Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Vorwärts SPD für ein freies Deutschland, 1945 Kurz vor der Klausurtagung agiert die Linke in der SPD, wie schon lange nicht mehr, offensiv und fordert in ihrem Brief der 60 eine Abkehr von der Agenda-Politik. Damit werden erstmals offen die Gemeinsamkeiten mit der Linken offenbar. Der rechte Flügel reagiert prompt. Beck wird gemeuchelt, Ypsilanti verarscht und Münte als Vorsitzender undemokratisch in einer spektakulären Investiturperformance als Papst, äh, Vorsitzender präsentiert. Und schon war Schluß mit der Hoffnung auf ein mehr an Arbeiterpartei und weniger Basta Politik!

    Die Untat der deutschen, zur Macht gekommenen Sozialdemokratie war der Verrat und der Totschlag ihrer eigenen Brüder und liegt bis heute wie eine Art Erbsünde auf der Partei – in vermeintlich friedlichen Zeiten sieht das ganze eben lediglich wie ein Charakterfehler aus. Und um an die Macht zu kommen, meucheln sie dann eben auch intern alles nieder, was ihnen im Weg steht. Und sie tun das alles mit gewohnter leichter Hand, mit der sie auch dem Kapital den Weg in die Globalisierung unter Ausverkauf der Rechte ihrer angeblich ureigensten Klientel ebneten, mit der sie, nachdem Kohl sich nicht getraut hatte, eine zweites Mal in einem Jahrhundert – mit grüner Beihilfe – Deutschland Belgrad bombardieren ließen (= Kriegskredite bewilligten).
    Fred König (ak 531, S. 10)

Der ganze Artikel ist mit Der Spießerputsch vom Schwielowsee übertitelt und er zeichnet eindrucksvoll die blutige Spur der SPD Oberen nach, die niemals davor zurück schreckten Arbeiter_Innen, Gewerkschafter_Innen, Künstlerin_Innen oder andere Revolutionär_Innen zu verraten, sie gewissenlos zu meucheln und ihre Interessen aber auch gar nicht zu vertreten. König zitiert Tucholsky. Mir fällt merkwürdigerweise bei der SPD immer nur das Lied vom Kompromiß – Text übrigens ebenfalls vom bissigen Tucholsky – oder Der Revoluzzer, Erich Mühsams Ode an die Sozialdemokratie, ein.

Im letzten Freitag wundert sich Michael Jäger, daß der linke Flügel in der SPD – falls es den überhaupt noch gibt – sich gar nicht gegen die ignorante Inthronisierung Münteferings, ohne jede demokratische Einflußnahme durch die Parteibasis, wehrt. Lediglich die Jusos machen spektrenübergreifend mobil. Sie sagen Nie wieder Basta und über zweihundert stimmen ihnen seit fast einer Woche zu. Da müßte eigentlich noch mehr drin sein!

Den Zeitpunkt des Putsches hat Jäger übrigens auch im Auge. Er meint, daß es vor allem um die Verhinderung einer SPD geführten Landesregierung unter Duldung der Linken in Hessen ging. Dies kann durchaus als Weiterdenken der Thesen von Georg Fülberth gelesen werden (ebenfalls im Freitag erschienen). Denn jener erkennt ein Rechts um! im Vorgehen der Clique um Steinmeier – dem ersten Androiden in der Politik – Müntefering und den anderen Seeheimern. Daß die Parteibasis ein paar Berührungsängste mit dem neuen Meuchelsturm in der SPD hat und angesichts der inhaltlichen Beliebigkeit nicht so recht an einen Sieg bei der nächsten Bundestagswahl glauben kann, beweist das folgende Video.


via fenster nach draußen

Ich würde die Partei einfach auflösen. Die rechten sollen zur CDU gehen. Die bürgerlicheren Intelektuell_Innen sind bestimmt bei den Grünen ganz gut aufgehoben. Die idealistischen Restgewerkschafter_Innen und traditionellen, linken Arbeiterpolitiker_Innen sollten es ihrem charismatischen 90iger Jahre Vorsitzenden nachtun und den Weg in die Linke antreten. Die hat sich schon soweit sozialdemokratisiert, daß der Unterschied zur SPD nur dadurch gewahrt bleibt, weil diese nach rechts gerückt ist. Wer braucht schon diese SPD. Also, ich nicht!


2 Antworten auf „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“


  1. 1 brib 23. September 2008 um 16:25 Uhr

    Ich würde für eine Vereinigung von rest SPD und CDU zu „Die Mitte“ auch ganz gut finden. Würde aufjedenfall alles etwas Übersichtlicher machen ;)

  2. 2 Machnow 23. September 2008 um 16:34 Uhr

    die CSU könnte dann schlicht und einfach Die Bayern heißen. da gibts doch eigentlich gar keine andere parteien, oder? die fdp & die grünen verbinden sich dann zu Die Bürgerlichen… wär wirklich alles etwas einfacher. :-)

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