„Nichts passiert! Einfach mal ein Aufschrei an der Frankfurter Börse!“

Laut einer Pressemitteilung von attac stürmten am gestrigen Mittag 25 Aktivisten die Frankfurter Börse und entrollten ein Transparent, daß Finanzmärkte entwaffnen! Mensch und Umwelt vor Shareholder Value! forderte. Es gab Applaus von den Brokern und ein wenig Öffentlichkeit.

Klingt toll, ne! Attac stürmt die Börse. Die Aktion hat aber nichtmal den Handel beeinträchtigt. Ein wenig Flyerregen gabs. Ein bißchen Durcheinander. Laut waren sie auch. Aber alles war friedlich. Darüber war ganz besonders Corinna Wohlfeil von n-tv, dem deutschen CNN Ableger, sehr froh. Sie war zunächst sehr verängstigt, fing sich dann aber recht schnell, weil die Demonstranten so schön friedlich waren und sich zwar spät aber freiwillig entfernen ließen.



Es war eben doch nichts passiert. Der kurze Aufschrei an der Frankfurter Börse störte nicht den Fluß der Milliarden. Die Kurse fielen weiter. Leerverkäufe trieben die VW Aktie in schwindelerrregende Höhen. Der DAX – ohne VW – wäre wieder um fast 10 Prozent eingebrochen. Und das alles scheint noch lange nicht das Ende der Abwärtsfahrt. Das Casino wurde nicht tandiert, geschweige denn geschlossen.

Ein weiteres interessantes Video dokumentiert anschaulich, daß der Protest die Börse und seine medial spektakulären Priester überhaupt nicht störte. Die Moderatoren des ansonsten recht unwichtigen Senders Bloomberg berichten während der Aktion ungestört, nur kurz belustigt, vor allem aber unbeeindruckt weiter. Das Interesse der Medien hielt sich in Grenzen.

Die Aktion war trotzdem wichtig. Sie zeigte, daß es durchaus möglich ist in die heiligen Hallen des Marktes vorzudringen und (wenigstens) ein wenig Unruhe zu stiften. Es bedurfte offensichtlich eines überschaubaren Aufwandes und (leider) der Personalien der Beteiligten. Jedoch scheinen die Kontrollen nicht sehr sorgfältig zu sein. Mit Flyern und Transpi reinzukommen und die Pressetribüne zu stürmen, schien vergleichweise unproblematisch.

Nur schade, daß nicht doch ein Stromanschluß gekappt wurde, oder die virtuellen Geldströme gestört werden konnten. Noch einmal wird es nicht so einfach werden, in die Börse zu kommen. Schade auch, daß die Hyperjongleure so wenig aufgescheucht wurden. Respekt habe ich trotzdem vor den Aktivisten, nur hoffe ich insgeheim, daß sie vielleicht doch noch das ein oder andere elektronische Werkzeug zurückließen und der echte Krach später kommt.


4 Antworten auf „„Nichts passiert! Einfach mal ein Aufschrei an der Frankfurter Börse!““


  1. 1 kuba 29. Oktober 2008 um 17:43 Uhr

    fand es ganz interessant, dass einige banker bei der aktion tatsächlich geklatscht haben….

  2. 2 Machnow 30. Oktober 2008 um 2:15 Uhr

    das fand ich auch sehr merkwürdig. scheinen doch auch ein paar witzbolde unter den brokern zu sein. vielleicht haben sie aber auc hdie sportliche leistung der aktivisten beklatscht. wer weiß ;-)

  3. 3 Thomas 30. Oktober 2008 um 22:16 Uhr

    So weit ich weiß wurde die Transpi-Entrollung auch vorher angekündigt.

    Man muss aber auch sagen, dass die Börse in Frankfurt eigentlich sehr unwichtig ist. Die allermeisten Transaktionen laufen über das Internet, nur noch sehr wenig wird vor Ort abgewickelt. Die Börse wird eigentlich nur noch fürs Fernsehen offen gehalten – quasi als eine Verbindung zur realen Welt. Viel stören kann man da also eh nicht.

  4. 4 Machnow 31. Oktober 2008 um 20:51 Uhr

    wenn es trotz ankündigung solange gedauert hat bis jemand von den sicherheitsleuten kam, is‘ schon verwunderlich. vielleicht wars denen auch relativ egal, weil sie wußten, daß es „nur“ attacis warn, die nix kaputt machen, sondenr nur ein bißchen spielen wollen.

    das virtuelle hätte mensch aber vielleicht auch noch ein wenig mehr rausstellen können. mir war das im grunde gar nicht so richtig bewußt.

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