ONE WORLD Filmfestival

One World Vom 20.11 bis 26.11.2008 findet zum fünften Mal das ONE WORLD Filmfestival in Berlin statt. Das Kernthema dieser Festivalreihe sind die weltweiten Menschenrechte. Es werden ausschließlich Dokumentationen aus der ganzen Welt gezeigt, die diesen großen Themenkreis berühren.

Die Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind 60 Jahre Allgemeine Menschenrechtserklärung, Stadtplanung & Menschenrechte (Stichwort: Gentifizierung), die Menschenrechtssituation von Lesben, Schwulen und Transidenten weltweit, die Menschenrechtslage in Lateinamerika & Tschechien sowie das Recht auf Information.

Jede Filmvorführung während der Festivalwoche wird von Menschenrechtsorganisationen und Initativen mit kompetenten Gästen und ReferentInnen begleitet. Ich bin den Spielplan durchgegangen und habe für jeden der sieben Tage einen besonders interessanten Film herausgesucht. Das gesamte Programm gibts unter www.oneworld-berlin.de

Donnerstag, 20.11., 21.30 Uhr, Kino Arsenal
La Battaglia die Algeri – Schlacht um Algier (1965, 121 min, OmeU)
Das Dokudrama befasst sich mit der bewaffneten algerischen Freiheitsbewegung gegen den französischen Besatzer. Der Film gilt als Meilenstein des politischen Kinos und gewann 1966 den Goldenen Löwen bei den Filfestspielen in Venedig – gleichzeitig war er aber lange Jahre in Frankreich verboten.

Freitag, 21.11., 18:00 Uhr, Eiszeit
Unsere Kinder (1989, 84 min, D)
Der Film hat die rechtradikale Jugendsubkultur in der ehemaligen DDR zum Thema. Schwerpunkt sind dabei die 80er-Jahre, in denen sich eine extremrechte Szene von Skinheads etablieren konnte. Thematisiert wird auch der Umgang der DDR-Führung mit dem Phänomen.

Samstag, 22.11., 17.00 Uhr, ACUD
Häuser, Hass und Straßenkampf (2006, 45 min, D)
Der Film hat den Kampf um die besetzten Häuser inbesondere in Berlin-Kreuzberg der 80er-Jahre zum Thema. Während die links-alternative Szene neue Modelle des Zusammenlebens und -arbeitens in den für den Abriss „entmieteten“ Häusern ausprobieren wollte, fühlte sich die damalige Berliner Regierung zu hartem Durchgreifen annimiert. In der Dokumentation kommen sowohl ehemalige Hausbesetzer als auch damalige Polizisten und Regierungmitglieder zu Wort. Unter anderem ist Hans-Christian Ströbele zu Gast.

Sonntag, 23.11., 18.00 Uhr, Eiszeit (Deutschland-Premiere)
Comfort Zone (2007, 56 min, OmU)
Die Protagonisten dieser Dokumentation sind das kanadische Paar Paula Callahan und John Bridle. Vom Bedürfnis geplagt anderen Menschen zu helfen, hat das Paar 15 Jahre damit verbracht als Mitglieder von Ärzte ohne Grenzen Menschen in schlimmsten Krisensituationen zu helfen. Sie eilten von einem Krisengebiet zum nächsten und wurden jedes Mal evakuiert. Während und nach den Einsätzen wurden sie von der Kamera begleitet. Beide leben heute wieder getrennt in der westlichen Überflussgesellschaft und gehen „normalen“ Berufen nach – geplagt vom Schuldgefühl Menschen in Not im Stich gelassen zu haben.

Montag, 24.11., 21:00 Uhr, ACUD
Farms without Farmers (2008, 30 min, OmU)
Sojaschrot ist der landwirtschaftliche Exportschlager Paraguays – mit verherrenden Folgen für die ländliche Bevölkerung. Die Gemeinden und Kleinbauern sind umgeben von Sojaplantagen. Deren Pestizideinsätze rauben den Menschen jegliche Entwicklungsmöglichkeit. Den vielen Landlosen droht Prügel und Tod, wenn sie sich auflehnen. Ihnen bleibt oft nur als einzige Möglichkeit sich auf den Müllkippen der urbanen Zentren zu verdingen. Der Sojaschrot wiederrum dient der Deckung des enormen Fleischbedarfs des globalen Nordens.

Dienstag, 25.11., 20.00 Uhr, Eiszeit (Deutschland-Premiere)
Sous la Cagoule – Under the hood (2007, 107 min, engl.)
Der Autor des Films zeichnet anhand der aktuellen Menschenrechtsverletzungen in den Gefängnissen von Abu Ghraib und Guantanamo nach wie die Ereignisse um den 11. September dazu genutzt werden um die ganze Anhängerschaft einer Religion zu dämonisieren und zu kriminalisieren. Außerdem deckt er eine historische Kontinuität im Umgang mit linken Rebellen in den 80er-Jahren in Mittel- und Lateinamerika auf.

Mittwoch, 26.11., 21.00 Uhr, ACUD
Neuland (2007, 74 min, D)
Ein Bürgermeister ruft nach Kolonisten. Zwei Studenten bauen ihre berufliche Existenz mit Schnecken auf. Ein Heimkehrer züchtet Bisons im Tagebau. Ein Arbeitsloser mobilisiert „Überflüssige“. Dies sind nur einige der Aktionen, die stattgefunden haben, um „Neuland“ zu gründen, in einem Deutschland, in dem sich heute zahlreiche Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert sehen, bedingt durch das Schwinden von ganzen Industriezweigen. Dadurch veränderte sich auch maßgeblich das Stadtbild – Ein Sozialwissenschaftler spricht von ländlichen Ghettos, Jugendliche über ihre Zukunft in einer sterbenden Stadt, ein Planer führt dies in einer Simulation zum Augenschein. Die Infragestellung Horst Köhlers von 2004 der „Notwendigkeit gleichwertiger Lebensverhältnisse“ wird wieder aufgeworfen.


3 Antworten auf „ONE WORLD Filmfestival“


  1. 1 Machnow 20. November 2008 um 8:38 Uhr

    also, einige würde mich interessieren. die doku „Farms without Farmers“ über sojabauern klingt spannend. ich frage mich schon seit einiger zeit, ob tofu-produkte und sojamilch wirklich eine so gute alternative sind. der film würde vielleicht einige hintergrundinfos geben, die mein schlechtes gefühl bestätigen würden…

    die doku „neuland“ klingt auch interessant!

  2. 2 Thomas 20. November 2008 um 21:36 Uhr

    Tofu und Sojaprodukte allgemein sind sicher nicht schlecht, aber auch hier kommt es eben auf die Herkunft an…

  3. 3 Machnow 21. November 2008 um 0:14 Uhr

    die herkunft und die produktionsweise ist eben bei allem wichtig. leider gibt es – soweit ich weiß – keine label für sojaprodukte. und fair gehandelt, heißt noch lange nicht fair sowie ökologisch produziert. soja ist auf jeden fall eine ersatz für fleischprodukte, jedoch sollte mensch vielelicht wirklich verstärkt darauf achten, woher es kommt.

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