Widerlicher Antisemitismus an der Uni Göttingen

Israelische Opfer in München 1972 Vom 19.-21. Juni trafen sich Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen zum Thema Sportgeschichte erforschen und vermitteln. Dort sprach auch Arnd Krüger, Direktor des Sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Göttingen, und sonderte seine antisemitischen Verschwörungstheorien bezüglich des Attentats auf die Israelische Olympische Mannschaft 1972 durch ein Palästinenisches Kommando der Organisation des Schwarzen Septembers ab.

Er behauptet doch ernsthaft, dass die toten Sportler freiwillig und im Wissen um ein geplantes palästinesisches Attentat als Märtyrer in den Tod gingen. Ihr Beweggrund war, laut Krüger, den Bestand des Staates Israel zu sichern und die Schuld (und auch die Schulden) Deutschlands gegenüber dem Staat Israel zu verlängern. Diese abstruse Opferideologie ließe sich, so Krüger, an dem Körperverständnis im heutigen Israel ablesen, das sich in überdurchschnittlichen Abtreibungsraten und Respektlosigkeit gegen Behinderte wiederspiegeln soll.

Im Seitenwechsel, dem Hochschulsportmagazin der Universität Göttingen, hatte Arnd Krüger schon im April seine abstruse These publizistisch vertreten.


    Als die Attentäter in das Olympische Dorf eindrangen, flüchtete einer der Geher als letzter aus dem Israelischen Quartier über einen Balkon. Er hatte zentimeterdicke Brillengläser. Das heißt, er war praktisch blind ohne Brille. Und, wenn jemand, wie er flüchten konnte, hätte jeder flüchten können. Aber die anderen wollten nicht. Sie hatten sich freiwillig gemeldet und wussten, dass die Palästinenser kommen würden.

Diese Ansammlung blödsinniger Bausteine zur Konstruktion einer absurden These, die Verknüpfung dieser mit einer widerlichen (Menschen-) Opferideologie, die durch keinerlei Quellen belegt werden kann, läßt sich nur als antisemitisch beschreiben. Jüdische Opfer letztlich auf zionistische Machenschaften zurückzuführen, ist die Matrix von Antisemiten, die sich lediglich als Antizionisten maskieren.

Die Implementierung märtyrerhaften Verhaltens zur Wiederherstellung, Erhaltung und Rettung des jüdischen Israels hat in antijüdischen und antisemitischen Verschwörungstheorie Hochkonjunktur. Faschistische Revisionisten behaupten sogar, die Shoa wäre von zionistischen Juden inszeniert worden, um die Rückkehr der jüdischen Nation nach Israel zu ermöglichen / erzwingen. Einer ähnlichen, ekelhaften Logik folgt Arnd Krüger in seiner Konstruktion der israelischen Sportler als freiwillige Märtyrer für die zionistisch-jüdische Sache.

In dem Beitrag von Heuschreck gibt es eine Übersetzung eines Zeitungsartikels in dem Arnd Krüger sich gegenüber der linksliberalen, israelischen Zeitung HaAretz zu den Vorwürfen äußert.


    Er sagte, er sei 1972 als Journalist in München gewesen und er erinnere sich daran, dass Israelis ihm gesagt hatten, ihrer Meinung nach sei die Sicherheit im Olympischen Dorf nicht gut genug. Die Möglichkeit, dass das israelische Team die Wahl getroffen habe, das Dorf nicht zu verlassen obwohl es sich des Risikos bewusst gewesen sei, müsse geäußert werden, sagte Krüger. Krüger blieb bei seiner Aussage, der Grund dafür, dass einige der Sportler nicht davonliefen als die Terroristen hereinkamen, liege im Selbstopferungs-Ideal des israelischen Ethos.

Trotz dieser offensichtlichen Naziperspektive und der Anhäufung antizionistisch antijüdischer Vorstellungen will Arnd Krüger kein Antisemit sein. Behauptet er zumindest in einer Stellungnahme gegenüber der Uni Göttingen. Die historische, sportliche und sportwissenschaftliche Kontinuität dieses widerlichen Blödsinns erkennt der Lindwurm in seinem Beitrag zum Eklat und sieht den Urheber solcher Ideen im Antisemitismus des Turnvater Jahn und seiner gesunden Volkskörperhygiene, die Juden als unnütz und undeutsch ausschloß.

Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) distanziert sich zwar in Einzeläußerungen, zum Beispiel gegenüber dem Deutschlandfunk (als mp3), vehement von solchen abstrusen und abwegigen Theorien, ihr Sprecher für Sportgeschichte Michael Krüger lehnt in einem Offenen Brief die Äußerungen leider nur formalbürokratisch ab, kann sich aber nicht zu einer Verurteilung durchringen.

Der israelische Botschafter in Deutschland fordert ein scharfes Vorgehen der deutschen Politik und der Universität Göttingen gegen Arnd Krüger. Das dvs-Miglied Norbert Gißel und Ohrenzeuge des akademischen Schwachsinns fordert ebenfalls harte, universitäre Konsequenzen. Die Abberufung von Krüger von seinem Posten als Direktor des Sportwissenschaftlichen Instituts an der Uni Göttingen kann nur eine erster Schritt sein! Ziviler Ungehorsam, den die GAL Potsdam ablehnt, à la AStA Potsdam wär also wieder einmal angesagt!


1 Antwort auf „Widerlicher Antisemitismus an der Uni Göttingen“


  1. 1 Rakete Trackback am 26. Juli 2008 um 11:20 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.