Schön wärs!

Die linke BILD ist geboren

Ralph Bollmann mag in Sachen Parlamentsintrigen recht gut informiert sein, aber die politische Theorie scheint ihm nicht gerade so geläufig. Bayern und die gegenwärtigen Zustände dort nur ansatzweise mit Anarchie in Zusammenhang zu bringen, zeugt schon von einer mächtigen bürgerlichen Verdummung und unreflektiertem Umgang mit politischen Klischees. Mit Bollmann sind nun nicht mehr nur die RAFler Anarchisten, sondern auch die CSU Spitze.

Im Übrigen hätte die Bildzeitung keinen Besseren Aufmacher finden können. Der wäre dann wahrscheinlich eher auf den (nun doch nicht passierten) Einzug der Linkspartei gemünzt, an intelektuellem Blödsinn käme dies dem taz Aufmacher aber recht nahe. Natürlich würde die Bild nicht von Münchener Implosionen schreiben oder anderweitig auf den eigenen Leuten publizistisch rumprügeln. Sie suchen sich dann schon lieber den Ehebrecher Seehofer aus, der nun leider aber Tabu ist, denn offiziell ist er kein Ehebrecher mehr.

Die taz darf natürlich jetzt erst recht ordentlich raufhauen. Bollmann tut dies recht zaghaft. Scheinbar meint er aber, daß der Vorwurf einer vermeintlichen Anarchie in Bayern der CSU so richtig den Hintern versohlt. Was er aber nicht merkt ist, daß er mit dieser Perspektive und der Wahl dieses parlamentarischen, bolschewistischen und überhaupt bürgerlichen Schreckgespenst vorzüglich in jeden politischen Diskurs jenseits emanzipatorischer, oder einfacher gesagt, linker Politik paßt.

Bollmann bemüht das unsäglich Schlimmste – die Anarchie – um den politischen Gegner zu beleidigen. Er schreibt aus der parlamentarischen Sicht. Er nutzt das bürgerliche Klischee. Er träumt sich in eine kritische Masse jenseits der CDU, glaubt bei den Grünen angekommen zu sein, obwohl er mitten unter den Mitteaposteln steht – ob nun in der CDU / CSU oder in der SPD.

Ralph Bollmann paßt super in die bürgerliche Welt. Da ist sie nun nach 30 Jahren Bestehen endgültig angekommen, die ehemals kollektive, ungemütliche, kritische, durch und durch bürgerliche tageszeitung.


4 Antworten auf „Schön wärs!“


  1. 1 Ich 03. Oktober 2008 um 20:02 Uhr

    Du weißt aber schon, was eine taz-Überschrift im Allgemeinen ausmacht?

  2. 2 Machnow 03. Oktober 2008 um 23:44 Uhr

    ich lese selten bürgerliche zeitschriften. ich halt da eher mit linker propaganda…

  3. 3 Thomas 04. Oktober 2008 um 17:37 Uhr

    Wirklich schlimm finde ich eher deinen Artikel. Das klingt alles sehr weinerlich von dir, bloß weil da die geliebte Anarchie in einem falschen Zusammenhang verwendet wurde. Dabei wird einfach nur ironisch auf das Pöstchengeschacher in der CSU-Spitze angespielt. Da waren wohl leider deine Ironie-Sensoren ausgefallen.
    Das „Beste“ hast du in deinem Artikel am Ende gebracht: Nach 30 Jahren (welch Pathos!) soll die taz jetzt bei den bösen bürgerlichen von CDU/CSU angekommen sein, weil sie die CSU politik-theoretisch falsch verarscht hat… aha.

  4. 4 Machnow 04. Oktober 2008 um 21:36 Uhr

    der besprochene artikel in der taz ist nicht mal ansatzweise ironisch. er bezieht sich auf eine budespolitik, um die es bei der wahl nun wirklich nicht ging. die konservatriven haben immer noch die meisten stimmen. sie sind nur besser verteilt.

    wenn ein politischer kommentator impolsionen sehen mächte, dann hätte er sich nicht den „Spagat zwischen Bundes- und Landespolitik“ anschauen sollen, sondern die wut und unzufriedenheit der basis. daran hat bollmann nich‘ ansatzweise gedacht. er denkt nur aus dem aquarium zwischen friedrichstrasse und kanzleramt. dieses eigene parlamentarische universum hat bollmann vollends angepaßt und seine perspektive bürokratisch verkleistert…

    noch schlimmer is‘, daß der aufmacher nich‘ mal mehr im text auftaucht. es gibt keinen hnweis auf anarchie in den ‚implosionen‘. der aufmacher + kommentar sind weder orginell, noch kreativ. sie sind nicht ironisch, sondern leeres politikgefasel. die überschrift ‚anarchie in bayern‘ mit einem bild aus dem wahlstudio zu verknüpfen oder mit einer impression auf dem oktoberfest. vielleicht punks, hiphopper oder linke im bierzelt.

    ps. der letzte ach so pathetische absatz von mir is‘ wirklich nicht so gut. sollte eigentlich ironisch sein. kam nich an. ich werd mich bessern ;-)

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