Bildungsproteste in Italien

Zehntausende Schüler_innen, Lehrer_innen und Student_innen gingen an den vergangenen Tagen in den Großstädten Italiens auf die Straße. Sie protestierten gegen das Legge Gelmini, das massiven Druck auf die öffentlichen Bildungseinrichtungen ausübt. So sollen 8 Mrd Euro eingespart werden. In Mailand gab es Polizeiübergriffe auf die jugendlichen Demonstranten. Doch der Protest geht weiter! Der Höhepunkt wird der landesweite Schulstreik am 30. Oktober sein.

In Rom zogen 250.000 durch die Straßen. Die Universitäten sind beinah komplett besetzt. Streiks und Aufmärsche legen den Lehrbetrieb lahm. In Mailand sollen es 50.000 gewesen sein. In Livorno gingen 8.000 Demonstrant_innen auf die Straße. Weiteren Protest gab es in Neapel, in Florenz, Pisa, Siena, in Bari, in Triest, in Genua, in Turin, in Bologna, in Palermo und in der Toskana. Die Lehrer_innen protestieren still mit Trauerflor.

Kurz gesagt, das ganze Land war und ist auf den Beinen. In jeder größeren Stadt formiert sich bunter Widerstand gegen das Legge Gelmini. In vielen Städten sind die Universitäten besetzt. Seminare werden an öffentlichen Orten abgehalten. In Turin wurde der Bahnverkehr blockiert. Am milaneser Bahnhof Cadorna griff die Polizei die Demonstration mit Schlagstöcken und Tränengas an. Die Demonstranten hatten versucht eine Polizeikette zu durchbrechen.



weitere Turin Bilder

Eine spektrenübergreifende Massenbewegung ist entstanden. Die Eltern – die alten 68er – unterstützen ihre Kinder auf der Straße. Gewerkschafter_innen, Unternehmer_innen, Schüler_innen, Linksradikale, Student_innen, Dozent_innen demonstrieren gemeinsam und sie respektieren die verschiedenen Aktionsformen erstaunlich einmütig gegen die italienische Bildungsministerin Mariastella Gelmini, neuerdings auch Beata Ignoranza genannt.

Die Reform soll das als links verschriene Bildungssystem komplett umkrempeln. An den Universitäten werden in den nächsten fünf Jahren 1,5 Mrd. Euro gestrichen. Mehr als 130.000 Lehrer- und Verwaltungsstellen sind bedroht. 4.000 Schulen sollen ganz geschlossen werden.

Außerdem hat die ehemalige Forza-Italia-Koordinatorin der Lombardei sehr spezielle Vorstellungen, wie es in einer Schule abzulaufen hat. Sie möchte hübsche Schuluniformen einführen. Außerdem soll ein unspezifizierter, das heißt nicht speziell geschulter, Klassenlehrer die Knirpse in der Grundschule überwachen. Später sollen Kopfnoten die Konditionierung zu angepaßtem Verhalten gewährleisten. Kein Wunder, daß sich jede_r und überhaupt alle gegen diese Gängelung wehren.



Weitere Bilder aus Mailand

Der Höhepunkt der Proteste wird der landesweite Streik am 30. Oktober sein! Das gesamte öffentliche Leben soll lahmgelegt werden. Universitäten, Schulen, Verwaltungen und wahrscheinlich solidarische andere Berufszweige wollen sich beteiligen!



via senza soste und bollettini antifa


1 Antwort auf „Bildungsproteste in Italien“


  1. 1 No Nation! No Border! Fight law & Order! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 30. Mai 2009 um 15:24 Uhr
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