Die Makkabäer kommen! Entzündet die Lichter!




Man hat uns gehetzt in Not und Tod,
Mit groben Flegeln den Leib uns zerdroschen,
Un doch, das alte Feuer loht
Und ist im Blutmeer nicht erloschen.

Wir duldeten Martern wohl sonder Zahl,
- Die schwachen Körper mußten erliegen, –
Doch lebt in uns ein Ideal,
Das, Völker, könnt Ihr nie besiegen.

Dies sind die letzten zwei Strophen des Gedichts Chanukkalichter (pdf) von Morris Rosenfeld aus dem Gedichtband Lider-bukh. Die deutsche Übersetzung von Berthold Feiwel erschien als einer der ersten Veröffentlichungen des neugegründeten Jüdischen Verlags in Berlin unter dem Titel Lieder des Ghettos mit heute weltbekannten und in ihrer drastischen Einfachheit berühmten Illustrationen von E. M. Lilien. In dem Gedicht geht es um die Makkabäer, die sich siegreich gegen syrischen Eindringlinge zur Wehr setzten.

Der hasmonäische König Matitjahu widersetzte sich gegen ein totalitäres Religionsedikt der Syrer, das ihren hellenistischen Kult zur Staatsreligion erhob und den jüdischen verbot. Er tötete zusammen mit seinen Söhnen die Abgesandten und Priester, zerstörte die Götzenbilder im entweihten Tempel und rief den Heiligen Krieg gegen die Heiden aus. Daraufhin zog er sich mit seinen Getreuen in die Berge zurück. Von dort führte er einen Guerillakrieg, überfiel kleinere Besatzungstruppen, zerstörte die heidnischen Altäre und Tempel sowie beschnitt die Jungen.



Nach seinem Tod setzte sein Sohn Jehuda haMakabi den Aufstand fort. Er schlug immer wieder, immer größere Truppenteile der Besatzer. Im Dezember 164 v. u. Z. befreite er auch Jerusalem, ließ den entweihten Tempel und seine Heiligtümer wiederherrichten und feierte in einem Lichterfest acht Tage lang den Sieg über die syrischen Besatzer.


Zur gleichen Zeit und am selben Tag, an dem ihn die fremden Völker entweiht hatten, wurde er neu geweiht, unter Liedern, Zither- und Harfenspiel und dem Klang der Zimbeln. Das ganze Volk warf sich nieder auf das Gesicht, sie beteten an und priesen den Himmel, der ihnen Erfolg geschenkt hatte. Acht Tage lang feierten sie die Altarweihe, brachten mit Freuden Brandopfer dar und schlachteten Heils- und Dankopfer. Sie schmückten die Vorderseite des Tempels mit Kränzen und kleinen Schilden aus Gold; sie erneuerten die Tore und auch die Nebengebäude, die sie wieder mit Türen versahen. Im Volk herrschte sehr große Freude; denn die Schande, die ihnen die fremden Völker zugefügt hatten, war beseitigt. Judas fasste mit seinen Brüdern und mit der ganzen Gemeinde Israels den Beschluss, Jahr für Jahr zur selben Zeit mit festlichem Jubel die Tage der Altarweihe zu begehen, und zwar acht Tage lang, vom fünfundzwanzigsten Kislew an.

1. Buch Makkabäer, 4:54-4:59

Dieses Fest heißt Chanukka und feiert die Einweihung des Zweiten Tempels – nach Moses‘ Stiftshütte in der Wüste. Es feiert das Lichtwunder, daß ein Kännchen koscheren Öls, das lediglich einen Tag reichen sollte, acht Tage überstand.

Sie feierten acht Tage lang ein fröhliches Fest nach Art des Laubhüttenfestes; dabei dachten sie daran, daß sie noch vor kurzem das Laubhüttenfest wie wilde Tiere in den Höhlen der Berge verbracht hatten. Sie nahmen Stäbe, die sie mit grünen Blättern umwunden hatten, in die Hand und Laubzweige – auch Palmzweige – und brachten dem Loblieder dar, der den Weg zur Reinigung des Ortes bereitet hatte, der sein Eigentum ist. Sie setzten durch eine öffentliche Entschließung und Abstimmung fest, daß das ganze jüdische Volk jedes Jahr diese Tage festlich zu begehen habe.

2. Buch Makkabäer, 10:6-10:8

Fast 2.000 Jahre später war aus dem Fest zu Ehren einer nationalen Erhebung, die in einen jüdischen Staat führt, lediglich das Lichtwunder übrig geblieben. Das Wunder des nationalen Sieges der Makkabäer über die Besatzer wurde abgewertet. Das religiöse Wunder des Ölkrügleins dagegen überlebt und wird zum Kern des Chanukka Festes.

Die Zionisten, vor allem die Kulturzionisten um Martin Buber, Achad haAm und Chaim Nachman Bialik, sahen in diesem Fest das nationale Element, die glorreiche Zeit der nationalen Erhebung. Das Chanukkafest sollte wieder das Makkabäerfest werden, das Fest der geistigen Befreiung vom Hellenismus. Mathias Acher sieht in den Makkabäern die Befreier eines vergeistigten (hellenistischen) wunsch- und wehrlosen Volkes. Die nationalen Befreiungskämpfer ziehen in den (heiligen) Krieg. Acher unterstellt ihnen postiv das vitale Motto:

Heraus aus den Lehrsälen! Auf zu den Waffen!
Machet Euch frei und unabhängig! Lebt!

Die Angriffe auf Gaza fanden am Shabbath des Chanukka- / Makkabäerfestes statt. Nach dem Ende der immer wieder gebrochenen Feuerpause zwischen der Hamas und Israel eskalierte ein Konflikt, der vor allem die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten betrifft. Die totale Abriegelung des Gaza Streifens, nach zahlreichen und fortgesetzten Beschuß israelischer ziviler Schulen und Wohnhäuser durch Kassam-Raketen, brachte die palästinenische Bevölkerung in existenzielle Gefahr. Doch ihre Führer schoßen fröhlich weiter.

Israel reagierte nach dem Ende der Feuerpause aber keineswegs emotional übereilt und aus Rachegelüsten. Vielmehr wurde, laut Süddeutscher Zeitung, der Überraschungsangriff akribisch geplant sowie mit mit klarem Kopf und Verantwortungsgefühl ausgeführt.

Auch wenn sich die IAF bemüht zivile Ziele zu schönen, befremdet doch der Sprachduktus der israelischen Regeirung. Barak spricht von einem Krieg bis zum bitteren Ende, um auf der anderen Seite zu betonen, daß damit nicht die Zivilbevölkerung, sondern die Organisationsstukturen der Hamas gemeint seien. Nur sind eben auch Universitäten, Hilfseinrichtungen, Schulen, Moscheen, pharmazeutische Betriebe und offenbar auch ein Krankenhaus betroffen.

Die palästinensischen sogenannten Befreiungsorganisationen reagieren ihrerseits mit einem massiven Beschuß ziviler Ziele. Sie wählen nicht. Sie wollen Israelis / Zionisten töten. Sie achten dabei nicht darauf, ob sie Zivilisten oder Sicherheitsorgane beschießen.

Beide Seiten bekämpfen sich mit einer Totalität, die erschreckend ist. Der Zufall wollte es so, daß die israelische Luftwaffe unter martialisch-nationalistischen Anfeuerungsrufen der israelischen Regierung an einem Chanukka-Shabbat zuschlug und sich so in die lange Kette der nationalen Erhebungen einreiht.


Wenn man sich fragt, wann in der Geschichte zum ersten Mal Menschen im Namen der Religion getötet haben, dann kommt man auf die Makkabäer. Diese 160er Jahre vor der Zeitrechnung sind die Geburtstunde des Martyriums, der Martyrologie, des religiös motivierten Tötens. Wenn man für Gott stirbt und das Martyrium erleidet, geht man unmittelbar ins Paradies ein. Und das ist genau das Syndrom, das wir heute bei den islamischen Fundamentalisten wiederfinden.

So wertet Jan Assmann den Aufstand der Makkabäer und setzt ihn eben auch in einen direkten Zusammenhang mit den menschenverachtenden Machhabern der Hamas im Gaza Streifen. In dieser Festung – vielleicht ähnlich der von Massada – haben sie sich sowohl geistig, als auch materiell eingemauert. Die Zeloten der Hamas geben ihrer Bevölkerung zwar kein Essen, dafür aber umso mehr Waffen und vor allem religiös-national getränkten Hass.

Die Lehre der Makkabäer an die Zionisten und später die Staatsgründer von Israel war, sich niemals wieder geschlagen zu geben, sondern sich mit dem erfreuenden Bewußtsein zu begnügen, daß heute sowie zur Makkabäerzeit noch Leben und Lebensdrang im jüdischen Volke vorhanden ist. Deshalb scheint auch heute noch zu gelten:

Heraus aus den Lehrsälen! Auf zu den Waffen!
Machet Euch frei und unabhängig! Lebt!