So stirbt das Babylon System bestimmt nicht!

Am Sonntag trafen sich die roten Weihnachtstrucks von Coca Cola zum Finale an der Siegessäule. Vorher waren sie wochenlang durch Deutschland getourt um die Getränkemarke als harmlos und vor allem großzügig zu verklären. Diesen Quatsch wollten eingige Aktivist_innen so nicht gelten laßen und störten die Veranstaltungen in Kiel, Hamburg und natürlich beim Finale in Berlin.

Natürlich muß zu so einem Ereignis immer ordentlich Prominenz dabei sein. Die Eventmarketer hatten sich etwas ganz tolles einfallen lassen und feierten sich selber dafür. Damit die geschundene, achso mitleidsvolle Seele ein wenig gestreichelt wird, durfte jeder kostenlos kommen und spenden. Zwar nur für die springereigene, von Shell und einer Großbank zu PR-Zwecken initiierten Stiftung Ein Herz für Kinder, aber immer hin! Damit der Schmalz auch ordentlich klebrig und süßlich wird, lud sich die blutrote Brause schnell noch Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims sowie weitere christlich soulige Stimmchen ein und fertig war der vollkommene Event!

Die Anwesenheit des HipHop Kollektivs, das nun mehr mitten im Establishment angekomen zu sein scheint – mitten in ihrem Babylon System – verwunderte mich ehrlich gesagt doch ein wenig. Glaubten sie nicht vor vier Jahren das sich die Dinge drehen würden? Wetterten sie nicht gegen Kommunisten Nationalisten und vor allem das Kapitalistenschwein? Wollten sie nicht Regierungen stürzen? Wollten sie nicht gemeinsam losgehen?



War wohl eher alles nur messianisch christlicher Evangelikalenscheiß. Ihr Armageddon ist wohl eher ein religiös verbrämtes, was offenbar nix mit der sozialen Befreiung des Menschen zu tun hat. Ihre Videos eignen sich Protest an, um ihn für den Pop zu verwerten. Schließlich soll auch Jesus Rebell gewesen sein. Ein hippieesker zwar, aber symphatisch. Nur würde ER heute wahrscheinlich wieder ein Revoluzzer sein. Zusammen mit Judas – dem Zeloten, dem militanten Antipazifisten – würde er im heiligen Land kämpfen. Nur auf welcher Seite?

Vor allem ist der Messias heute ein Popstar. Seine Bilder hängen überall. Mal raucht er Zigarre. Mal hat er einen Turban auf, mal Rastas. Manchmal hat er gar kein Haare und lächelt die ganze Zeit.

Coca Cola hat mit diesen heiligen Rebellen allerdings gar nix zu tun. Die stehen auf der anderen Seite. Umso erstaunlicher ist, daß sich die Söhne Mannheims ganz judaslike – vielleicht auch deutsch – an die blitrote Brause verkaufen. Aus Zion wurde erst Noiz und nun lassen sie sich von denjenigen bezahlen, die sie vor ein paar Jahren noch ablösen wollten.



Coca Cola steht für Morde an Gewerkschafter_innen in Kolumbien. Bei kanalB wird der Fall von Isidro Gil, der am 5. Dezember 1996 von Paramilitärs erschoßen wurde, filmisch recherchiert und rekonstruiert. Die tödliche Kaltblütigkeit ist erschreckend.

In Kolumbien wird Coca Cola durch die neoliberalen Eliten bis heute unterstützt. Bis August diesen Jahres starben 40 Gewerkschaftsaktivist_innen von Coca Cola Fabriken durch Paramilitärs, staatliche Polizisten oder das kolumbianische Militär. Ein Ende der Morde ist nicht in Sicht. Die blutrote Getränkewelt wird wahrscheinlich erst ruhen, wenn der Widerstand gebrochen ist.

Der Konzern Coca Cola arbeitet in Kolumbien, wie in ganz Südamerika mit rechten Paramilitärs zusammen, tötet Gewerkschaftsaktivist_innen, löst Interessenvertretungen von Beschäftigten auf, beraubt sie ihrer Krankenversorgung und drückt die Löhne ins unerträgliche.

In El Salvador dagegen arbeiten Kinder für den freundlichen Konzern auf Zuckerrohrplantagen. Insgesamt sollen dort, laut Human Rights Watch, auch für andere Unternehmen bis zu 30.000 Kinder unter 18 Jahren auf den Feldern schuften. Der Bild und ihrer Kinderstiftung scheint dies egal zu sein. Von ihrem Engagement, ihrer christlichen Nächstenliebe und ihrer PR-aufbereiteten Sammelwut profitieren offenbar lediglich weiße, westliche Kinder. El Salvador ist weit weg. Und Cola muß schließlich süß sein (von blutig schnuckligen Kinderhänden wahrscheinlich).

In Indien senkt Coca Cola durch exzessives Abzapfen von Wasser den Grundwasserspiegel enorm. In Großbrittanien brachte der transnationale Konzern ein besonders hochwertiges Wasser auf den Markt udn versetzte es zufälligerweise mit potenziell krebserregendem Bromat. In Mexiko verseuchte die Umgebung ihrer Fabrik in Chiapas mit hochgiftigem Ammoniak. In den USA verlor der Konzern 1999 eine Massenklage afroamerikanischer Beschäftigter, die den rassisctischen Alltag in den fabriken anprangerten und mußte 192,5 Mio. Dollar Strafe zahlen. Jedoch fiel Coca Cola 2002 wiederum durch Rassismus auf. Abgelaufene Getränke wurden umetikettiert und in migrantische Stadtviertel verkauft.

Diese Mörderbrause tötet also nicht nur, sondern vergiftet lokal die Umwelt, zerstört soziale Strukturen, unterbindet die Organisation von Interessengruppen, beutet skrupelos Kinder und Marginalisierte aus und macht Rassismus zur Konzernmaxime! Dieses Gesöff kann nur zum kotzen sein! Da helfen keine Weihnachtstrucks, keine überdimensionierten Wunschzettel und ganz bestimmt keine PR-verseuchte Pseudo-Charity.

Die Coke side of life bedeutet Rassimus, Umweltverschmutzung, totale Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Gesundheitsgefährdung und vor allem Mord! Wird eine derartige Konzentration widerwärtiger, menschenverachtender Attribute nicht üblicherweise Mafia genannt? Vor ein paar Jahren hätten die Söhne Mannheims all dies höchstwahrscheinlich unter Babylon System subsumiert. Aber dessen Tage sind ja bekanntlich gezählt . . .