Siamo tutti Abba! Wir sind alle Abba!

Abdul Guibre Am Sonntag morgen, den 14. September, wurde der 19-Jährige Abdul Abba Guibre, dessen Eltern aus Burkina Faso nach Italien immigrierten, in Mailand von Fausto und Daniele Cristofoli erschlagen. Sie behaupten, dass er und zwei seiner Freunde in ihrer Bar Shining Kekse (oder alternativ auch Geld) gestohlen hätten. Drecksneger, Scheißneger, wir bringen euch um, schrien die beiden Mörder. Rassismus war ihr Motiv, nicht ein konstruierter Raub!

Am Mittwoch, den 17. September, trafen sich Student_Innen, Migrant_Innen und Mailänder Bürger_Innen zu einer antirassistischen Demonstration um die Vertuschung der Tat zu thematisieren. Denn die Polizei geht nicht von einem rassistisch motivierten Totschlag aus. Sie sprechen von einem gewöhnlichem Streit, der entgleist sei. Jedoch glaubt dies nicht einmal die Mailänder Bürgermeisterin Letizia Moratti, die zum Berlusconilager gehört. Piero Fassino, Spitzenpolitiker der Partito Democratico (DP) geht da noch weiter. Er greift die Berlusconi Regierung und ihre fremdenfeinliche Politik offen an und macht sie folgerichtig zu den geistigen Mördern, die erst die Atmosphäre für diese Tat schufen. Er vergißt nur, da0 seine eigene Partei ebenfalls nicht zimperlich in Punkto Sicherheits- udn Migrationspolitik ist.


    Mögen diejenigen reflektieren, die täglich hysterische Angst vor den Immigranten verbreiten, mögen sie sich Rechenschaft darüber ablegen, welch furchtbare Verantwortung all die auf sich laden, die jeden Immigranten als Gefahr und als Feind hinstellen und so ein Klima des Hasses schaffen, in dem jede Horrortat möglich wird.

Als die Demonstration am Mitwoch den Ort des Mordes von Abba erreichte, wurden die Anwohner_Innen aufgefordert, daß diejenigen, die etwas gesehen hätten, endlich reden sollten. Vor der Bar Shining wurden, laut Unità, zwei Eimer weißer Farbe ausgekippt und der Laden mit Glasflaschen angegriffen.


Weitere Bilder gibt es bei infoaut.

Die Bar Shining bleibt weiterhin geschlossen. Der Inhaber der Fausto Cristofoli (51) und sein Sohn Daniele (31), bleiben, laut einer richterlichen Entscheidung am Montag, weiter in Untersuchungshaft. Die Richter bezweifeln die Version der Totschläger und halten den konstruierten Raub für eine Schutzbehauptung. Außerdem lägen gegenteilige Ermittlungserkenntnisse der Polizei vor, welche die Version von Vater und Sohn wiederlegen.

Der Mord und der Tathergang scheint unstrittig, jedoch wird von offizieller Seite und aus der Familie der Täter bestritten, daß es sich um eine rassistische Tat handelt. Vor allem die Ehefrau Cristofoli bezweifelt dies. Auch die Polizei geht lediglich von einem eskaliertem Streit aus. Jedoch ist der rassistische Hintergrund recht eindeutig.

Manifestazione Milano 17. September '08

Am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr betrat Abdul und zwei seiner Freunde die Bar Shining. Als sie wieder gingen, war der Sohn des Inhabers davon überzeugt, daß sie Kekse oder Geld gestohlen hätten. Er verfolgte sie mit einer Eisenstange. Der Vater kam hinterher um seinen Sohn zu unterstützen, auch mit einer Eisenstange bewaffnet. Beide überfielen die Dreiergruppe regelrecht und schlug auf sie ein. Ihr Diebe, schrien sie. Wir bringen Euch dreckigen Neger um, kennzeichnet die Tat als rassistischen Mord. Ihr Neger sind scheiße bestätigt die Motivation und läßt keine Fragen offen. Dies war eindeutig ein rassistischer Übergriff, der töten sollte! Aus diesem Grund sind die Eltern von Abba völlig verängstigt abgetaucht. Dies ist nicht verwunderlich und die Angst berechtigt. In der reichsten Stadt herrscht eine fremdenfeinliche Atmosphäre, denn links und rechts reichen sich im gemeinsamen Kampf um Sicherheit und gegen die Armen der Stadt bereitwillig die Hände.

Abdul 'Abba' Guibre

Dagegen steht die Reaktion eines enttäuschten Gast in Italien, eines langjährigen Bürgers Mailands, eines Arbeiters und vor allem eines am Boden zerstörten Vaters, dem der geliebte Sohn mit Gewalt genommen wurde. Assane Guibre ist am Ende.


    Ich bin ein Mensch und keine Machine. Ich gehe täglich zur Arbeit und kehre abends nach Hause zurück, Jahr für Jahr läuft es so. Dies ist mein Leben. Schon seit dreißig Jahren lebe ich in Italien. Ich arbeite in einer Fabrik, die Kräne baut, bei Siag in Cernusco. Und am 23. Juli war ich nicht nett. Wir sind aus Burkino-Faso, aus dem Ort Gnagho, aber mein Sohn ist Italiener. Er war jung, ging des Öfteren aus. Aber er rauchte nicht, trank nicht. Er hatte eine Freundin. Und wissen sie, worüber wir am 23igsten, als ich meinen Sohn das letzte Mal sah, gesprochen haben? Über die Arbeit . . .

Die Beerdigung von Abba wird am folgenden Samstag oder Montag stattfinden. Vermutlich werden sich sehr viele Mailänder Bürger_Innen am Trauerzug beteiligen um ein Zeichen gegen Rassenhaß und Fremdenfeinlichkeit zu setzen.