Besucherbetreuung bleibt! Komplett! Fast existenzsichernd!

Kundegebung 19. Juni zur Stiftungsratssitzung Die Besucherbetreuung im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) scheint gerettet! Wie erst jetzt bekannt wurde, existiert seit 27. Juni eine Absprache zwischen Senat, Museumsleitung, Betriebsrat und ver.di, wonach studentische Mitarbeiter_Innen, die länger als zwei Jahre bei der T&M Technik und Museum Marketing GmbH (T&M) beschäftigt sind, unbefristete Verträge erhalten, Neueinstellungen grundsätzlich auf zwei Jahre begrenzt und alle noch laufenden Verfahren vor Arbeitsgerichten eingestellt werden. Außerdem wird zukünftig ein Stundenlohn von 7,80 EUR gezahlt. Fragt sich nur, warum diese erfreuliche Absprache erst zwei Monate später veröffentlicht wird und es in dieser Zeit keinerlei Bestreben gab, diese durchzusetzen.

In der Sitzung des Ausschußes für Kulturelle Angelegenheiten des Berliner Abgeordnetenhauses am 30. Juni erwähnt der verantwortliche Staatssekretär André Schmitz äußerst interessante Eckdaten zu einer Absprache zwischen Senat, Museumsleitung und Arbeitnehmer_Innenvertretern. Die Protokolle der Sitzung sind erst jetzt online einsehbar. Das Wortprotokoll der Sitzung kann als pdf-Datei runtergeladen werden. Die Passage zum Technikmuseum beginnt ab Seite 3. Auf die Frage, ob


    der Regierende Bürgermeister die Praxis des Deutschen Technikmuseums Berlin, qualifizierte BesucherbetreuerInnen durch Leiharbeiter einer Sicherheitsfirma zu ersetzen, für zukunftsfähige Personalpolitik eines öffentlich geförderten Kulturbetriebs hält und wenn nicht, welche Schritte er in der Stiftungsratssitzung des Deutschen Technikmuseums am 19. Juni 2008 gegen diese Praxis eingeleitet hat?

Die Antwort auf diese durchaus komplex formulierte Anfrage, die sowohl die Zukunft der studentischen Beschäftigten als auch die Qualität der Besucherbetreuung betrifft, sind zugleich äußerst erfreulich, werfen aber auch einige Fragen auf.

Schmitz äußert, dass er sich vor der Stiftungsratssitzung des DTMB am 19. Juni mit dem Betriebsrat der T&M und Vertretern von ver.di getroffen hat. Es wurde für circa eine Woche später ein Treffen mit der Museumsleitung / Geschäftsführung vereinbart. Am 27. Juni – nicht am 27. Mai – trafen sich die schon erwähnten Beteiligten und einigten sich auf folgenden Kompromiß.


    Die studentischen Mitarbeiter, die länger als zwei Jahre bei der GmbH beschäftigt gewesen seien, erhielten unbefristete Verträge. Alle Neueinstellungen würden grundsätzlich von vornherein auf zwei Jahre begrenzt und alle noch laufenden Verfahren vor den Arbeitsgerichten eingestellt.

Auf die Zukunft der Beschäftigung von Leiharbeitern der Sicherheitsfirma Securitas angesprochen, bestätigt Schmitz das die Beschäftigung der Securityleute Ende August ausläuft. Ganz besonders erstaunlich und äußerst erfreulich ist aber der zukünftig anvisierte Stundenlohn. Der soll sich nämlich auf 7,80 EUR, also um unglaubliche 30 %, erhöhen.

In einem Interview mit der jungen Welt veröffentlichte der ver.di-Sekretär Jürgen Stahl die Absprache mit der Geschäftsleitung, lobte den erfolgreichen Protest im Technikmuseum und feierte den Erfolg. Dies war circa 14 Tage nach der Absprache.

Der Betriebsrat blieb seit dem 16. Juni stumm. Er gab keinerlei Erklärungen über die Absprache mit der Geschäftsleitung um Dirk Böndel ab. Auch nachdem dieser die Vereinbarungen sukzessive brach. So wurden zum Beispiel nicht alle Verträge verlängert. Das größte Problem war hierbei die Verlängerung in unbefristete Verträge.

Sehr viel unverschämter ist aber der Umgang der Geschäftsführung mit den klagenden Besucherbetreuer_Innen. Diese wurden und werden permanent unter Druck gesetzt. Einige der Betroffenen sehen sich gezwungen auf ihr Recht, das ihnen in der ersten Instanz zugesprochen wurde, aufgrund existenziellen Drucks zu verzichten. Die finanzielle Ausstattung der T&M erlaubt der Geschäftsführung auf Zeit zu spielen und juristische Auseinandersetzungen beliebig lange zu verschleppen. An Absprachen fühlen sich die Führungskräfte um Böndel offensichtlich nicht gebunden. Des Weiteren fühlt sich der Betriebsrat für die klagenden Besucherbetreuer_Innen nicht zuständig und verwehrt ihnen die Unterstützung. Diese bleiben auf sich alleingestellt und müssen sich individuell verteidigen. Somit sind sowohl die Geschäftsführung, als auch der Betriebsrat der T&M unmittelbar für die Entrechtung der klagenden Besucherbetreuer_Innen verantwortlich.

Aber nicht nur sie sind der Willkür von Böndel und seinen Anwälten ausgesetzt. Der Arbeitgeber verzögert, verschleppt und bricht bewußt die Vereinbarung vom 27. Juni. Die Arbeitnehmer_Innen-Vertretung duldet dies ohne den schon einmal erfolgreichen, öffentlichkeitswirksame Protest. Die Taktik der Geschäftsführung ist hierbei bewußte und unbewußte Kompetenzunklarheiten zwischen Prokurist und Geschäftsführer. Außerdem findet durch die Museumsleitung faktisch keinerlei Kommunikation zu ihren Beschäftigten statt. Jede_r Besucherbetreuer_In muß sich selbstständig einen Vertrag erbetteln. Des Weiteren gelang es der Geschäftsführung, die Belegschaft zu spalten und zu individualisieren. Die kämpferische und erfolgreiche Einheit der Besucherbetreuer_Innen konnte so zunehmend erfolgreich zerstört werden.

Gegenüber offener Kritik bleibt der Betriebsrat verschlossen. Er wünscht, genauso wenig wie die Geschäftsführung der T&M GmbH, keinerlei Öffentlichkeit! Die Arbeit dieses Blogs wird neuerdings auch vom Betriebsrat durchgehend kritisch gesehen und explizit abgelehnt. Ich wurde von Seiten des Betriebsrates als linkmilitante Scheiße tituliert, was ich zugegebenerweise auch bin und deshalb nicht unbedingt als Beleidigung auffaße. Die ebenfalls geäußerte Analogie mit der bürgerlichen Springerpresse dagegen hat mich persönlich sehr getroffen! Einerseits adelt dieser Vergleich mich und diesen Blog zwar als manipulatives Organ mit mächtigem Wirkungsradius, andererseits will ich keinesfalls bürgerlich sein, sondern lieber linksmilitant manipulieren!

Ich hoffe trotzdem für alle Besucherbetreuer_Innen – ich schließe hierbei explizit niemanden, der seit Herbst 2007 nicht verlängerten Beschäftigten aus – dass sich die Situation im Technikmuseum entspannt und der Betriebsfrieden nach beinah einem Jahr Arbeitskampf endgültig wiederhergestellt werden kann. Die politische Durchsetzung der Absprache vom 27. Juni muß nun endgültig forciert werden. Es darf keinerlei Aufschub geben! Jedoch bezweifle ich, dass dies mit dieser Geschäftsführung und dieser Arbeitnehmer_Innen-Vertretung möglich ist.


2 Antworten auf „Besucherbetreuung bleibt! Komplett! Fast existenzsichernd!“


  1. 1 Thomas 30. August 2008 um 21:11 Uhr

    Na ja, Scheiße sind wir ja üblicherweise nicht und über das linksmilitant müsste man diskutieren.

    Den Erfolg finde ich außerordentlich erfreulich. Ich wüsste da noch einige studentliche Arbeitsplätze, wo ich mir ähnliches erhoffen würde. Zum Beispiel in manchem Call Center. Aber an feste Arbeitsverträge und deutliche Lohnerhöhungen glaubt ja heutzutage kaum ein Prekärer mehr.

  2. 2 Machnow 30. August 2008 um 22:18 Uhr

    Als Scheiße würde ich mich wahrscheinlich ebenfalls nicht unbedingt betiteln. Da wäre vielleicht eine persönliche Beleidung zu finden. Aber linksmilitan – was immer das auch im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen bedeutet – würde ich mich schon bezeichnen. Links sowieso und militant im Sinne von fies & gemein und vor allem penetrant medienaktionistisch…

    Der Erfolg ist aber noch nicht eingefahren. Bisher gibts nichtmal gutes Pressing an der Strafraumgrenze, sondern lediglich eine ideele Überlegenheit, die nun auch wirklich zählbar umgesetzt werden muss.

    Naja, ansonsten gibts natürlich betreffs Abschaffung prekärer Arbeitssituationen noch einiges zu tun. Auch in Call Centern! Der neue T&M-Stundenlohn sollte nur der Anfang nicht das Ende von Lohnzuwächsen sein!

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