Kultivierte Natur? Zivilisatorische Kulturlandschaften!

noborder Alex MacLean, ein Pilot und Fotograf, hat ein erstaunliches Buch vorgelegt. Gestern wurde es bei Titel, Thesen, Temperamente vorgestellt. Over – Der American Way of Life oder Das Ende der Landschaft beschreibt eindrücklich die totale Aneignung der Natur und Kultivierung einer seriellen Zivilisation der Vereinfachung.

MacLean arbeitet jede einzelne Facette des sogenannten American Dream ab. Zunächst ist das zu Hause dran.


Jedem sein individuelles Eigenheim, jedem seine Palme vor der Veranda. Da wird schon mal eine ganz Stadt um ein Einkaufszentrum herum gebaut.

Die Häuser gleichen sich. Sie besetzen ein vorher genau festgelegtes Territorium. Die Gebäude sind normiert. Der Vorgarten unterscheidet sich lediglich in der Höhe der Grashalme. Vermutlich ist das Inventar ebenfalls verschieden.

Der Traum von einer totalen und permanenten Mobilität läßt asphaltierte, mehrspürige Linien entstehen, die sich an ihren Knoten spektakulär und gestappelt kreuzen. Massen bewegen sich von einem Punkt zum anderen. Individualverkehr ist, im Gegensatz zu den normierten Häusern, kein Luxus, sondern Grundversorgung. Öffentlicher Nahverkehr existiert faktisch nicht.


Weitere Bilder gibt es bei the junction

Am schlimmsten ist aber die maßlose Ressourcenverschwendung. In der Wüste entstehen künstliche Paradiese für Rentner, Gutsituierte und erholungssuchende Städter. Diese zivilisierten Klulturlandschaften verbrauchen enorme Mengen an Trinkwasser und Energie.


Mit künstlicher Bewässerung wird mitten in der Wüste Arizonas Landwirtschaft betrieben. Sechs Billionen Liter Trinkwasser garantieren den Jahresumsatz von neun Milliarden Dollar.

Seit über 30 Jahren fliegt MacLean mit seiner Cessna durch die Gegend und dokumentiert, wie sich die nun mehr kultivierte Landschaft unter ihm verändert. Straßen werden zubetoniert. Die Vorstädte wuchern, normiert und homogen an den Rändern der Großstädte. Energie wird massenhaft verschwendet und natürliche Ressourcen verantwortungslos für ein bedenkenloses Freizeit- und Konsumverhalten geopfert.

Die Bilder sind sämtlichst ästhetisch ansprechende Kunstwerke. Ihre täuschend schöne, serielle Geometrie, problematisieren beeindruckend und nachdrücklich die Vernichtung natürlicher Räume auf Kosten geplanter, verwertungszentrierten, kultivierter Landschaften. MacLean meint im Interview mit ttt:

Ich denke, das ist die Stärke meiner Fotografien. Man muss länger hinschauen. Auf den ersten Blick sind diese Ansichten schön, aber wenn man länger hinsieht, erkennt man die Probleme. Was mich an Fotografie fasziniert, sind die ganzen unterbewussten Informationen, wie sie auch in der Werbung transportiert werden.