Antiimperialistische Querfront für den deutschen Kapitalismus!


Jürgen Elsässer ist mal wieder auf der Suche nach Bündnispartner_innen. Seine Volksinitiative gegen das Finanzkapital will den bewussten Angriff des anglo-amerikanischen Finanzkapitals auf den Rest der Welt vereiteln und sieht bei der Abwehr dieses Angriffs den Nationalstaat in einer herausragenden Rolle. Wichtig ist eine Koordination der angegriffenen Nationalstaaten. Die NPD bot sich umgehend als Bündnispartner an.

Das, so äußerte er gegenüber der taz, geht ihm dann aber doch zu weit. Seine Initiative lehnt jede Zusammenarbeit mit der NPD und Personen, die den Holocaust oder den Nationalsozialismus verharmlosen, kategorisch ab. Trotzdem will er seine große Offensive gegen die angloamerikanischen Angreifer, welche die Staaten in einer Krediklemme erdrosseln, jenseits von sektiererischem, klassenkämpferischen Unsinn, in einem alt-europäischen, eurasischen Bündnis ohne linksradikale Kraftmeierei bzw. imperialistischen Ökonomismus – also gegen den Sozialismus – etablieren. Ziel ist die Rückbesinngung auf den deutschen rheinischen Kapitalismus.

Damit greift er sein altes, zentrales Motiv der Volksfront wieder auf, das von Lafontaine bis Gauweiler, jenseits von Gender Mainstreaming antiamerikanische Tendenzen integriert und für eine vermeintlich linke, nationale Politik verwertbar macht. So kann es schon mal passieren, daß Elsässer unumwunden Symphatien für die natioanlkonservativen, patriachalen Heulsusen von der revisionistischen Preußische Gesellschaft äußert und sie als höchst respektable Vereinigung lobt.

Seine Sehnsucht nach der Macht, die er offenbar mit allen Mitteln erlangen möchte, scheint derart umfassend und grenzenlos zu sein, daß er am liebsten alle ideologischen Gräben überwinden möchte, um endlich wahrhaft alt-europäisch gegen das raffende – eben nicht (protestantisch) schaffende – Kapital vorgehen zu können. Die Frage nach der Qualität und Quantität von linkem Populismus hatte er ja schon beantwortet und sich damit ins Abseits gestellt. Offenbar aber nicht weit genug, denn er taucht immer wieder aus seinem rotbraunem Querfrontbunker auf und faselt zunehmend größeren Müll.

Die Gründng der Volksinitiative ist nun der vorläufige Höhepunkt in Elsässers zielgerichteten und bewußtem Weg in ein Bündnis mit Nazis, Islamist_innen, Fundamentalist_innen und klerikalen Terrorist_innen. Dabei greift er auf die kommunistisch, DDR erprobte Volksfrontbewegung der dreißiger Jahre zurück, die durchaus auch nationale Ansätze aufwies.

So verwundert es gar nicht, daß sich im Publikum zur Gründung dieser Nationalen Volksfront gegen das Finanzkapital einige Nazis rumtrieben. Darunter war auch der sogenannte Reichsbürger und renitente, vorbestrafte Holocaust-Leugner Gerd Walther aus Zossen. Dieser war am Ende des Abends offenbar das Ziel eines Angriffs von Antifaschisten. Elsässer reagierte sofort und distanzierte sich von diesem Überfall von antifaschistisch kostümierten Antideutschen auf die Gründungsveranstaltung. Damit schützt er einen bekannten Nazi und entfernt sich ein weiteres Mal von der linken, antifaschistischen Bewegung. Der Hammer ist jedoch folgendes.


Die „Volksinitiative“ werde sich nicht einschüchtern lassen, sondern: „ganz im Gegenteil ihre Arbeit verstärken. Wir werden eng mit Polizei und Staatsschutz kooperieren, um die kriminelle Vereinigung, die für den Angriff verantwortlich ist, zu überführen – und um unsere künftigen Veranstaltungen zu sichern“.

Na dann viel Spaß. Auf in den rheinischen Kapitalismus! Zusammen mit Reichsbürgern, Nazis, DDR-Bolschewisten, dem deutschen Nationalstaat und seinen Organen!

Scheiß Querfront!

+ + U P D A T E + +

Elsässer ist beim Krisengespräch am Dienstag beim Neuen Deutschland rausgeflogen. Er sieht sich slebst nun als Opfer von Denunziationen & als mißverstandene Kassandra (pdf). Die Kritik verstanden & vor allem für sich fruchbar gemacht hat er nicht. Ganz im Gegenteil, er legt noch eins drauf.


Stimmt es, wie ich auf einer ganzen ND-Seite am 20./21. Dezember 2008 ausgeführt habe, daß die „finanziellen Massenbernichtungswaffen“ zum überwiegenden Teil von Banken und Hedgefonds in Stellung gebracht wurden, die in der Wallstreet oder in der City of London ihre Operationszentrale haben – oder stimmt das nicht?

Bei dieser Aussage applaudiert ihm jede Nazi-Postille, aber auch Kauder, Rüttgers & Co. Folgendes klingt ebenfalls danach, als ob er sich das Parteiprogramm der CSU und rechtskonservative Strategiepapiere zu Gemüte geführt hat.


Wer sinnvolle wirtschaftliche Maßnahmen nur deswegen nicht propagiert und umsetzt, weil auch die Rechten und Rechtsradikalen ähnliches vorschlagen, überlässt den braunen Rattenfängern das Terrain.

Also, besser weiter nach rechts rücken & so die CSU rechts überholen. Bloß gut, das der Spinner weg is‘! Die NPD nahe Deutsche Stimme ruft schon.


2 Antworten auf „Antiimperialistische Querfront für den deutschen Kapitalismus!“


  1. 1 Wendy 15. Januar 2009 um 18:12 Uhr

    Volksfront: Bündnis der „kommunistischen“ Parteien, der Sozialdemokratie und aller „fortschrittlich-demokratischen“ Kräfte gegen den Faschismus. Erste Erprobung dieses Konzepts: Spanien 1936 – 1939. In Chile unter der faschistischen Militärdiktatur Pinochets wurde ähnliches versucht, wenn auch mit mehr „Erfolg“.

    Einheitsfront: Sozialdemokratie und „Kommunisten“ gegen den Faschismus. Dieses Konzept wurde von Trotzki entwickelt.

    Querfront: Traditionell als links(radikal) und traditionell als rechts(radikal) geltende Kräfte tun sich zusammen, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

    Du verwendest die Begriffe in deinem Beitrag oft synonym, was sie aber nicht sind. Die sind historisch anders entstanden und werden auch heute noch als Begriffe für verschiedene Konzepte begriffen.

    Desweiteren: Wo ist diese „Volksfront“ antiimperialistisch? Willst du Elsässers reaktionäres Vorhaben einfach nur mit einem Begriff denunzieren, der für dich was ganz verwerfliches darstellt?

    „Sehnsucht nach Macht“, „manipulative Methoden“? Hast du schon mal vom sogenannten „Wahlkampf“ gehört, in dem sich die Aspiranten der Macht als die persönlich-qualifizierten Führungspersönlichkeiten und Herrscher aufspielen und ihrem Wahlvieh Versprechungen machen, an die sie sich in aller Regel nicht gebunden fühlen?

  2. 2 Machnow 15. Januar 2009 um 23:06 Uhr

    Wendy, Du hast eigentlich schon recht, ich werfe die Begriffe durcheinander & löse sie aus den geschichtlichen Zusammenhängen. Dies tut Elsässer aber offenbar auch.

    ABER

    Mir geht es aber vor allem um die Pervertierung der Volksfront Idee gegen ein Totalitäres System durch Elsässer, das er womöglich eher aus der Idee der gleichgeschalteten Blockparteien der DDR Nationalen Front nimmt. Bei Elsässer kommt hinzu, daß er seine Volksfront / -initiative gegen einen phantasierten, wenn nicht gar virtuellen, Aggressor von Außen, nämlich einem ankloamerikanischen, verschwörerischen, die Welt / Nationalstaaten erdrosselnden Kraken, sieht. Es ist eben nicht ein faschistischer oder ein anderer totalitärer Staat, gegen den er eine Offensive starten will, sondern ein schwammiges nomadisch virtuelles Gebilde, dem er eine statische, seßhafe, nationale Produktion gegenüber stellt.

    So.

    Das ‚Antiimperialismus‘ Prädikat war reine Provokation. Da haste recht. Aber nicht um zu denunzieren, sondern um Elsässers vermeintliche Nähe zu den Antiimps zu verbalisieren. Ich hab aber schon beim schreiben gemerkt, daß er sich mit diesen Ideen auch von ihnen – und von jedem vernünftigen Sozialist_in, Kommunist_in, Anarchist_in usw – verabschiedet hat. Ich hoffe dies zumindest. Andererseits vermute ich, daß Elsässer selbst sich immer noch den AntiImps zugehörig fühlt. Aber, wer weiß…

    Den Hinweis auf Wahlkampf ist richtig, nur befindet sich Elsässer eben nicht in einem solchen. Er schwaffelt ins Blaue, als Publizist – was für ein schöner Titel – eben nicht als Politiker. Er schmiedet Bündniße, phantisiert sich Verschwörungen zusammen… Der Typ nervt einfach. ’ne zeitlang fand ich ihn sogar amüsant, mit seinem Blödsinn. Zunehmend kotzt mich der Quatsch, den er absondert, aber mächtig an.

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