Und das war im Oktober . . .


Gestern war ein Jahrestag. Die rote Revolution jährte sich zum 91. Mal. Das kaum jemand dies zur Kenntnis nahm, verwundert eigentlich nicht sonderlich. Die soziale Bewegung scheint heute soweit weg von der Revolution, wie noch nie. Auch wenn durchaus nachvollziehbar behauptet werden kann, daß die Zeiten von Aufständen vorbei sind, so ernüchtert die Abwesenheit einer zielgerichteten Bewegung zur Abschaffung des Kapitalismus doch sehr.

Seit Jahren werden soziale Strukturen verschärft. Alternative Projekte sind ebenfalls seit Jahren unter Beschuß. Der Druck auf breite Schichten der Gesellschaft wird permanent erhöht. Der Staat weicht die Grenzen zwischen Polizei und Armee auf und befördert so die Militarisierung des Alltags. Antifas werden von Nazis getötet. In Italien sitzen sie in Rathäusern. Es ist keine Schande mehr sich selbst Faschist zu nennen.

Auf der anderen Seite kommt es vermehrt zu längeren Arbeitskämpfen. Beinah jede Branche war in den letzten Jahren betroffen. Die Eisenbahner lehrten die Bahnbossen das Fürchten. Mit dem Strike Bike konnte eine Werksbesetzung erfolgreich Arbeitsplätze retten. Die Ärtzte mobilisierten erfolgreich zehntausende zu einer Demonstration.

Trotz dieser massiven Bewegung blieb aber jeder Streik merkwürdig isoliert. Solidarische Arbeitsniederlegungen gab es kaum. Die großen Gewerkschaften taten ihr Übriges um die (bürgerliche) Kontrolle über ihre Maßnahmen zu behalten. Schließlich mußten ihre Pöstchen in der Firmenvorständen, Aufsichtsräten und den Betriebsgremien gesichert bleiben. Nicht zum Schutz der Arbeiter_innen, sondern um ihre persönlichen Pfründe nicht zu verlieren. In der aktuellen Analyse & Kritik beschäftigt sich die Gruppe Blauer Montag mit diesem Phänomen, kann aber wenig brauchbares und Kämpferisches beitragen.

Die Revolution ist weit weg! Der Diskurs wird heute gepflegt. Jedoch wird er selten zielgerichtet auf den Umbau einer Gesellschaft gerichtet. Soziale Themen scheinen Tabu zu sein. Alternativen werden zwar gelebt, bleiben aber oft ebenfalls isoliert. Eine antikapitalistische Bewegung scheint ein Traum. Die Räterepublik bleibt lediglich ein theoretisches Untersuchungsobjekt radikallinker Intelektueller.

91 Jahre nach der Oktoberrevolution scheint es echt Scheiße um die soziale Revolution zu stehen! Eine andere Welt soll zwar möglich sein, jedoch fehlt es an Strukturen diese zu erkämpfen! Das Spektakel scheint gewonnen zu haben! Die Alternativkultur feiert sich lieber selbst, ohne auf die antiquierte Revolution Bezug zu nehmen. Die Weserrakete im zunehmend gentrifiziertem sogenannten Reuterkiez will nichts mit Yuppies zu tun haben, will Freiraum sein, kokettiert aber offen mit der bürgerlichen, unpolitischen Partykultur. Wieder eignet sich die bürgerliche Decadence die sogenannten Kreativkreise an und zerschmiert sie mit ein bißchen kommerziellen Erfolg und medialer Aufmerksamkeit. Nix mit Revolution! Nix mit Arbeitskampf! Party!

. . . und das war am 25. Oktober!


2 Antworten auf „Und das war im Oktober . . .“


  1. 1 kuba 27. Oktober 2008 um 17:50 Uhr

    die hohe zahl sich selbst feiernder yuppies und snobs fand ich am samstag bei der „weserrakete“ schon ziemlich überraschend und eklig!
    müssen wohl einige vom kollwitzplatz und co heruntergekommen sein;-)
    fand es trotzdem gut, dass das tristeza mitgemacht hat. war ne gute party/konzert und haben sicherlich auch einiges verdient….
    man erkennt zum glück am tristeza noch die klare politsiche meinung!
    das kann man bei vielen anderen kneipen leider nicht behaupten (außnahmen „silver future“ und eingeschränkt „schilling“)!
    naja, mal schauen wie es nach der schließung des flughafens tempelhof weitergehen wird….

  2. 2 Machnow 30. Oktober 2008 um 2:19 Uhr

    war schon komisch das mit dem a – anti – anticapitalista wenig anfangen konnten. ich wünsche dem tristeza nur, daß sie ordentlich kohle gemacht haben, die sie dann vielleicht auch wieder in die szen zurückflißen lassen können. vielleicht mit ner vokü?

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