Dalai Lama, der Fall eines Gottkönigs

Dalai Lama Im neuen Antiberliner gibt es einen sehr guten Artikel zum Thema Tibet, dem Dalai Lama und zur romantischen Verklärung um die tibetanische Befreiungbewegung. Die Mär vom vorchinesischem Paradies auf dem Dach der Welt wird eindrucksvoll entlarvt und in den propagandistischen Kampf der tantrischen Mönchskaste um ihre Macht eingeordnet.

Der Artikel arbeitet die verantwortliche Rolle des Dalai Lamarsch im Umgang mit der grausamen Historie des alten Tibet und der schwammigen, mystifizierenden Verklärung des tantrischen Buddhismus heraus. Ein weiterer Punkt ist die völkerrechtlich schwierige Beurteilung eines autonomen Tibets. Denn ein solches hat nie existiert. Es gab zwar bis 1950 besondere Rechte für die theokratischen Mönchsherrscher, die ihr (Kirchen-) Volk in bitterster Armut und Analphabetismus unterjochte, jedoch einen selbstständigen Staat, geschweige denn eine freie Republik Tibet gab es nie!

Dalai Lama Die Region Tibet war immer ein Teil eines chinesischen Reiches! Eingeschränkte Autonomie stand ihr ebenfalls schon Jahrhunderte zu. Inwieweit diese auch unter kommunistisch neukapitalistischer Herrschaft wirklich so restriktiv ist, bearbeitet der Beitrag Besetzt oder befreit der Sinologin Sina Bartels in der jungen Welt. Dem zivilisatorischen Fortschritt, das heißt der Absenkung der Kindersterblichkeit, der Alphabetisierung, dem Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur (Elektrifizierung, Straßennetz, Krankenversorgung), für den die chineische Besatzung maßgeblich verantwortlich ist, steht die Auffassung der Tibetanischen Exilregierung und der Tibetanischen Jugend diametral gegenüber. Letztere zeichnen ein merkwürdig verzerrtes Bild eines überfremdenten Tibet, in dem es bald keine Tibetaner mehr geben wird.


    Die Massenansiedlung von Chinesen in Tibet sowie Zwangssterilisationen und Abtreibungen an Tibeterinnen stellen eine weitere Bedrohung für das Überleben des tibetischen Volkes dar. Diese unmenschliche Politik wird die Tibeter in naher Zukunft zu einer Minderheit im eigenen Land machen und zum Verlust ihrer nationalen Identität und Kultur führen.

Merkwürdig ist nur, wie diese Art des kulturellen Genozids vostatten gehen soll. Denn die Ein-Kind-Politik gilt nur für Han-Chinesen. Die Kindersterblichkeit ist von 43 % vor der Besetzung auf 3,4 % zurückgegangen.

Dieses Beispiel entlarvt die Schauermärchen, die der Dalai Lama, seine undemokratische Mönchs- und Beamtenregierung und die Unterstützungsorganisationen verbreiten, als propagandistische Verleumndungen. Deshalb verwundert es auch nicht weiter, dass zur Zusammensetzung der Exilregierung und dem geplanten politischen System nur sehr eingeschränkt Informationen zur Verfügung gestellt werden. Aber das, was veröffentlicht wird, ist entweder schwammig westlich affirmativ oder einfach nur erschreckend.

So meint der Dalai Lama: Tibet belongs to Tibetans. Da die Exilregierung die Region Tibet als chinesisch besetzt betrachtet, ist davon auszugehen, dass Chinesen keine Tibetaner sein werden / können. Nur was passiert mit ihnen und den anderen Volksgruppen im Fall einer tibetanischen Autonomie? Die Freiheits- und Eigentumsrechte zum Beispiel sollen in einer zukünftigen Tibetanischen Republik nur für Tibetaner gelten.

Zur Geschichte der hiesigen Tibet-Schwärmerei als Projektion schrieb Colin Goldner schon 2001 ein sehr informatives Buch. In Dalai Lama, Fall eines Gottkönigs räumte er kräftig mit den verklärten Vorstellungen des Westen über die buddhistisch tantrische Religion, die chinesische Besatzung, den keinesfalls friedfertigen, sondern vielmehr terroristischen, auf Zivilisten gerichteten Widerstand und den Vorstellungen der Unterstützer auf. Gerade erst erschien im Alibri Verlag eine erweiterte Neuauflage dieses Buches. Am 4. Juli kommt Goldner nach Berlin und wird in der Ladengalerie der jungen Welt darüber und über Tibet sprechen.


4. Juli, 19:30 Uhr
junge Welt Galerie
Torstraße 6 (Mitte)


4 Antworten auf „Dalai Lama, der Fall eines Gottkönigs“


  1. 1 knecht 25. Juni 2008 um 19:17 Uhr

    hallo,
    absolute zustimmung was diese ganze dalai lama und tibetverherrlichung betrifft, aber dieses scheiß argument das tibet ja schon immer zu china gehört hat und dieser ganze verklärte, alle haben das recht ihren frauen den kitzler abzuschneiden (oder im namen allahs jeden ungläubigen zu steinigen), weil es ihre tradition ist, (und der böse unmenschliche arrogante europäer soll sich da gefälligst raushalten) linke scheißdreck nervt gewaltig?!

  2. 2 Butch Jonny 25. Juni 2008 um 20:30 Uhr

    dieses argument verdeutlicht, dass eine autonomie tibets einer sezession nach dem vorbild des kosovo gleich kommen würde. genauso wenig läßt sich die region tibet mit dem baskenland oder nordirland vergleichen. deshalb ist dieses argument wichtig. auch wenn nationen, staaten oder andere staatsherrschaftliche konstrukte scheiße sind…

    übrigens, hast du eigentlich gemerkt, dass du auf einem linken scheißdreck blog kommentierst? und von irgend welchen verstümmelungen und anderen grausamen kulturellen ritualen hab ich nix geschrieben. da mußt du was mächtig missverstanden haben. wundert mich bei dir aber nich! deine eurozentrische sicht blockiert jede differenzierte lektüre. schon mal drüber nachgedacht, dass stierkämpfe auch nich gerade eine ausgeburt der friedfertigkeit sind. oder das kannibalistische christliche ritual des blut trinkens und menschenleib essen iss auch nich grad appetitlich…

    also, blödmann, erst denken, dann schreiben!!!

  3. 3 Jonathan Hart 26. Juni 2008 um 11:46 Uhr

    „Die Region Tibet war immer ein Teil eines chinesischen Reiches!“

    Diese Aussage ist schlichtweg falsch und zielt lediglich auf ein verklärende Ansicht ab. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts gab es ein tibetisches Königreich, das 1240 von den mongolischen Reitereien erobert wurde. Die Mongolen konnten sich dort bis ins 16. Jhd. halten. Anfang des 18. Jhd. versucht das chinesische Kaiserreich das tibetische Königreich noch mit subtilen Mittel zu unterwerfen. Jedoch gipfelte dieser erste Versuch 1750 mit einen militärischen Einmarsch, nachdem das tibetische Volk rebellierte. Damit stellte China erstmals für sich die Oberherrschaft über Tibet fest.

    In den frühen Jahren des 20. Jhd. nahm der britische Einfluß zu und trotz des 1907 geschlossenen Abkommens zwischen dem Kaiserreich China, Russland und dem UK, das die Oberherrschaft von Tibet China übertrug, konnte Tibet erstmals in der Neuzeit (1912) einen unabhängigen Staat ausrufen. Nach der Revolution in China 1911 und den Bürgerkriegen in den 20er Jahren sowie des japanischen Einflusses in China während des zweiten Weltkrieges hat China nie denn Willen einer Annektierung von Tibet aufgegeben. Daß das neue kommunistische China diesen Schritt mit militärischen Mittel 1950 erfolgreich durchführen konnte, ist auch aufgrund der mangelnden internationalen Unterstützung von Tibet zurückzuführen.

    So hat sich das britische Empire aufgrund von sinkenden Einfluss und Interesse bei der Tibetfrage zurückgehalten. Palestina und der neue Judenstaat sowie das wachsende Interesse am Öl im Nahen Osten ließ keinerlei Aufmerksamkeit für die „alte“ „neue“ Expansionspolitik eines kommunistischen Chinas zu. Daß das Kaiserreich China sich Anfang des 18. Jhd. bemächtigte, Tibet als Protektorat zu betrachten, was lediglich durch die entstandene Instabilität durch den Niedergang des mongolischen Reiches begründet war, kann keineswegs so angesehen werden, daß Tibet schon immer ein Teil von China war. Bereits kurz nach der mongolischen Eroberung wurde Tibet große Autonomie erteilt. Die jeweiligen tibetischen Regierungen und Dynastien betrachteten sich damals aber schon immer als unabhängig.

    Der Wille der Souveränität erreichte seinen ersten Höhepunkt 1750 in einer Rebellion gegen die chinesische Oberherrschaft. Der zweite Höhepunkt wurde zwischen 1955 und 1960 erreicht. Fakt ist, Tibet war (soweit die heutige Staatendefinition angewendet wird) vor der mongolischen Eroberung ein eigenständiger Staat.

    Dieser Anspruch wurde 1913 nochmals in einer Unabhängigkeitserklärung gefestigt. Zudem sind auch in Europa und Asien ähnliche Prozesse einer Annektierung und Oberherrschaft über andere Staaten in der Neuzeit zu beobachten gewesen; z.B. mehrfache Teilung Polens, Jugoslawien, UdSSR und auch das osmanische Reich. Bei all diesen Fällen wurden existierende Staaten einer (Teil-) Annektierung oder (Teil-) Okkupation oder Suzeränität unterzogen. Heute haben wir wieder unabhängige Staaten in diesen Gebieten.

    Warum wird das einem ehemaligem unabhängigen Staat Tibet verwehrt, sogar historisch verleugnet, obwohl es Tibet nach Anwendung gleicher Maßstäbe auch zustünde, wenn es die tibetische Bevölkerung anstrebt? Sehr verwunderlich und geradezu entlarvend für die jetzige und auch bisherigen „kommunistischen“ Regierungen Chinas ist, daß man dort noch immer an imperialistischen Zielen des durch eine „Revolution“ vernichteten Kaisereiches bedingungslos festhält.

    Abschließend möchte ich noch hinzufügen, daß der Vergleich mit dem Kosovo auf jeder Ebene hinkt. Das Kosovo war noch nie ein unabhängiger Staat und zeichnet sich im Grunde auch nicht als eigener Staat aus. Allein schon die Bevölkerungsgruppen verhindern die Anwendung der Staatendefinition auf diese abtrünnige Provinz. Aber das würde jetzt in eine eigene Diskussion führen.

  4. 4 Butch Jonny 26. Juni 2008 um 14:01 Uhr

    jonathan,

    mag sein, dass meine informationen zur geschichte tibets recht dürftig sind. ich bin vielleicht auch nich so fit im völkerrecht und der herrschaftsgeschichte in der region tibet. jedoch tut die sogenannte exilregierung nix um dieses informationsdefizit zu beenden. der souveränitätanspruch ist auch in der tibetanischen bewegung durchaus umstritten. der dalai lama hat sich in diesm jahr zum beispiel dazu entschieden nicht mehr von „autonomie“ zu faseln. jetzt soll es NUR eine weitergehende autonomie geben. mit eigener regierung, eigenem politischem system, eigener verfassung, eigenem parlament… das wär dann glatt so, wie zur sogenannten mongolischen besetzung. oder auch während des chinesichen kaiserreiches…

    die tibetanische regierung besteht zum großen teil aus mönchen, die schon einmal hunger und unterdrückung über die bevölkerung tibets gebracht haben. sie dagen, dass sie dies nicht noch einmal tun würden, aber wer weiss schon, was mönchen so einfällt… die anderen mitglieder sind mitarbeiter (beamte) des dalai lama. deshalb darf diese exilregierung durchaus immer noch als theokratisch bezeichnet werden kann.

    das tibet, auf das sich der dalai lama bezieht beginnt ab 1578. er selbst sieht sich nicht in einer linie mit dem königreich. die tantrische herrscherkaste hat sich selbst gegen die weltlichen tibetanischen herrscher an die macht geputcht und wurde durch die mongolen unterstützt. eine wechselseitige anerkennung folgte. seitdem begann das tibetanische paradies auf erden, dass bis 1950 andauerte und wohl die strengste, ausbeuterischste und tödlichste theokratie in jüngster zeit war. ob der machfülle und intervention dieser herrscher, nach innen mit totaler autonomie ausgestattet, nach außen vom monoglischen reich vertreten UND geschützt, kriegt olle RATZE und der gesamte VATIKAN ganz bestimmt feuchte kutten.

    es läßt sich also schwerlich von einem staat reden. erstens hatte das uralte königreich tibet keine klaren grenzen. zweitens, es war ab dem 13. jhd unter mongloscher herrschaft, die erst im 20. jhd durch die republik abgelöst wurde. aber auch diesmal ließ die republik die buddhistischen sklavenhalter weiter walten. erst die sogenannte chinesische invasion – wahrscheinlich wirklich bolschewistisch imperialistisch angelegt – beendete den zustand der versklavung des tibetanischen volkes und begann einen kampf um die bildung… das heutige leben in tibet und überhaupt die idee eines freien individuums haben die chinesen gebracht, ganz bestimmt nicht die mönche!

    die völkerrechtliche einschätzung dieser problematik ist äußerst schwierig. ein „staat“ tibet gab es nie. ein königreich schon, das ist aber jahrhunderte her. im kosovo sieht es ähnlicha aus, wie eben auf dem ganzen balkan…

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