Ja! Nein! A! Dann bleibt die Spree für alle da!

Spreeparade, 12. Juli 2008
Am gestrigen Samstag Nachmittag trafen sich circa 3.000 bis 3.500 um in der Wahlkampfabschlußparade der Initiative Mediaspree versenken ein Spreeufer für alle zu fordern und der wahlberechtigten Bevölkerung ihre Wahlempfehlung näher zu bringen.

Ab circa 15 Uhr trafen sich Leute aus verschiedenen Spektren, auch einige nicht unbedingt politisierte Zeitgenossen, auf der Warschauer Brücke in Berlin Friedrichshain. Die Parade-Lautis sammelten sich am Helsingforser Platz. Team Green verhielt sich trotz, oder besser aufgrund, massiver Präsenz zunächst zurückhaltend. Auffallend war, dass die Teilnehmer an der Parade von Beginn an, ohne die kleinste Andeutung einer möglichen Straftat abgefilmt wurden. Außerdem wurde ab circa 15:30 Uhr die Warschauer Straße für den durchfahrenden Verkehr von beiden Seiten der Brücke gesperrt. Des Weiteren wurde in die Helsingforser Straße eine Einlasskontrolle eingerichtet, die jedoch nur mäßig genutzt wurde. Der überwiegende Teil der Demonstranten sammelte sich auf der Warschauer Straße vor der Kette von Team Green und harrten der Dinge, die geschehen würden. Übrigens wurde auch an den Einlasskontrollen kräftig gefilmt.

Spreeparade, 12. Juli 2008
Weitere Bilder von der Spreeparade gibts hier.

Die Parade begann kurz vor vier. Aus der Revaler Straße kreuzte eine Pferdedroschke mit Romaband laut und feiernd die Warschauer Straße. Es waren zunächst circa 500, die nun die Wartenden zur Parade einluden. Die Stimmung des ersten Wagens – der Pferdedroschke mit Live-Band – animierte beeindruckend sich zu beteiligen. Schnell wuchs der Zug auf mehrere Tausend an. In der Modersohnstraße, die die Revaler mit der Stralauer verbindet, könnten es durchaus 4.000 Demonstranten gewesen sein.

Die Parade war bunt gemischt. Neben obligatorischem Schwarz war auffallend viel Buntes vertreten. Die Antimediaspree-Kremserfahrt hatte sich als fahrendes Volk – als Gaukler, Piraten, Prinzess_Innen, Teufel usw – verkleidet und propagierte ihre Wahlempfehlung rezitativ passend zur Musik. Danach folgte der Wagen der Antifaschistischen Linken Berlin, deren Musikmischung von HipHop, über israelischem Trash, russischem Balalaikaska bis zu italienischem Schlager reichte. Hier gab es auch Redebeiträge verschiedener Unterstützer. Herausgestochen hat hierbei die verbale Positionsbestimmung der Hedonistischen Internationale, die rhetorisch ausgezeichnet und literarisch wertvoll Stellung gegen kapitalistische Verwertungslogik in der Kultur und überall bezog. Hat mir sehr gefallen!

Danach folgte der Wagen (vermutlich) von den Internationalen KommunistInnen oder der Initiative Mediaspree versenken. Nach Ihnen band die Hedonistische Internationale massig hippes Partyvolk, dass gewohnt entrückt und stilsicher dem alternativen, elektronischen Musikgenuß fröhnte. An der Oberbaumbrücke wartete auf diesen basslastigen Wagen ein Schiff mit weiteren Partyvolk, das sich diesem Block anschloß. Den Abschluß bildete ein weiterer Wagen mir unbekannter Aktivisten.

Spreeparade, 12. Juli 2008

Die Parade war ein sehr imposanter Abschluß des Wahlkampfes zum heutigen Bürgerentscheid im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Schon allein ihre Ankündigung sorgte für einiges an medialem Echo. Der rbb verortet den Protest in einem recht wohlwollendem Beitrag, der auch auf die Inhalte der Kritik verweist, in der bunten Zwischenkultur der Strandbars, Trödelmärkte und Clubs. Sogar der Tagesspiegel bescheinigt den Mediaspree-Gegner Kreativität gegen die Investoren. Die taz entdeckt sogar einen Kampf um die Stadt, weil sowohl die Linke als auch die Grünen für das Mediaspree Projekt sind. Die SPD dagegen ist sich uneins.

Franz Schulz, der grüne Bürgermeister des betroffenen Bezirks, phantasierte sich in einem Interview mit dem Tagesspiegel etwas von große Flächen, die teilweise über Jahrhunderte der Öffentlichkeit vorenthalten waren, so wie etwa der Osthafen oder das Postareal. Dieses 180 Hektar große Areal, diese ungenutzt und unverwerteten Flächen sollen mit Leben gefüllt und zu urbanen Quartieren ausgebaut werden. Mit letzterem sind Luxuslofts, Bürotürme und gnädigerweise ein 10 m breiter Fußweg am Wasser entlang gemeint. So würde dann auch gewährleistet, dass endlich die Öffentlichkeit, aber neoliberal selbstverständlich und kapitalistisch notwendig nur die zahlungskräftige, die Brachen wiederbesetzt. Die zu schaffenden Arbeitsplätze sind auch eher für billig prekäre Dienstleistungssklaven, eben keine existenzsichernden Beschäftigungen.

Freiräume

In einem Interview mit der jungen Welt beschreibt Henrik Haffki, Koordinator im Netzwerk Abriß Berlin und auch bei Mediaspree versenken aktiv, wie Bestrebungen um eine Bürgerbeteiligung bei der Planung des Mediaspee Projektes durch die Landespolitik von links bis zur sogenannten Sozialdemokratie mit Inbrunst torpediert wurden.


    Die Dialektik der Partei Die Linke ist angesichts massiver sozialer Verwerfungen und Privatisierungen erneut preisverdächtig. Problembewußtsein und Informationsstand sind denkbar gering. Es habe „genug Bürgerbeteiligung“ gegeben. Nie wird die große Ablehnung erwähnt. Die SPD taktiert und empfiehlt, das zuzubilligen, was kein Geld kostet. Bis in die letzte Minute hinein wurde aber der Arm gehoben, um Pläne durchzuboxen. Die Grünen bekennen Farbe: Stadtklima, Gesundheit und Ökologie sind egal, für Autolawinen gibt es neue Schneisen, die Verdrängung der Bevölkerung wird gar begrüßt. Es soll „ein neuer Stadtteil für neue Leute“ entstehen.

Aufgrund dieses bürgerlichen Durcheinanders, das bestimmt nix Gutes bedeutet, sondern wahrscheinlich für Verwirrung sorgen soll, damit die Pläne – nachdem Gras über die Aufregung gewachsen ist – doch komplett durchgewunken (oder doch gehoben) werden können. Um so wichtiger war es, dass die Spreeparade so viele verschiedene Spektren verband und so massiv und fröhlich Protest artikulierte! Aber, damit das auch bei den Herren Politikern ankommt, gilt heute . . .

JA!
Nein!
A!


7 Antworten auf „Ja! Nein! A! Dann bleibt die Spree für alle da!“


  1. 1 kuba 13. Juli 2008 um 15:10 Uhr

    super demo!!!
    nur das pferde den lauti (kutsche) ziehen mussten fand ich ehrlich gesagt überhaupt nicht in ordnung!

  2. 2 Keta Minelli 13. Juli 2008 um 16:05 Uhr

    Ökologischer war es allemal.

  3. 3 LucaPinoRelli 13. Juli 2008 um 16:35 Uhr

    ich weiß nicht inwieweit die pferde sowas gewöhnt sind. wenn sie öfter kremser-fahrten machen – das soll in berlin ja durchaus zum brauchtum gehören – dann werden die das schon abkönnen. die musik fand ich im übrigen super. nur kurzzeitig auf der modersohnstraße wurde es mir dann doch zu elektronisch! aber ne tolle idee mit der live-band, echt super!

    … und ökologischer wars wirklich, als die generatoren zu befeuern. der hinweis ist durchaus zu beachten!

  4. 4 kuba 13. Juli 2008 um 18:33 Uhr

    pferde gehören auf die wiese und auf keine kremser-fahrten oder so!
    also ich weiß nicht, ob sich ein pferd an laute musik und viele menschen gewöhnen kann!?
    und die ausrede mit dem ökologisch ist doch wohl echt ein witz….
    genug gesagt.
    bin schon auf die ersten ergebnisse gespannt.

  5. 5 Thomas 13. Juli 2008 um 21:50 Uhr

    Pferde gehören in der Tat nicht auf eine Demo, dennoch sind das jene Tiere, die von den Menschen noch am besten behandelt werden. Andere Tiere werden lebenslang in Käfige gesteckt oder in Massentierhaltung zwecks Fleischerzeugung gehalten.
    Dem Tierschutz ist mehr geholfen, würde man Vegetarier werden. Über Pferde auf einer Demo kann man sich dann danach aufregen.

  6. 6 LucaPinoRelli 13. Juli 2008 um 22:28 Uhr

    hallo jungs! in diesem beitrag gehts um mediaspree! es geht um eine echt super spreeparade zum abschluß des wahlkampfes zum bürgerbegehren spreeufer für alle. das bürgerbegehren wurde mit 87 prozent grad gewonnen… wat diskutiert ihr den hier von den pferden! den gings gut. die haben schicke musik gehört. nette menschen haben um sie herum getanzt. sie wurden schön gestreichelt. ich an ihrer stelle hätte mich gefreut… also! 2:0 für uns! um animal rights wird woanders gekämpft.

  1. 1 Mediaspree erfolgreich torpediert! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 14. Juli 2008 um 13:12 Uhr
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