Für die Befreiung!


Am morgigen 15. November findet, neben der Antifademo in Pankow, eine Tierrechtsdemo verschiedener Initiativen statt. Los gehts ab 13 Uhr vom Alexanderplatz. Der Aufruf azur Demonstration macht auf die Ausbeutung von Tieren zu Luxuszwecken aufmerksam und möchte den Protest dagegen kämpferisch auf die Straße tragen. Deshalb ist das geographische und politsche Ziel die Filiale von Escada in der Friedrichstraße. Gemeint ist aber die gesamte Pelzindustrie.


‚Tiere‘ werden in unserer Gesellschaft zu Objekten gemacht. Sie sind Leidtragende eines Herrschaftsverhältnisses, in dem sie vom Menschen abgespalten und der totalen Verwertbarkeit preisgegeben werden. Mit unserer Großdemo wollen wir ein Zeichen setzen gegen diese Ausbeutung nicht-menschlicher Tiere.

Für die Befreiung heißt aber auch Herrschaftsverhältnis grundlegend zu hinterfragen und den Diskurs von menschlichen auch auf nicht-menschliche Individuen auszudehnen. Die Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse, die die Grundlage von Herrschaft und Ausbeutung sind, ist das Ziel. Dabei geht es uns nicht um größere Käfige oder eine ‚bessere Art der Haltung‘, sondern darum, die Käfige an sich abzuschaffen und Tiere aus der Position des Objekts für die Menschen zu befreien.

Neben der öffentlichen Äußerung kann auch anders Druck gemacht werden. Zum Beispiel indem (massenhaft) an renomierte Magazine und Modezeitschriften dieser Text geschickt wird. Aber zuerst gehts zur Demo!

15. November, 13 Uhr – Alexanderplatz


9 Antworten auf „Für die Befreiung!“


  1. 1 Thomas 14. November 2008 um 22:29 Uhr

    Das die Ausbeutung von Tieren zu Luxuszwecken pervers ist, das ist klar. Aber es gibt auch Kleidung und Nahrung als Grundbedürfnis. Liefert der Veranstalter denn Anregung zur Sicherung der Grundbedürfnisse nachdem die Haltung von Tieren bzw. die Käfige abgeschafft wurde?

  2. 2 Butch Jonny 15. November 2008 um 0:39 Uhr

    nachdenken sollst du schon selber, wie du ohne tiere zu versklaven an kleidung kommst ;-)

    ich finde es aber trotzdem wichtig herrschaftsverhältnisse auch auf dieser ebene zu hinterfragen. sie betreffen eben nicht nur menschliche machthierarchien, sondern auch jene zwischen den spezien. dies bewußt zu machen finde ich wirklich wichtig!

    die befreiung aller – also auch der tiere – aus den käfigen ist nur konsequent!

  3. 3 Thomas 15. November 2008 um 2:55 Uhr

    Eine heftige Google-Anzeige, die automatisch diesem Artikel zugeordnet wurde: http://whyhunger.com/index.html

  4. 4 pixelutopia 15. November 2008 um 21:44 Uhr

    Obwohl ich das Tierrechtsbewegungsgebashe in bestimmten linken Zeitungen in der letzten Zeit nicht teile, muss ich sagen, dass ich was Tierbefreiung angeht auch gespalten bin. Einerseits sehe ich klar, dass die meisten Tiere unter beschissenen Verhältnissen gehalten werden, andererseits leite ich (nach Kant) Menschenrechte von der Befähigung zur Vernunft ab (was im Übrigen somit jedes andere potentiell vernunftbegabte Wesen einschließt). Das Zusprechen von jeder Form von Grundrechten allein aus der Existenz ist ein wechselseitiger Akt unter „Vernunfttieren“, wir als Menschen können Tieren rechte zusprechen, aber umgekehrt wird dies nie geschehen, weshalb es eine einseitige Sache ist. Ich finde Tierrechte somit schwer zu begründen, außer mit einer Empathie des Leids, aber mit dieser Empathie kommt man wohl kaum zu so radikalen Forderungen. Anders siehts natürlich mit den ökologischen und somit auch sozialen Problemen der Tierhaltung aus – das ist ja alles bekannt.

    Nunja, ich fänds interessant das mal zu diskutieren ohne dass es gleich allzu emotional und drastisch wird :D

  5. 5 Machnow 15. November 2008 um 22:00 Uhr

    die diskussion ist wirklich schwierig, weil ein ‚vernünftiger‘ austausch oft nicht möglich ist. ich bin auch gespalten und bei uns ist allgemein die diskussion schwierig.

    die leid-problematik führt meiner ansicht nach in eine ethische richtung, wo es schnell um schuld, gewissen & existenz (oder nicht-sehen wollen) geht. ich würde eher die perspektive des herrschaftsverhältnißes favorisieren.

    aus der perspektive der ablehnung jeder herrschaft kann es für mich auch keine herrschaft über tiere (und pflanzen) geben. da ich nun aber leben will – wie jedes tier eben auch – sollte ich mir darüber gedanken machen inwieweit dies geht ohne andere zu reinen objekten zu machen.

    eine antwort wäre den verzehr zu ritualisieren – zum beispiel in religiösen zeremonien. dazu könnten nun ‚heilige‘ tiere herangezogen werden. wobei diese hierarchie das ‚tier‘ wiederum objektivieren, nur diesmal als religiöses objekt…

    oder, ich versuche mich bewußt zu ernähren, mit jedem bißen mich mit dem auseinandersetzend, was ich dort tue und dies zu reflektieren. auf die fauer wird dies wahrscheinlich sehr anstrengend…

    naja. ich komme also auch nicht so richtig weiter…
    der nächste bitte ;-)

  6. 6 pixelutopia 17. November 2008 um 17:59 Uhr

    Ich weiß nicht, inwiefern ich den Herrschaftsbegriff auf Tiere und Pflanzen angewandt sinnvoll finden soll – Herrschaft ist verneinte Freiheit und Recht auf Selbstentfaltung, meiner Ansicht nach gehören diese Begriffe in die Sphäre von intelligenten (vernunftbegabten) und sozialen Lebewesen, da sie nur in dieser Sphäre überhaupt entstehen können. Von der Natur aus hat nichts irgend ein Recht, denn Rechte hat sich der Mensch erst ausgedacht.

    Und ich glaube nicht, dass Ritualisierung irgend ein Problem löst, wir wollen ja keine Religion stiften. Aber das Beispiel führt mich zu etwas anderem: Eine These der von der kritischen Theorie beeinflussten Tierrechtler, ist dass die Hierachie zwischen Tieren und Menschen zu Hierachien innerhalb der Menschen führen würde, und deshalb eine Befreiung des Menschen ohne eine Befreiung der Tiere nicht denkbar wäre. Ein Anthropologe erzählte mir dazu von einer kleinen Papa-Neuguineanischen Kultur, die sich vegetarisch (oder war es vegan? genaueres weiß ich leider nicht!) ernährt und sich nur Hausschweine als heilige Tiere hällt – welchen ein höherer Wert zugesprochen wurde, als den Frauen des Stammes. Spricht meiner Ansicht nach gegen diese These.

    Ob die Käfige geschlossen bleiben oder geöffnet werden, ist eine Entscheidung der Menschen, die darüber Verhandeln welche rechte Tiere zukommen. Die Tiere selbst werden dabei nicht gefragt, was sie wollen. Das ist keine Kritik an den Tierrechtlern, sondern einfach die Natur der Sache: Tiere sind bei der Verhandlung über ihre Rechte notwendigerweise immer nur Objekt, sie sind mangels Sprachfähigkeit und der höheren interlektuelle Fähigkeiten von aktiver Teilnahme am Diskurs ausgeschlossen.

    Ich sehe hier eigentlich keine Alternative zu einer Empathie des Leids und – nunja – moralischen Standpunkten.

  7. 7 pixelutopia 17. November 2008 um 19:14 Uhr

    Ergänzung : Und natürlich dem nüchternen Sachzwang nachhaltig wirtschaften zu müssen um sich nicht irgendwann definitiv selbst die Lebensgrundlage zu entziehen.

  8. 8 Imago 17. November 2008 um 19:50 Uhr

    Es gibt in dieser Hinsicht meiner Meinung nach eh keine endgültige Möglichkeit zur Konsequenz. Wo fängt denn Tier an wo hört es auf. Wenn ich für die Freiheit der Ameisen oder zumindest ihr Recht auf Leben einstehe kann ich nicht mehr vor die Tür. Wenn es sich um Moskitos, Läuse und Flöhe handelt wird das dann noch interessanter.

    Sind jetzt nur Säugetiere schützenswert oder ist das nur ein neuer „Speziesmus“. Machen wir das schützenswerte Tier wie hier von Pixelutopia impliziert an der Vernunft fest ebenso und ist nicht sogar der Akt des Schützens selbst eine Ausübung von Herrschaft?
    Ich finde die Argumentation der Tierrechtsbewegung in etwa genauso problematisch wie die ihrer Gegner.

    Fest steht, das jedes Lebewesen auf diesem Planeten andere auslöschen oder verdrängen muss um weiter zu existieren was so ziemlich das krasseste ist was ich mir an Herrschaftsausübung vorstellen kann. Will man jetzt von den Pflanzen weg hin zu einer Bevorzugung der Tiere( Vegetarier, Veganer) muss zwangsläufig über Empfindungsfähigkeit argumentiert werden, Vernunft, Schmerzempfindlichkeit, Emotionen. Angst, Leid etc. verringern sich in einer „natürlichen“ Umgebung nicht zwangsläufig denn die ist mitunter genauso brutal wie die Menschheit, industrialisiert dieses Leid aber nicht. Die Frage ist auch in wie weit so eine „natürliche“ Umgebung überhaupt noch existiert. Wenn von heute auf morgen alle Kühe, Schweine, Schafe, Hunde freigelassen würden wäre ein wenig später ein beträchtlicher Teil davon bereits totgefahren, verhungert oder hätte andere Spezies platt gemacht die längst nicht mehr auf diese Konkurrenz/Fressfeinde eingestellt gewesen wären. Bessere Bedingungen für Tiere kann es mit der fortschreitenden Entwicklung der menschlichen Zivilisation nur noch in Form von Inseln geben. Also einer „besseren Haltung“ ob das jetzt ein „Hof“, ein“Zoo“ ist oder ein „Naturpark“. Eine Zivilisation die in der Lage ist mit der Tierwelt ohne auch nur rudimentär in sie einzugreifen überhaupt nur zu koexistieren erfordert inzwischen so eine krasse Umwälzung das sie noch um ein vielfaches utopischer erscheint als eine herrschaftsfreihe Gesellschaft exklusiv für den Homo Sapiens. Ich stelle mir sowas in letzter Konsequenz etwa so vor wie die Aquariums-Städte in Zamyatins „Wir“ oder ein gigantisches von einander abgetrenntes, sich über(unter)lagerndes architektonisches Netzwerk.

    Die andere Möglichkeit wäre ein Rückfall in vorindustrielle Barbarei was ja nicht wenige Tierrechtler oder auch die Primitivisten auch so porpagieren. Was wohl nicht wirklich wünschenswert ist.

    Ok, jetzt habe ich mich ein bisschen verrannt.
    Letztendlich will ich wohl nur sagen das man imo nicht an „Vermeidung von Leid“ und „besserer“ Haltung vorbei kommen wird.

    Ich weiß auch nicht was ich von diesem Ideal der „endgültigen Konsequenz“ zu halten habe. Es erinnert mich letztendlich tatsächlich an etwas religiöses, christliche oder hinduistische Reinheitsgedanken. Diese endgültige Konsequenz ist weder im Kleinen noch im Großen praktikabel herzustellen.

    Während eine anarchistische, menschliche Gesellschaft noch denkbar ist muss eine hypothetische Tierrechts-Revolution immer Kompromisse eingehen die ihren Grundgedanken selbst schon in Frage stellen oder für einen Rückfall der Menschheit in die Barbarei argumentieren und der seltsamen Hoffnung anhängen das dann Herrschaftsfreiheit effektiv (oder sogar besser) gewahrt werden könnte.

  9. 9 Machnow 17. November 2008 um 20:39 Uhr

    vieleicht kommt mensch weiter, wenn herrschaft, neben gesellschaftlicher struktur, politischer (anti-) philosophie, entverantwortlicherender theologie und grundlage für hierarchien, als haltung – im weitesten sinne – betrachtet wird. so kann mensch moralische und ethische fragen eventuell jenseits einer theologie und ausgrenzender logik nutzen.

    wenn herrschaft als haltung betrachtet wird ist es im grunde egal, was beherrscht wird. die katalogisierung und hierarchisierung des anderen entfällt.

    die frage nach natur ist hierbei irrelevant. der fokus ist vom objekt der unterdrückung (oder des schutzes) auf den vermeintlich herrschenden übergegangen. der diskurs bleibt beim nichtmehrherrschendwollenden und läßt ihn über seine haltung jedesmal neu urteilen. er urteilt also, im besten aufklärerischen sinne, nicht mehr über das andere, sondern über sich.

    rituale lehne ich nicht komplett ab. sie sollten aber befreien, nich einsperren. ich denke sogar, daß solche gemeinschaftsbildenden rituale manchmal einfach nötig sind. nur sollten sie nicht auf kosten von anderen laufen. bei pixels naturvölker beispiel paßiert aber genau dies. etwas wird rituell aufgewertet – nicht aus einer emanzipativen, herrschaftsbefreienden entscheidung heraus – und über etwas anderes gestellt. so gibt es doch wieder hierarchein.

    wenn aber das naturvolk herschaft grundlegend abgelehnt hätte, dies rituell in gleichheitszeremonien – wie plena – kanonisiert, vielleicht wären sie dann „besser“. ich würde deshalb sagen, daß die these, daß der mensch erst dann frei sein kann, auch wenn er das ‚tier‘ befreit nicht wiederlegt wäre.

    die frage der auslöschung um zu existieren, die imago aufwirft, hat wirklich was mit quantität zu tun. das ist erschreckend und macht echt mächtig viel knoten im kopf. ne echt antwort fällt mir da auch nicht ein …

    aber ich glaube (!) nicht, daß überleben zwangsläufig nur über auslöschung funktioniert. inseln sind dabei auch nicht meine anwort. womöglich sind diese die einzige praktikable antwort. aber ich würde einen anderen weg befürworten.

    ich denke (und glaube), daß der diskursive lebensstil, dh ein gemeinsames leben ohne eine herrschafts-‘haltung‘, ein abwegen, diskutieren, ein austausch der perspektiven, der emotionen, gedanken, ein leben des ‚gemeinsam‘ ALLER – als haltung & praxis – befreien würde. also, nicht die absonderung, sondern die ‚kollektivierung‘ in der individualität läßt (über-) leben…

    das hilft aber wahrscheinlich nicht wirklich im umgang mit tieren und pflanzen, allem, was sich eben an diesem diskurs nicht aktiv beteiligen kann. womit ich wieder bei pixels anfang angekommen wär :-)

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