerheblichen Teil kaputt. Audioguides sind ständige Mangelware. Die dazugehörigen Kopfhörer noch viel mehr. Hinzu kommt, dass Museumsstücke, die sonst kein Besucher besichtigen, geschweige den betreten darf, an Firmen für ihre Betriebsfeiern vermietet werden.

Den Herren Geschäftsführer der T&M GmbH, die neben der Besucherbetreuung auch die Stiftung des Deutschen Technikmuseums leiten, ist dies alles scheiß egal. Sie sind versorgt, regieren quasi ohne Opposition selbstherrlich und diktatorisch über das Gelände zwischen Anhalter Bahnhof und Yorckstraße. Aber es gibt erste Risse im Männerbund. Letzte Woche kusierten erstmals Gerüchte, dass ein neuer, stellvertretende Museumsleiter gesucht wird. Es scheint, dass Bretzel oder Steinle den Hut nehmen müssen. Ich persönlich tippe auf Bretzel!

Aber auch aus einer anderen Richtung formiert sich Widerstand gegen die Herren akademische Neukapitalisten. Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen als prominente und hoffentlich einflußreiche Organisation innerhalb der SPD unterstützt den Arbeitskampf der Beschäftigten von T&M. Die Jusos Berlin waren schon bei der ersten Kundgebung im März solidarisch anwesend und ließen in ihrem Engagement nicht nach. Im Gegenteil, sie nutzten ihren politischen Einfluß um doch noch Aufmerksamkeit für die Belange der Beschäftigten zu erreichen. Das Mayday Bündnis Berlin unterstützte den Protest ebenfalls von Beginn an. Es wies in ihrer arranca! (pdf) Ausgabe zur Mayday Parade explizit auf die Vorgänge im DTMB hin. Und die Berliner Montagsdemo ist ebenfalls mit von der Partie. Die juristische und publizistische Unterstützung kommt von ver.di Berlin.

Mal sehen, was diese politische Offensive ausrichten wird. Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung und der prekäre Nachwuchs, das wissenschaftliche Prekariat kann doch noch in letzter Minute, ganz türkiyelike den Arbeitkampf umdrehen und eine Auseinandersetzung der Geschäftsführung von T&M mit den Forderungen der Beschäftigten erreichen!

Die Presseerklärung des Betriebsrates der T&M GmbH gibt es hier.


6 Antworten auf „Reaktionär wider Willen! Eine Aufführung im Deutschen Technikmuseum (DTMB)“


  1. 1 Moritz 19. Juni 2008 um 14:58 Uhr

    Meines Erachtens sind die Herren nicht wider Willen reaktionär, sondern aus voller Überzeugung. Reaktionär, rechts, „neokonservativ“ bzw. neoliberal; wie immer man es nennen will.
    Schade dass der ansonsten gute Artikel so viele Rechtschreibfeher hat. Auch heißt es meines Wissens tangieren, nicht tandieren.
    Gruß, Moritz

  2. 2 Machnow 19. Juni 2008 um 15:29 Uhr

    moritz, so isset, wenn mensch wütend is‘ und schnell noch seine wut publizistsich kanalisieren möchte. und wenn er dann auch noch akademiker ist und die fremdwörter nur so wild durcheinander wirbeln, wirds echt kritisch… ich hoffe aber das die „kritische masse“ nicht zu groß ist und die lektüre erschwert… und, moritz, war das nun ein kompliment?

    ich denke auch, dass da taktik dahinter steckt. es geht den herren geschäftsführern darum geld zu sparen. irgend wo fehlt es ihnen immer. die beschäftigten sehen sie nur als kosten, die sie bilanzieren und hin und her schieben können. das klappt aber nur so lange, wie diese sich nicht wehren. wenn sie es dann aber doch tun, reagieren sie ganz pikiert, irrational und persönlich ge/betroffen. das passiert, wenn sie „ihr“ universum ohne kontrolle aufbauen und expandieren konnten… aber die realität wird ihne nschon ein bein stellen. ich hoffe nur, dass die wirklichkeit rechtzeitig zuschlägt und die beschäftigten rettet…

  3. 3 Thomas 21. Juni 2008 um 0:35 Uhr

    Ich vermute mal auch sehr stark, dass alle Maßnahmen eine Art Kohlsches Aussitzen sind. Man hofft wohl, dass die Prekären nicht lange genug durchhalten.

  4. 4 Machnow 21. Juni 2008 um 13:02 Uhr

    … nicht durchhalten und ruhig bleiben. diese kombination isset. immer schön honig ums maul schmieren und dann doch nix machen. nur MUSS in der nächsten woche, was passieren. sonst ist die besucherbetreuung im Technikmuseum TOT. das heißt, sie wird es NICHT mehr geben. ABGEWICKELT! ABGESCHAFFT! EINGESTAMPFT! WEG!!!! ganz zu schweigen von den existenzen, die daran hängen. bisher gibt es keinerlei handeln bezüglich der klagen. nichts ist zurückgezogen. die 40-50 leute, die ende juni gehen müssen sind NICHT verlängert…. bis auf schöne worte ist kein zeichen des kompromißes von seiten der geschäftsführung ersichtlich…

    Der Kampf ist aber noch nicht vorbei!
    Es geht weiter! Und vor allem…

    Besucherbetreuung bleibt!

  5. 5 Zeus 28. November 2008 um 16:32 Uhr

    Hallo Leute ich glaube wenn die Manager des Technik Museums nicht abgelöst werden wird sich nichts ändern. Der Eine will seine Ruhe haben, der Andere will ohne verantwortung übernehmen regieren und sich selber ein fetes Gehalt geben und die anderen alle halten die Klappe weil Sie sonst Ihre Pfründe verlieren oder keine Familien Weltreisen mehr machen können. Im senat passiert erst was wenn es an den Stuhl eines Politikers geht und er seine Kontrollpflicht nicht richtig ausgeübt hat.
    Wo sind die Lohn-Gelder der nicht besetzten Planstellen, was ist mit der Bezahlung des nicht richtig ausgeführten Vertrages mit der T&M
    die ja durch Kürzung der Stellen nicht erfüllt werden kann. werden da Gelder versteckt oder in eigene Tasche gesteckt. Wer hat die hohen Kosten der Arbeitsgerichtsprozesse bezahlt aus eigner Tasche der Leitung oder wie! Wenn man diese sieht wie hier Steuergelder vernichtet werden und unfähige Leute auf posten sitzen dann armes Land. Man sollte sich mal die geführten Museen in England ansehen!!!
    Na ja die Frage ist erlaubt was soll mit diesem Museum passieren und den wertvollen Exponaten passieren, die nicht richtig gepflegt werden oder richtig dargestellt werden. Wir werden weiter kämpfen das diese Leitung abgelöst werden sollte!!!!

  6. 6 Machnow 28. November 2008 um 16:40 Uhr

    ich hoffe, daß sich endlich wieder widerstand gegen diese umstände regt! wir stehen zur unterstützung auf jeden fall bereit…
    Übrigens hab ich nie aufgehört den Herren Alleinherrschern im DTMB Streß zu machen!

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