Ausgezeichneter Kampf gegen Apartheids-Mauer

Belin Das Komitee des palästinensischen Dorfes Bil‘in und Israels „Anarchists against the Wall“ haben am heutigen Sonntag in Berlin für ihren gemeinsamen Kampf gegen die Mauer zwischen Israel und dem palästinensischem Gebiet die Carl-von-Ossietzky-Medaille überreicht bekommen. Damit wird das allwöchentliche Engagement einer Vielzahl von Aktivisten gegen ein monströses Bauwerk der Ausgrenzung unter lebensgefährlichen Bedingungen gewürdigt.

Das palästinensische Dorf Bil‘in demonstriert seit längerer Zeit einerseits gegen den Bau der Mauer, andererseits gegen den Bau jüdischer Siedlungen auf ihrem Land. Mittels einer gerichtlichen Entscheidung konnten sie den Verlauf der Mauer zu ihren Gunsten verändern – zunächst aber nur auf dem Papier, denn umgesetzt wurde die Entscheidung des Obsteren Gerichtshofes noch nicht. Der Protest des Dorfes ist laut, kreativ und ausdauernd – aber gewaltlos.

Die Anarchisten gegen die Mauer haben sich 2003 gegründet und bestehen aus isrealischen, pälästinensischen und internationalen Aktivisten. Sie sind keine homogene Gruppierung, kämpfen aber gemeinsam gegen die „Apartheids-Mauer“ des israelischen Staates. Sie setzen auf gewaltfreie, direkte Aktionen und zivilen Ungehorsam unter Führung der lokalen palästinensischen Gemeinden. Bei zahlreichen Demonstrationen werden die Aktivisten durch das überaus gewalttätige Vorgehen der israelischen Armee bedroht und verletzt. Der Einsatz von Gummigeschossen, Tränengasgranaten und Wasserwerfern ist leider keine Seltenheit – darauf geht Uri Avnery gleich zu Beginn seiner Laudatio ein.

Die Carl-von-Ossietzky-Medaille wird seit 1962 von der Internationalen Liga für Menschenrechte jährlich an Bürger und Initiativen, die für die Verwirklichung der Grundrechte eintreten, verliehen. Carl von Ossietzky war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Pazifist. Bis 1933 war er Vorsitzender der Internationalen Liga für Menschenrechte. 1936 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – zur gleichen Zeit befand er sich im nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Im letzten Jahr wurde der Preis an den Anwaltsnotdienst während der Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm und an den Republikanischen Anwaltsverein verliehen.

In der taz vom 06.12.2008 ist ein gemeinsames Interview mit einem Mitglied des Komitees des Dorfes Bil‘in und einem Aktivist von AATW zu finden. Auf der Website der Internationalen Liga für Menschenrechte sind alle Reden des heutigen Abends veröffentlicht.


2 Antworten auf „Ausgezeichneter Kampf gegen Apartheids-Mauer“


  1. 1 Machnow 08. Dezember 2008 um 13:17 Uhr

    Zu den Anarchist against the Wall“ – dem Label unter dem anarchistische Aktivist_innen firmieren – gibt es eine Artikelübersicht auf der seite anarchosyndikalismus. Den Namen haben sie übrigens vo nden Medien bekommen. Wenn ich mich recht erinnere nach einer Aktion bei der ein Aktivist durch eien gummiummanteltes Stahlgeschoß schwer verletzt wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt.

    Ein Interview mit Mathan Cohen von den AATW gab es in der graswurzelrevolution. Weitere Artikel gab es bei linksnet (1, 2, 3)

    Freut mich, daß die umtriebigen und absolut nicht kleinzukriegenden Aktivist_innen endlich größer und umfaßender gewürdigt werden! Sie haben es sich echt verdient. jede Woche demonstrieren sie friedlich zusammen mit den palästinensischen dörfern gegen den zaun / mauer. so erleben die dorfbewohner_innen auch mal israelis, die auf ihren seite stehen und nicht nur in uniformen ungerechtigkeiten zementieren.

  1. 1 Linker Kongressmarathon in Berlin « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 09. Februar 2009 um 1:12 Uhr
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